Zu einem Interview mit dem Generalsekretär des Jägerverbandes:

RTL wirbt für die Trophäenjagd

Im durchweg jägerfreundlichen Luxemburger Fernsehen, wo die einzige Moral »business as business can« zu heißen scheint, darf der Generalsekretär des Luxemburger Jägerverbandes, der seine private Meinung zu äußern vorgab, ohne kritische Frage oder Gegenrede ausführlich die sogenannte Trophäenjagd verteidigen und propagieren mit zum Teil haarsträubenden und widersinnigen Argumenten. Der Generalsekretär des Jagdverbandes übertrifft den Präsidenten, der sich ja in den letzten Monaten fast um den Verstand geredet hatte, an zynischer Unverfrorenheit und nimmt also etwas Druck von diesem. Auch zeigt er: es geht noch krasser.

Die verquere Logik von H.K.: ohne die Trophäenjäger gäbe es in Afrika keine Tiere mehr außer in ein paar Nationalparks. Die westlichen Jagdtouristen würden die Wilderei eindämmen, dadurch, daß sie die Wilderer als Fährtensucher beschäftigten und der armen Bevölkerung gratis das Fleisch der erlegten Tiere lieferten. Sie würden sogar Entwicklungshilfe in Afrika leisten, kleine Schulen und Krankenhäuser bauen. Trophäenjäger als Entwicklungshelfer demnach. Wilderer würden »madames« und »bébés« schießen, die westlichen Jäger nur alte Böcke. Wenn die eingeflogenen weißen Jäger nicht Elefanten abschießen würden, dann würden es Soldaten tun, was Massakern gleichkäme. Jäger, so die zynische Logik, seien eigentlich Tier- und Naturschützer, auch wenn dies nicht ihr eigentliches Ziel wäre. Natürlich verteidigt H.K., den RTL als ehemaligen Entwicklungshelfer in Burkina Faso darstellt, das Töten des Löwen Cecil, der ja dreizehn Jahre gelebt habe, was mehr als genug sei.

Die Wahrheit über das Treiben der westlichen Herrenjäger in Afrika ist allerdings eine ganz andere:

– Die weißen Jagdtouri­sten, von denen die große Mehrheit US-Amerikaner sind, gefolgt von Deutschen und Briten, fördern die ohnehin grassierende Korruption. Die Gelder für den Abschuß der Tiere fließen durchweg in die Taschen der hemmungslosen nationalen Eliten und Machthaber; für die Armen, und das ist ja die überwältigende Mehrheit, bleibt kaum ein Cent übrig. Es sind vor allem die westlichen Jäger gewesen – und erst in rezenter Zeit die einheimischen Wilderer –, die verschiedene afrikanische Tierarten an den Rand des Aussterbens gebracht haben. Die Wilderei spielt eine so große Rolle vor allem wegen der starken Nachfrage auf dem asiatischen Markt nach Pseudo-Medizin und Pseudo-Aphrodisiaka, die von Körperteilen von Nashörnern, Großkatzen, Menschenaffen usw. stammen. Übrigens wird durch die durch Zufall bekanntgewordene traurige Geschichte von Cecil die heuchlerische Politik Simbabwes bloßgestellt, das zu Recht die weißen Farmer enteignete, jedoch die westlichen Tierkiller nicht nur duldete, sondern hofierte.

– Die Trophäenjagd der Weißen in Afrika ist ein schamloses postkolonialistisches Treiben. Der Westen hat nur Unheil nach Afrika gebracht: der »schwarze Kontinent« wurde schonungslos ausgebeutet, Menschen als Sklaven gehalten und verkauft, die Bodenschätze geraubt; jetzt dezimiert man erbarmungslos die ohnehin stark schrumpfende Bevölkerung seines vielleicht größten Schatzes – der herrlichen freilebenden Tiere.

– Grotesk ist es zu behaupten, ohne die westlichen Jäger würden die Tiere in Afrika aussterben. Dies ist so, als ob man argumentieren würde, daß ohne Krieg die Völker aussterben würden. Tatsächlich wurde diese Sicht des Krieges Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang verbreitet.

– Gemäß der Jagdideologie von H.K. legt der Jäger fest, wann ein Tier genug gelebt hat. Er streitet somit dem Tier das Recht auf unbegrenztes Leben und natürlichen Tod ab und vertritt sogar eine Art von präemptiver Euthanasie. Der Jäger spielt sich auf zum Herrscher über Leben und Tod.

– H.K. versteigt sich in ein brutal kapitalistisches Denken, wenn er sagt, daß Tiere fotografieren den Afrikanern längst nicht soviel einbringen würde wie Tiere schießen, was übrigens von den mei­sten unabhängigen Experten bestritten wird. Daß ein Tier zu schießen der Existenz einer Kreatur, die leben möchte, ein Ende bereitet, kann natürlich für den Generalsekretär der Jäger kein stichhaltiges Argument sein.

– Ist es nicht ein armseliges Erfolgserlebnis, ein Tier mit Hightech-Waffen zu erlegen? Auf jeden Fall erfordert eine solche Tat nicht den geringsten Mut und ist eher ein moralisches Armutszeugnis. Könnte es etwas Feigeres geben als ein wehrloses Tier aus sicherer Entfernung zu töten, auch wenn man dies mit Pfeil und Bogen tut. Übrigens geht es nicht darum, ob ein Löwe »legal« oder »illegal« getötet worden ist. Das Töten ist stets ein obszöner Akt, es sei denn, es geschähe in Notwehr.

– Was H.K. verschweigt: daß wegen des Mangels an freilebenden Löwen Tausende von Tieren, etwa in Südafrika, unter elenden Bedingungen gezüchtet werden, um dann den westlichen Großjägern vor die Flinte getrieben zu werden.

– H.K. spricht von »Motivation« und »Erfolgserlebnis«. Was aber steckt psychologisch wirklich hinter dieser Tötungsgier? Ist es nicht widerlich, ein wundervolles Geschöpf in den Tod zu befördern, nur um seinem eigenen mickrigen Ego einen Kick zu verschaffen? Ist es nicht der unbewußte Haß des unansehnlichen Jägers auf das schöne starke Tier, das er töten, vernichten, entweihen, entwürdigen möchte? Ist es nicht ein grausiges, atavistisches Ritual, wie vom sadistischen US-amerikanischen Zahnarzt praktiziert, den »König der Savanne« zu enthaupten und zu häuten, also all das zu tun, was der Mensch während Tausenden von Jahren mit seinen menschlichen Feinden angestellt hat und zum Teil noch anstellt, nämlich sie zu entstellen und zu zerstückeln, damit »ihre Seele auf ewig keine Ruhe finde«? H.K. redet wie ein Metzger von Fleisch, das mit Gewinn von den Einheimischen verkauft wird.

Die Argumentation von H.K. zeugt von einem unüberbietbaren Zynismus: die Tiere in Afrika würden getötet, um ihr Überleben zu sichern. Also umbringen, um am Leben zu erhalten? H.K. möchte den Eindruck vermitteln, daß das Jagen in Afrika ein Töten für den guten Zweck sei, sozusagen eine philanthropische Tätigkeit.
Armselige Jäger. Verkommener Westen. Heillose Bestie Mensch.

Armand Clesse

Donnerstag 20. August 2015