Frontlinien in Syrien weiter reduziert

Syrische Armee und Verbündete konzentrieren sich auf das Gebiet um Idlib

Nach sieben Jahren Krieg in Syrien haben die Frontlinien im Land sich weiter reduziert. Im Südwesten Syriens, entlang den Grenzen zu Jordanien und zu den von Israel besetzten syrischen Golanhöhen hat die syrische Armee mit Unterstützung ihrer Verbündeten die Gruppen der bewaffneten Regierungsgegner zur Aufgabe und zum Abzug gezwungen.

Möglich geworden war die rasche militärische Veränderung im Südwesten Syriens, weil die USA den Regierungsgegnern klar gemacht hatte, daß diese von Washington keine Hilfe zu erwarten hätten. Jordanien war aus wirtschaftlichen Gründen schon lange daran interessiert, daß die syrische Regierung offiziell wieder die Kontrolle an der gemeinsamen Grenze übernimmt.

Israel begrüßte die Wiederherstellung des Vorkriegs-Status Quo auf den Golan-Höhen. Verbunden damit wird die UNO-Blauhelmmission (UNDOF) zurückkehren, die seit 1974 die Waffenstillstandslinie und Pufferzone auf dem Golan zwischen Israel und Syrien kontrolliert. 2012 war dieses Gebiet zur Kampfzone geworden und wurde bis vor wenigen Wochen noch von marodierenden Regierungsgegnern kontrolliert.

Am 3. August 2018 berichteten israelische Medien, daß die Israelische Armee das Feld-Lazarett »Mazor Ladach« (deutsch: »Verbände für die, die sie brauchen«) abgebaut habe. Entstanden war diese Klinik im Rahmen des Projekts »Gute Nachbarschaft« (mit syrischen Oppositionellen) auf dem besetzten Golan und in Deraa. 6.800 Kämpfer und Zivilisten aus Syrien sollen dort versorgt worden sein.

Weiterhin kommt es allerdings zu israelischen Luftangriffen auf Syrien, zuletzt in Aleppo und Hama. Zwei Mal wurde eine Militärforschungsanlage bei Masyaf (Provinz Hama) bombardiert. Am Montag wurde General Aziz Asbar ermordet, der das syrische Raketenforschungsprogramm in Masyaf leitete. Er und sein Fahrer starben, als ihr Auto beim Starten explodierte.

Der Anschlag ist nicht der erste seiner Art in Syrien und trägt deutlich die Handschrift einer staatlich genehmigten Terroroperation des israelischen Geheimdienstes Mossad. Ein »anonymer Mitarbeiter eines Geheimdienstes im Mittleren Osten« bestätigte das gegenüber der »New York Times« (die »Zeitung« berichtete). Der israelische Geheimdienstminister Yisrael Katz begrüßte einen Tag danach den Mord im israelischen Armeerundfunk: »Angenommen es stimmt, was man über die Aktivitäten dieses Mannes sagt und daß er in die Entwicklung von Chemiewaffen und Langstreckenraketen involviert war, die Israel treffen könnten, dann begrüße ich natürlich seinen Tod«.

In den von Rußland, Türkei und dem Iran kontrollierten Randgebieten der »Deeskalationszone Idlib« haben die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den syrischen Streitkräften und bewaffneten Regierungsgegnern derweil zugenommen. Rußland versucht, den Konflikt mit der Türkei um die Provinz Idlib ohne weiteren Krieg zu lösen. Die mit der Türkei verbündeten bewaffneten Gruppen – darunter die Nusra-Front (Al Qaida) –sind bisher nicht bereit, die Kontrolle über Idlib aufzugeben. EU-Staaten haben zudem viel Geld in die Provinz Idlib investiert, wo sie »humanitäre Projekte« der so genannten »moderaten Opposition« finanzieren. Darunter die »Weißhelme« und eine »Freie Syrische Polizei«.

Das russische »Zentrum für die Versöhnung der verfeindeten Seiten in Syrien« in Hmeimin/Latakia unterstützt weiter Verhandlungen mit den verschiedenen syrischen oppositionellen Gruppen in Idlib. Am Dienstag teilte der leitende Generalmajor Alexej Zygankow mit, daß »Dutzende syrischer Oppositioneller in einem Randgebiet von Idlib unter Kontrolle von Hayat Tahrir al-Sham und Jabhat Tahrir Suriya von diesen festgenommen« worden seien. Beide Kampfverbände sind Neugründungen bzw. Ableger der Nusra-Front und tragen die »Befreiung Syriens« im Namen. Mit ihren Provokationen wollten sie offenbar den »Stabilisierungsprozeß für Idlib und mögliche Friedensgespräche« unterlaufen, sagte der russische General.

Viele Syrer hoffen auf ein Endes des Krieges. Allein aus dem Libanon kehrten in den letzten Wochen Tausende in ihre Heimat zurück. Die Regierung beschloß am Mittwoch die Gründung einer Koordinierungsstelle, die Syrern aus dem Ausland bei der Rückkehr helfen soll.

Karin Leukefeld

In der Stadt Tal Rifaat, ca. 30 Kilometer nördlich von Aleppo, verteilen Soldaten der russischen Armee Hilfsgüter an Flüchtlinge (8.8.18) (Foto: AFP)

Donnerstag 9. August 2018