Freuden des Hauptstadt-Schöffenrats:

Mit Kippen abstimmen und Schiffl spielen

Während die Caritas findet, im Lande Luxemburg fehlten 40.000 soziale Mietwohnungen, ist Bürgermeisterin Lydie Polfer empört, daß nicht groß in der Presse rauskam, daß in der Rue de l’Avenir hinten auf dem Limpertsberg 34 soziale Mietwohnungen und 30 Wohnungen für den Verkauf fertiggestellt und eingeweiht wurden. Der Schöffenrat findet, das sei eine Großtat, die gebührend zu feiern sei. Die nette Kleinigkeit ist allerdings leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein!

Kurzfristig ohne konkrete Folgen ist die Mitteilung, der Schöffenrat habe ein Studienbüro beauftragt, ein Lastenheft für einen Urbanismuswettbewerb auszuarbeiten, um Ideen zu bekommen für 83.600 m² in Stadtbesitz rund um Stadion, Feuerwehr, Hygienedienst und RecyclingZentrum an der Arloner Straße und die daran anschließenden 17.400 m² des Antonius-Klosters. Dessen Kongregation will sich daran beteiligen will, dort Wohnbau mit Nachbarschaftshandels- und Sportflächen rund um einen zentralen Begegnungsplatz entstehen zu lassen.

Bevor es so weit ist, wird das Pfaffenthal sicher noch oft überschwemmt, aber darüber wurde gestern nicht geredet. Denn als erstes wird von dort die Feuerwehr wegkommen – 2021. Denn auch wenn das Fußballstadion Anfang 2020 auf Kockelscheuer fertig ist, kann das Josy Barthel-Stadion noch nicht weg, denn da braucht es erst noch eine Leichtathletik-Anlage. Und der neue Recycling-Hof mit der Umsiedlung des Hygiene-Dienstes hinter den Merler Friedhof wird wohl nicht vor 2025 fertig.

Dafür bekommen die geplagten Pulvermühler, denen ganz viele Wohnungen mit viel zu wenig Parkplätzen ins Haus stehen, als Trostpflaster schon am 16. Juli eine direktere Busverbindung zum Bahnhof und über Neudorf zum Kirchberg mit einer neuen Fahrstrecke der AVL-Linie 7 von Montag bis Samstag und von Montag bis Freitag eine neue Linie 70, die sogar nach Hamm fährt. Da am Sonntag nichts fährt, werden sie leider ihr Auto doch nicht abmelden können.

Träumt der Schöffenrat heute schon für nach der Renovierung des unterirdischen Parkings am Theaterplatz von einem überdachten Markt oder vielen Kiosks, so wird es zusätzlich zu den heißen Kartoffeln, die bereits im bestehenden Kiosk verkauft werden, im Sommer einen künstlichen Rasen rund um die Skulptur gehen und ein Platz zum Boulespielen. Es werden Gesellschaftsspiele vorrätig gehalten und es wird sogar das Spielmobil auffahren, aber nur am 1., 3., 7., 9., 13., 14. und 15 September.

Wer vom Schöffenrat in Paris war, wurde zwar nicht gesagt. Jedenfalls wurde dort in zwei Parks entdeckt, daß Mini-Segelboote als Kinderspiel ausgeliehen werden (zum Beispiel in den »Jardins du Luxembourg«, aber nicht unentgeltlich). Deshalb hat der Schöffenrat handgemachte Segelschiffchen aus der Bretagne bestellt, die an ganzen drei Wochenenden im Merler Park gratis angeboten werden von 11 bis 17 Uhr. Und zwar am 14./15. Juli, am 4./5.8. und am 25./26.8. Wird’s ein Erfolg, gäbe es das nächstes Jahr öfter und vielleicht auch noch einmal an einem September-Wochenende.

Wer sonst noch mit dem Schöffenrat Zeit verbringen will, kann mit ihm und der Polizei am 11. Juli ab 19.30 Uhr ab dem Knuedler 10 km durch die Stadt radeln. Das Fahrrad ist mitzubringen, es braucht keine Anmeldung und es kostet nix.

Noch ein Spielchen wurde sich ausgedacht, mit dem nebenbei die Kippen nicht mehr überall herumfliegen sollen, was dem Hygienedienst gar viel Arbeit macht. Es wurden 12 lustige Geräte bestellt, in die diese Kippen in zwei Fächer geschmissen werden können, wobei drüber eine Frage steht wie z.B. »Wird Belgien ins Halbfinale kommen?« Aufgestellt werden zunächst vier Geräte beim »Public Viewing« am Glacis, wobei dort übrigens entgegen früherer Ankündgungen am 23.6. um 20 Uhr das Spiel BRD-Schweden gezeigt wird.

Bürogebäude oder Café-Restaurants, die bei der Aktion mitmachen wollen, dürfen sich beim Hygienedienst melden, verunreinigt doch ein unachtsam weggeworfener Zigarettenstummel in den 12 Jahren seiner Dekomposition 500 Liter Wasser.

Ach ja, auch die Rue Louvigny wird behübscht, um mehr Leute zu verleiten, diese Gasse zu betreten, damit die Geschäfte dort besser laufen. Für den Pfaffenthaler Lift kriegt die Stadt in der Kategorie sanfte Mobilität bei den »Défis Urbains« demnächst in Paris einen Spezialpreis. Und die regierungsamtlichen Rauchmelder gibt die Stadt an Leute mit Innenminister-Brief in ihrem Gebäude auf der Rocade de Bonnevoie und im Biergercenter am Knuedler zu den jeweiligen Öffnungszeiten aus.
Ach wie schön daß niemand weiß, daß es noch Probleme in dieser Stadt gibt, gegen die Unterhaltung zur Ablenkung nicht hilft!

jmj

Mit diesem und ähnlichen Schiffchen darf auf einem Teil der Wasserfläche im Merler Park gefahren werden – aber nur an drei Wochenenden!

Mittwoch 20. Juni 2018