Eine Zukunft für die Post:

»Wir arbeiten viel daran«

Gestern trat Post-Generaldirektor Claude Strasser vor die Presse mit Hjoerdis Stahl, die seit sieben Monaten Briefpost-Direktorin ist, und Pierre Zimmer, der seinen dritten Arbeitstag bei der Post beging und der Telekommunikation die Informationstechnologie beibringen soll. Dies eigentlich um mitzuteilen, es sei viel gearbeitet worden in den letzten sechs Monaten, und die Bäume seien 2013 nicht in den Himmel gewachsen. Genaueres zum finanziellen Ergebnis werde es bei der Bilanz-Pressekonferenz im Mai/Juni geben. Oder so.

Das neue Logo der Post, nachdem fixe und mobile Telephonie zusammengeführt ist, sei nur die Spitze des Eisbergs der neuen Organisation. Ohne diese Zusammenführung aber wäre es nicht möglich gewesen, beim digitalen Funknetz Renita für die Rettungsdienste den Zuschlag zu erhalten.

Die Post will jedenfalls im Zusammenhang mit der »Cloud« Dienstleistungen für Betriebe nach Maß anbieten – mit der virtuellen Telephonzentrale tut sie das schon. Das Problem mit der Datenwolke sei nicht eine Sicherheitsfrage, sondern die, für wie viel Geld es welche Sicherheit gibt. Hier mangele es vielfach an Transparenz, aber z.B. wenn eine Bibliothek ins Netz stellt, was früher bei ihr auf Papier eingesehen wurde, brauche das eigentlich gar keine Sicherheit, weil die Information ja öffentlich sei.

»Schwieriges Umfeld«

Allüberall arbeitet die Post in einem »schwierigen Umfeld«. Dennoch gibt es Hoffnung, und gar manche Betriebe sind nach 2008 wesentlich schlechter über die Krise gekommen, meinte Claude Strasser. Wenn er meint, die Überproduktionskrise des real existierenden Kapitalismus sei überstanden, hat er sich jedenfalls arg geschnitten.

Aber egal. Briefe gibt es weniger zum austragen, dafür aber mehr Pakete als Folge des Internet-Handels. Und Hjoerdis Stahl spricht von »Logistik-Projekten« für die »langfristige Nachhaltigkeit«, die aber erst in ein paar Monaten konkrete Ergebnisse zeitigen würden.

Wir wünschen viel Spaß an der Arbeit und begrüßen die Aussage, das Netz der Briefträger, mit dem jedes Haus im Land jeden Tag erreicht wird, sei ein »wahnsinniger Vorteil«, auf den man ebenso bauen kann wie auf die Omnipräsenz der Postbüros.

Es gehe nicht darum zu überlegen, wo überall zu schließen sei, sondern wie eine bessere Dienstleistung möglich werden kann. Darunter sei auf den Dörfern eine längere Dienstzeit als eineinhalb Stunden in der Woche oder am Tag zu verstehen und in den großen Geschäftsstellen (Bahnhof Luxemburg, Esch/Alzette, Ettelbrück) geringere Wartezeiten ganz besonders in Spitzenzeiten. Als erstes komme jedenfalls einmal überall dort, wo es das heute gibt, das Ende für die Trennung in Post und Telekom.

Das Konzept Post-Shop habe sich in über 12 Jahren Existenz nicht wirklich durchgesetzt, es sei aber möglich, daß es demnächst Synergien gibt mit einem Bankfilialennetz oder einem anderen Partner. Die »PackUp-Stationen« werden sicher mehr werden.

Ansonsten will die Post über ihre Filialen wachsen – »Join« ist so eine und sicher nur interessant für Vieltelephonierer und Vieldatenkonsumenten, die häufig über die Grenze wechseln.

Darüber hinaus ist eigentlich nur klar, was nicht wird: die Post wird den Postscheck, der in Niedrigzinszeiten wenig einspielt, nicht stärken über den Verkauf von Bankprodukten, die von anderswo herkommen, wie das in Frankreich geschieht. Und es wird ganz sicher kein Postsparkonto geben. Wie es aber weitergeht mit dem Postscheck müsse bis Ende 2014 klar sein. Aber ja.

jmj

Donnerstag 6. Februar 2014