Unser Leitartikel:
Die Flexibilisierung für die Bauarbeiter, die Profite für die Baulöwen

Am Donnerstag dieser Woche wird in der Hauptstadt eine größere Demonstration der Bauarbeiter stattfinden, zu welcher der OGBL aufgerufen hat.

Eigentlich hätten auch die im LCGB organisierten Bauarbeiter daran teilnehmen sollen, aber dann entschieden die Verantwortlichen der christlichen Gewerkschaft, die zuvor mit dem OGBL den Forderungskatalog für die Erneuerung des Kollektivvertrags ausgearbeitet hatten, die Gewerkschaftsfront zu verlassen und zum gleichen Zeitpunkt an einem anderen Ort zu manifestieren.

Das Patronat dürfte sich ins Fäustchen lachen ob dieser vom LCGB provozierten Spaltung, die erfolgte, weil die Gewerkschaft sich, wie eine Gewerkschaftssekretärin sich im Radio verplapperte, im Vorfeld der Sozialwahlen von Februar 2019 profilieren will. Aber der Schaden ist angerichtet, wobei es nicht das erste Mal ist, dass der LCGB den Gesamtinteressen der Lohnabhängigen in einem Wirtschaftszweig in den Rücken fällt.

Diese Profilierungssucht auf Kosten der Einheit wiegt umso schwerer, als die Lage im Bausektor sehr ernst ist, und die Kollektivvertragsverhandlungen sich aufgrund der Sturheit der Bauunternehmer seit Jahren in einer Sackgasse befinden.

Das Patronat will nicht nur Lohnerhöhungen verhindern und die Jahresendprämie kürzen, sondern den Zwölfstundentag und die 54-Stundenwoche durchsetzen und parallel dazu eine größere Flexibilisierung einführen, welche auch zur Folge hätte, dass Bauarbeiter im Jahr zwischen 3.000 und 6.000 Euro Lohneinbußen hätten.

Zu den gewerkschaftlichen Forderungen zählen Lohnerhöhungen von jeweils 1,5 Prozent für drei Jahre für die 18.000 Bauarbeiter, bessere Arbeitsbedingungen, einen Zugang zur beruflichen Weiterbildung ohne Einschränkung und einen einzigen Kollektivvertrag für alle Lohnabhängigen aus dem Bauwesen.

Obwohl die Forderungen alles andere als übertrieben sind, die Auftragsbücher aus allen Nähten platzen, und die Profitraten während der vergangenen Jahre nicht kleiner, sondern größer wurden, weil die Unternehmer sich den größten Teil der durch die Produktivitätssteigerungen erfolgten Mehreinnahmen in die eigene Tasche steckten, wollen die Bauunternehmer ihre Beschäftigten mit einem Almosen abspeisen, das diese dann auch noch durch mehr Flexibilität zurückzahlen sollen.

Das ist eine regelrechte Provokation der Baulöwen, auf die es eigentlich nur eine Antwort geben kann: die Entschlossenheit der Bauarbeiter und die Solidarität aller Lohnabhängigen mit den Bauarbeitern.

Ali Ruckert

Dienstag 3. Juli 2018