USA rüsten Verbündete in Syrien weiter auf

Kurdensprecherin lehnt das Astana-Abkommen über Deeskalationsgebiete ab

Unbeirrt von der Kritik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan rüstet die USA-Armee die mit ihr verbündeten Einheiten der »Syrischen Demokratischen Kräfte« (SDF) und der kurdischen »Volksverteidigungskräfte« (YPG/YPJ) in der nordsyrischen Provinz Rakka weiter auf.

Am Dienstag teilte Major Josh Jacques vom USA-Zentralkommando mit, daß weitere USA-Marines in die Provinz Rakka geflogen worden seien. Die Soldaten sollten »vorübergehend unterstützen«, so der Major. Ziel des militärischen Engagements sei es, »die dauerhafte Niederlage von ISIS zu gewährleisten«.

400 U.S. Marines waren bereits im März im Norden Syriens stationiert worden. Um den Angriff auf Rakka vorzubereiten, sollten sie »einen Vorposten einrichten«. General Joseph Votel, Chef des USA-Zentralkommandos bestätigte den Einsatz. Völkerrechtlich handelt es sich um eine illegale Besetzung Syriens, da die USA-Armee weder auf Bitte der syrischen Regierung noch in Absprache mit dieser handelt. Der »Vorposten« besteht nach Auskunft von Augenzeugen in Aleppo im Bau eines neuen Flughafens bei Tabqa (Al Thawra) am Euphrat, unweit des Assad-Staudamms. Die USA hätten dort »viel Land beschlagnahmt« und begonnen, Start- und Landebahnen zu bauen. Arabischen Medien zufolge wurden in Nordsyrien von den USA-Streitkräften bisher sechs Flughäfen und Militärbasen errichtet.

Die USA-Armee kooperiert im Norden Syriens mit SDF und YPG/YPJ, die nach Auskunft aus der Bevölkerung für ihre Dienste bezahlt werden. Angehörige von YPG-Kämpfern berichteten der Autorin, daß die Organisation ihren Kämpfern zwischen 150 bis 200 US-Dollar im Monat bezahle. Das sei »viel mehr«, als der in Syrien bisher geltende Mindestlohn (80 USD), so die Quelle: »Alle wollen für sie arbeiten.«

Das für Syrer vergleichsweise hohe Gehalt sei dennoch viel weniger, als die USA-Armee bezahlen müßte, wenn sie bei der Befreiung von Rakka mit der türkischen Armee kooperieren oder eigene Spezialkräfte nach Syrien verlegen würde, erklärte Abdullah Agar, ein ehemaliger Soldat der türkischen Spezialkräfte im Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur Sputnik Türkei. »Außerdem muß Washington für sie keine Verantwortung übernehmen.« Die Kurden in Syrien seien von Anfang an von Washington bewaffnet worden, allerdings geheim, sagte Agar. Nun sei die Entscheidung in Washington offiziell verkündet worden, weil es in die politische USA-Strategie in der Region passe.

Vorbild sei der Irak, wo die direkte massive Bewaffnung und militärische Unterstützung für die nordirakischen Kurden den Ruf nach einem unabhängigen Staat Kurdistan und einer Trennung vom Irak erneuert habe. »Das Gleiche gilt nun für Syrien. Washington hat sich entschieden, die YPG zu bewaffnen, um ein politisches Ziel zu erreichen, die endgültige Aufspaltung von Syrien.« Direkt damit verbunden sei auch die Schwächung der Türkei, so Abdullah Agar. Eine stärkere Rolle der Türkei als »Ordnungsmacht« in der Region »geht auf Kosten der Pläne und Ambitionen Washingtons im Mittleren Osten.«

Im Exekutivrat von Rojava, wie die Kurden die Gebiete um Qamishly (Jazira), Kobani (Ain al-Arab) und Afrin im Norden Syriens nennen, scheint es jenseits von Rakka weitere Pläne für eine Expansion zu geben. Hediya Yousef, Mitvorsitzende des Exekutivrates, sagte in einem Gespräch mit der russischen Internet-Zeitung »Gazeta.ru«, man brauche Zugang zu internationalen Handelsrouten, was nur mit Hilfe eines Korridors zum Mittelmeer möglich sei. Für Rojava gebe es weder Handelsmöglichkeiten mit der Türkei noch mit den nordirakischen Kurden, die Rojava nicht nur wirtschaftlich boykottieren, sondern auch bekämpfen. Rojava sei auf die Unterstützung der USA angewiesen. Das Anfang Mai in Astana vereinbarte Abkommen, in Syrien Deeskalationsgebiete einzurichten, entspreche »nicht den Interessen der Kurden«, so Yousef.

Karin Leukefeld Unter Bruch des Völkerrechts: USA-Soldaten in einem Vorort des syrischen Stadt Al-Darbasiyah (Foto: EPA)

Donnerstag 18. Mai 2017