Solidaritätskundgebung mit den Streikenden

»Wir werden unsere Rechte entschlossen verteidigen«

Zuversicht und Entschlossenheit – mit diesen Worten ist die Haltung der knapp 250 Teilnehmer an der Solidaritätskundgebung am vergangenen Samstag vor der Pflegeeinrichtung »An de Wisen« in Bettemburg wohl am besten umrissen. Ursprünglich war die Kundgebung vor dem Pflegeheim der Zitha-Gruppe in der Hauptstadt angekündigt worden, wurde aber dann kurzfristig nach Bettemburg verlegt, um den seit dem 6. Juni anhaltenden Arbeitskampf der dortigen Beschäftigten mit FHL-Kollektivvertrag zu unterstützen. Ihnen verweigert der mächtige Soxedo-Konzern, der Träger der dortigen Pflegeeinrichtung ist, die ihnen bereits seit Oktober 2017 zustehenden Aufwertung der Laufbahnen und Löhne.

Dass der börsennotierte Konzern mit harten Bandagen kämpft, wurde am Samstag erneut deutlich, als die Leitung der Pflegeeinrichtung eine Zeitarbeitsfirma damit beauftragte, Ersatzpersonal für die Streikenden zu beschaffen. War es Ignoranz der bestehenden Gesetzeslage, oder wollte man sich einfach über das Gesetz hinwegsetzen? Jedenfalls hatte OGBL sofort einen Gerichtsvollzieher nach Bettemburg bemüht, um feststellen zu lassen, dass es laut Gesetz einem Unternehmer im Falle eines Streiks nicht erlaubt ist, Zeitarbeiter einzustellen. Die Zeitarbeiter traten denn auch umgehend den Rückweg an.

Anläßlich der Solidaritätskundgebung am Samstagnachmittag äußerte sich die Zentralsekretärin des OGBL für den Gesundheits- und Sozialbereich, Nora Back, zufrieden darüber, dass Sodexo zurückrudern musste. Zuvor hatte die Direktion bereits Praktikanten und pensionierte Beschäftigte gebeten, einzuspringen, während das Reinigungspersonal angehalten war, den Pensionären das Frühstück zu bringen.

Während der Kundgebung, an der auch OGBL-Präsident André Roeltgen und weitere Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands der Gewerkschaft teilnahmen, wurde erneut Transparenz bei den Finanzen von Sodexo gefordert. In Bettemburg habe man während Jahren Profite gemacht, die aber nicht in den Bilanzen in Erscheinung traten, hatte es bereits einen Tag zuvor geheißen. Am Samstag wurde erneut die Forderung erhoben, die Regierung müsse sich einschalten, da es hier immerhin um eine Konvention mit dem Staat und um öffentliche Gelder gehe.

Bereits am Donnerstag vergangener Woche hatten die Streikenden der Einrichtung »Les Parcs du 3ème Age« in Bartringen nach nur mehreren Stunden Arbeitsniederlegung Genugtuung bekommen. Die Direktion der dortigen Alteneinrichtung hatte noch am gleichen Tag die von der Gewerkschaft und den Beschäftigten ausgearbeiteten schriftlichen Bedingungen für ein Ende des Streiks akzeptiert und sich bereit erklärt, ab sofort die geschuldete Anpassung der Laufbahnen und Löhne für die Beschäftigten, die dem Kollektivvertrag des Krankenhaussektors unterstehen, vorzunehmen. Auch die Stunden, die gestreikt wurden, sollen bezahlt werden – demnach ein 100-prozentigeer Streikerfolg.

Demnächst auch Streik bei Zitha

Am gestrigen Montag wurde die Streikbewegung in Bettemburg fortgesetzt. Ergänzt werden könnte diese Aktion demnächst durch eine weitere Arbeitsniederlegung in den Pflegeeinrichtungen der Zitha-Gruppe in Petingen und Luxemburg. Die katholische Gruppe gehört zu den wenigen Patronatsvertretern, die sich weigern, den Beschäftigten mit FHL-Kollektivvertrag die geschuldete Anpassung der Laufbahnen und Löhne zu gewähren.

A.R.

Ali Ruckert : Montag 11. Juni 2018