Sonnige Aussichten für Versicherungskonzerne

Commissariat aux Assurances rechnet wegen Brexit mit weiteren Umzügen von London nach Luxemburg

Die Entscheidung der Briten, der EU (voraussichtlich) bis März nächsten Jahres den Rücken zu kehren, hat bereits sechs Versicherungskonzerne dazu gebracht, ihr Europageschäft aus der britischen Hauptstadt nach Luxemburg zu verlegen. Weitere fünf Versicherungsunternehmen hätten ihren Umzug von London nach Luxemburg angekündigt, erklärte Claude Wirion, der Präsident des Direktionskomitees des Commissariat aux Assurances (CAA), als die Aufsichtsbehörde am Donnerstag ihren Jahresbericht 2017/18 präsentierte.

Bis zum Brexit sei vor allem mit einer Verdreifachung des Umsatzes (verglichen mit 2017) in der Sparte Nichtlebensversicherungen zu rechnen, so Wirion. Eine spürbare Einstellungswelle erwarte man trotzdem nicht. Durch den Brexit sei lediglich mit rund 40 neuen Arbeitsplätzen – ausschließlich für Hochqualifizierte – in Luxemburg zu rechnen.

Beschäftigungszuwachs an Luxemburg vorbei

Auch der »enorme Beschäftigungszuwachs 2017« habe vor allem im Ausland stattgefunden, und auch dort habe es sich nicht um Neueinstellungen gehandelt, sondern um Arbeitsplatzwechsel – »beispielsweise von einem englischen Konzern zu einem luxemburgischen«. Während in Luxemburg dem Jahresbericht zufolge 118 Stellen hinzukamen, waren es im Ausland 980. Der Versicherungssektor habe Ende vergangenen Jahres 7.712 Männer und Frauen in Luxemburg (hier waren es 4.016) oder in luxemburgischen Firmen im Ausland (3.696) beschäftigt. Das addierte Nachsteuerresultat wurde mit 777 Millionen Euro angegeben, einem Rückgang um 57 Prozent gegenüber 2016. Dabei habe das Nachsteuerresultat der Lebensversicherungen um 36,5 Prozent auf 307 Millionen Euro zugelegt, die anderen Versicherungen nur um 2,1 Prozent auf 175 Millionen Euro und die Rückversicherungen hätten 79,1 Prozent auf 295 Millionen Euro eingebüßt.

Die einkassierten Prämien stiegen um 8,7 Prozent auf 38 Milliarden Euro und die Bilanzsumme legte um 3,2 Prozent auf 235 Milliarden Euro zu – davon 179 Milliarden Euro (+3,7%) Lebensversicherungen, 13 Milliarden (+4,6%) andere Versicherungen und 43 Milliarden (+0,8%) Rückversicherungen.

Konnte sich der Finanzminister vor einem Jahr noch über fast doppelt so hohe Einnahmen für den Fiskus freuen, so sank die Summe der von den Versicherungskonzernen gezahlten Steuern 2017 wieder um 37,5 Prozent auf nun 233 Millionen Euro.

Wenige Kontrollen wegen Brexit

Daß der CAA im vergangenen Jahr nur 1.550 Kontrollen anhand von Berichten und weitere 35 Kontrollen vor Ort in seiner Funktion als staatliches Überwachungsorgan durchgeführt hat, führte Wirion ebenfalls auf den Brexit zurück. Wegen der dadurch entstandenen Mehrarbeit sei einfach kaum Zeit gewesen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres habe es bereits 1.137 Berichts- und elf Vorortkontrollen gegeben. Seit Anfang 2016 ist das Risikomanagementsystem ORSA (»Own Risk and Solvency Assessment) verbindlich.

Im vergangenen Jahr verhängte der CAA nur eine einzige Sanktion gegen einen Versicherungskonzern, im ersten Halbjahr 2018 waren es zwei. Weder im Berichtszeitraum noch in der ersten Jahreshälfte 2018 mußte einem Versicherungsmakler die Zulassung entzogen werden, es wurden aber vier bzw. acht Bußgelder gegen Makler verhängt.

oe

Sonnige Aussichten für den hiesigen Versicherungssektor gehen einher mit dunklen Wolken über dem Londoner Finanzzentrum Canary Wharf im ehemaligen Hafengebiet der britischen Hauptstadt (Foto: EPA-EFE)

Donnerstag 12. Juli 2018