40 Jahre USILL:

Fürsprecher für die Lebensqualität

Am vergangenen Dienstag hielt die USILL (»Union des Syndicats d’Intérêts Locaux de la Ville de Luxembourg«) in Zessingen ihre diesjährige Generalversammlung ab. Von den 23 lokalen Interessenvereinen in den einzelnen Stadtvierteln, die sich am 28.10.1978 zu diesem Dachverband zusammengeschossen hatten, gibt’s noch 15. Es ist einer der wenigen Vereine in der Hauptstadt, wo noch Luxemburgisch geredet wird, obwohl deren Anteil immer geringer wird (allerdings nicht deren Zahl). Das obwohl die USILL eine deutsche Vizepräsidentin und eine kamerunische Kassiererin zuarbeiten hat. Das Problem ist wohl, daß eine wachsende Zahl Ausländer Luxemburg nur als Durchgangsort sieht, und sich daher auch nicht für diese Stadt engagiert.

Die in einem Memorandum nach der Generalversammlung vom 20.6.2017 an die Politik gerichteten Forderungen sind unerfüllt geblieben. Die USILL beharrt aber darauf und hält den Forderungskatalog weiter aufrecht. Wichtigster Punkt ist eine Dezentralisierung der Arbeitsplätze übers Land, damit die Entwicklung in der Stadt in Richtung von 2,5 Einwohner pro Arbeitsplatz geht. Aktuell sind wir näher bei 2 Arbeitsplätze pro Einwohner, und genau das führt zu dem Verkehr, in dem alle ersticken und mit dem die Lebensqualität der Einwohner wie übrigens auch der Pendler den Bach hinunter geht. Zwar wurde die Dezentralisierung in einigen Sonntags- und Chamberreden aufgenommen, es geschah aber gar nichts.

Bei den Verkehrsinfrastrukturen ist auch nicht wirklich viel geschehen. Vor allem wurde die Kapazität nicht mehr, dafür aber die Zahl der Arbeitsplätze. Busse halten weiterhin mitten in der Straße und halten alles auf. Parkplätze werden viel zu wenige bei Betrieben wie bei Wohngebäuden genehmigt, was zu nichts anderem als Chaos führt. Wobei ein Betrieb, dem nicht genügend Plätze für alle Fahrzeuge genehmigt werden, die er braucht, natürlich sein Stellproblem damit zu lösen versucht, daß er sein Personal abends mit den Fahrzeugen nach Hause schickt, die dann in den Wohnvierteln Platz verstellen.

Findel-Leiden

Ein wichtiges Thema des abgelaufenen Arbeitsjahres war der Findel, wobei da nicht nur das Lärmproblem zu beachten ist, sondern auch das der Schadstoffe. Flugzeuge haben Verbrennungsmotoren, und zwar erheblich größere als Autos. Je moderner sie sind, desto feiner wird ihr Feinstaub, wobei der Ultrafeinstaub nicht einmal mehr in der Lunge zurückgehalten wird und daher in den Blutkreislauf gelangt. Je moderner die Motoren, desto mehr Ultrafeinstaub wird übers Land verteilt.

Die USILL konfrontiert den Luxair- und Cargolux-Verwaltungsratspräsidenten Helminger immer noch mit der Forderung des Bürgermeisters Helminger nach einem City-Airport, von dem der Findel leider immer weiter abrückt sowohl bei der Zahl der Flüge, der Passagiere als auch der Frachttonnage.

Dabei ist die Zahl der Nachtflüge unter der Verantwortung des Gréng-Ministers Bausch mehr gewachsen als die Zahl der Flüge: 2017 +12% Nachflüge bei +8% Flüge (Starts und Landungen). Das führte zu 2.226 Nachtflügen, also durchschnittlich mehr als sechs pro Nacht. Nachtruhe sieht anders aus!

Die Anfang 2017 versprochenen Statistiken, wer wann womit mit welcher Begründung nachts Krach am Himmel macht, hat die USILL nie erhalten. Mit dem Näherkommen des Wahltermins gab’s dann doch über die Flughafenbegleitkommission hinaus, die meist nur einmal im Jahr zusammentritt, mehr Gesprächsbereitschaft bei der Flugverwaltung ANA. Vereinbart sind jetzt Treffen alle drei Monate.

Zumindest vor Ort konnten die USILL-Vertreter Einsicht in die ministeriellen wie die ständigen Ausnahmen von der Nachtruhe bekommen. Ministerielle Ausnahmegenehmigungen sind in der Regel ausführlich begründet, bei den viel zahlreicheren ständigen aber geben die Fluggesellschaften oft nur unleserliche Stichworte als Begründung.
Vereinbart ist mit der ANA, daß das geändert wird, da es weder mit dem Buchstaben noch mit dem Geist des Reglements in Einklang ist. Statt unleserlichem Kraxeln auf Papier wird es eine ordentliche Begründung über ein Computerprogramm geben müssen. Wir werden sehen, wie sich das auswirkt. Es kann aber leicht sein, daß sich die Pistenrenovierung schneller auswirkt, wobei die den Vorteil hat, Nachtflüge tatsächlich und voll wirksam zu stoppen.

Wie sonderbar verfahren wird beim Wachstum am Findel, zeigte sich bei den im November 2017 vorgelegten aktualisierten Lärmkarten. Sie sind nämlich bei Präsentation schon nicht mehr aktuell, weil unregelmäßig neue An- und Abflugstrecken geflogen werden, die zu ganz anderen Belastungen für alte und neue Betroffene führen. Da die Interessenvereine in Hamm und Cents zu ihren eigenen Meßstellen inzwischen auch die Transponder-Werte der Fugzeuge aufzeichnen, konnten sie damit überraschen. Diese Daten bewirkten, daß die Gesprächsbereitschaft exponentiell wuchs, mußte doch eingesehen werden, daß Märchen nicht mehr zu verkaufen sind.

Baustellenchaos

Der Schöffenrat behauptet zwar immer wieder, es sei alles bestens koordiniert und organisiert. Nachvollziehbar ist die Behauptung aber nicht, umso mehr nicht viel bei vielen Baustellen wackelt. Wer zu wenig Bauarbeiter auf zu viele Stellen verteilt, schafft Chaos.

In der letzten UNESCO-Begleitkommission, wo die USILL nun auch mit zwei beratenden Vertretern am Tisch sitzt, kam dann heraus, daß das mit der Planung nicht weit her ist: Luxtram konnte weder Pläne noch eine Termin-Aufstellung für die 18 Monate dauernden Arbeiten in der Av. de la Liberté liefern!

Es ist also noch viel zu tun. Die USILL will’s anpacken, und wir wünschen ihr viel Erfolg dabei.

jmj

Donnerstag 21. Juni 2018