Besuch beim Märchenonkel:

Alles gut in der Schule, und es wird noch besser?

Schön, von einem Minister Selbstkritik am Ende einer Legislaturperiode zu fordern, ist eindeutig zu viel verlangt. Das umso mehr wenn es sich wie bei Claude Meisch um einen neoliberalen Überzeugungstäter handelt, der als oberster Kommunikator bekannt dafür ist, immer alles schönzureden.

Logisch, daß für den Minister alles bestens ist und er die Kritik des SEW vom Vortag überhaupt nicht verstehen kann. Irgendwie müssen Minister und SEW auf verschiedenen Planeten leben! Alle Posten besetzt?

Im Vorjahr waren offiziell auch alle Posten besetzt, bis der Minister einen auf überrascht spielte und zugab, daß da ein Problem war. Auf niedrigerem Niveau schein gerade eine Wiederholung gegeben zu werden. SEW und Landesverband berichteten übereinstimmend von Lehrbeauftragten, deren Zeitvertrag im Juli ablief, denen damals geraten wurde mit »das war‘s dann«, sich einen anderen Job zu suchen, die jetzt von bis zu fünf (!) Regionaldirektionen (die früheren Inspektorate) angerufen wurden im September, ob sie nicht doch ab 17.9. wieder Schule halten könnten. Dabei ging es nicht um Ersatz, sondern um die Übernahme eines Postens als Klassenlehrer.

Laut Meisch gestern sind dank der Quereinsteiger nicht nur alle Posten besetzt, es gäbe obendrein Ersatzpersonal, das fest bei den Direktionen zugeteilt sei.

Beides kann nicht gleichzeitig wahr sein! Möglich ist natürlich, daß der Minister dieses Jahr gleich schlecht informiert ist wie letztes Jahr, doch auch das ist keine Empfehlung für eine Wiederwahl. Ansonsten teilte Meisch mit, es seien neue Tarife für Überstunden eingeführt worden, damit Lehrkräfte eher bereit seien, kurzfristige Vertretungen zusätzlich zu übernehmen. Auch sei der »Concours« nun (wieder) zugänglich für Leute, die nicht für alle Zyklen qualifiziert sind, was früher mal die Norm war.

Mehr Studienplätze

Immerhin gibt der Minister mittlerweile zu, daß die Notlösung der Quereinsteiger keine dauerhafte Lösung sein kann. Zumindest auf diesem Punkt ist er somit einer Meinung mit dem SEW.

Er wußte gestern mitzuteilen, es liefen Gespräche mit der Uni, damit diese mehr Studienplätze für künftige Grundschullehrkräfte anbietet. Statt ein Viertel bis ein Drittel des Bedarfs abzudecken wie heute, sollen es zwei Drittel bis drei Viertel werden.

Wir erlaubten uns nachzufragen, warum die Uni nicht alle künftigen Lehrkräfte ausbilden soll. Es sei nicht grundfalsch, auch über andere Wege rekrutieren zu können, die Hochschullandschaft funktioniere grenzüberschreitend und es gäbe im Ausland gute Beziehungen, begründete das Claude Meisch. Nun ja, bloß die spezielle Luxemburger Sprachensituation berücksichtigt dieses Ausland nicht!

Zwei Lernstufen im Nebel

Laut SEW gab es zumindest am 3. Juli weder Unterrichtsmaterial noch Unterrichtsziele für die zwei Lernstufen »de base« und »avancé«, die im »Secondaire Général«, der vor kurzem noch »Technique« hieß, im zweiten und dritten Jahr, weder für Mathematik noch für Deutsch oder Französisch.

Wir erlaubten uns nachzufragen, ob sich daran etwas geändert habe. In der Antwort hieß es zwar, es gäbe keine Probleme, alles laufe (fragt sich nur wohin), und das gründe auf 15 Jahren Erfahrung im PROCI. Das gab es seit 2003 tatsächlich in vier Lyzeen und sollte das Nachholen von Schwächen in einem Fach begünstigen. Das ist aber irgendwie was anderes, wie zwei Leistungsstufen nebeneinander, ergänzt mit der lustigen Erklärung, das Ministerium habe den einzelnen Lyzeen einen Freiraum bei der Umsetzung gelassen, weswegen weder gemeinsame noch getrennte Klassen vorgeschrieben seien. Das Echo, das er, Meisch, kriege, sei ein anderes als das, was des SEW. Die Behauptung klingt gut, ist aber hohl, sieht sie doch danach aus, daß als sei »Freiraum« gleichbedeutend mit »weder Unterrichtsmaterial noch Unterrichtsziele«.

Einheitspartei als Beleg für richtige Politik

Der SEW wirft Meisch vor, er habe die Bude reif geschossen für die Privatisierung. Meisch antwortet darauf, er habe die öffentliche Schule mit den Europaschulen und den englischen Zweigen in dieser gestärkt, was dazu geführt hat, daß diesen Herbst die Privatschulen nicht mehr Kundschaft haben, die öffentliche Schule aber schon.

Bloß, daß es damit möglich wird, in der öffentlichen Schule der einen oder anderen Sprache so weit aus dem Weg zu gehen, daß es nicht mehr anstrengend ist, und es mehr Punkte für weniger Wissen gibt. Bloß daß damit die Integrationsfunktion verschwindet, weil die Schulbevölkerung in kleine Inseln aufgespalten wird. Der englischsprachige Zweig im Athénée hat so überhaupt keinen Kontakt mit denen, die in der öffentlichen Regelschule sind. Und sie werden ganz sicher mit ihren minimalen Französisch-Kenntnissen nie ein Staatsexamen bestehen! Wobei das im völligen Widerspruch zu dem steht, was Meisch ansonsten zum Französischen sagt, aber das fällt ihm in aller Selbstzufriedenheit nicht einmal auf. Dafür weiß er sich bestätigt, weil »die vier großen Parteien, die sich als regierungsfähig bezeichnen und auch so gesehen werden, nichts fundamental anderes im Wahlprogramm haben« als das, was er seit 2013 konsequent verfolgt. Wir danken für die Bestätigung, daß da Sektionen einer einzigen bürgerlichen prokapitalistischen Einheitspartei am Werk sind, und wir müssen darin wohl die Ursache sehen, daß die KPL nur mehr äußerst selten zu Podiumsdiskussionen eingeladen wird, stören wir doch da viel zu sehr die traute Einigkeit. Oder?

jmj

Donnerstag 13. September 2018