Welt-Wohnungslosen-Tag 2017

»Wierdeg Wunne fir jiddereen!«

Am gestrigen 10. Oktober war der »World Homeless Day«, ein Aktionstag an dem unterschiedliche Organisationen weltweit auf die Bedürfnisse wohnungsloser Menschen hinweisen. In Luxemburg hat sich die Caritas auf die Fahnen geschrieben, an diesem Aktionstag auf diese Menschen am Rande der Gesellschaft hinzuweisen. Denn auch in Luxemburg leben aktuell hunderte Menschen unter freiem Himmel, Tausende gar in absolut prekären Wohnsituationen. Im Jahr 2017 sind hierzulande 2.763 Menschen in Notschlafeinrichtungen, Wohnheimen sowie betreuten Wohnformen untergekommen, wie die Zahlen des zuständigen Familienministeriums zeigen.

In Luxemburg gibt es derzeit unter den verfügbaren Wohnungen nur etwa 2 Prozent Sozialwohnungen. Ein Anteil, der sehr weit unter dem in den Nachbarländern liegt. Die Caritas schätzt, daß rund 30.000 Sozialwohnungen in Luxemburg fehlen. Der sogenannte Wohnungspakt habe bisher keine oder kaum Verbesserungen bewerkstelligen können. Da sich bekanntermaßen alle Altparteien im Rahmen des vergangenen Gemeindewahlkampfes den Kampf für bezahlbaren und mehr sozialen Wohnraum genauso auf die Fahnen geschrieben hatten, wie die politische Opposition, dürfte interessant sein, was sich bei dem Thema nun nach den Wahlen, vor allem mit Blick auf den Rechtsruck, tatsächlich tut. Die Caritas rief gestern die neuen Gemeindeverantwortlichen auf, endlich mehr sozialen Wohnraum zu schaffen und entsprechende Träger besser zu unterstützen. Auch müßten Bewohner durch eine qualifizierte Sozialarbeit besser begleitet werden. Die Caritas bot sich in diesem Zusammenhang auch gleich als Partner an.

Gefordert wurde außerdem, die Mietkommissionen zu reformieren, um alle Wohnverhältnisse abzudecken. Auch auf interkommunaler Ebene sollten Wohnungskommissionen eingerichtet werden, hieß es am Dienstag. Diese sollten sich mit allen Wohnformen befassen.

Was die Wohnungslosen betrifft, seien typische Klischees leider noch immer vorherrschend. Auslöser und Folgen der Wohnungslosigkeit eines Menschen fallen noch immer üblichen Vorurteilen anheim. Die Caritas möchte eine sachlichere öffentliche Debatte im Rahmen des »World Homeless Day« erreichen. Man wolle pädagogisches Infomaterial ausarbeiten und den Lehrern sowie Sozialarbeitern zur Verfügung stellen. Eine diesbezügliche Pilotphase mit einzelnen Schulklassen und Jugendhäusern laufe bereits.

Vorurteile sind etwa, daß jedem Wohnungslosen in Luxemburg auch geholfen werden könne, wenn er nur wolle. Dem sei nicht so, da viele Menschen nicht in den Genuß entsprechender Sozialrechte kämen und auf Spenden angewiesen seien. Auch verbreitet der Vorwurf, daß wohnungslose Menschen nicht arbeiten würden. Viele Menschen, die in entsprechenden Strukturen übernachten müssen, arbeiten im Rahmen des über den RMG Machbaren.

Dazu komme, daß die Menschen, die man auf der Straße und in den Unterkünften sehen könne, nur die Spitze des Eisberges ausmachten. Das ganze Problem des »Mal-Logement« sei wesentlich größer. Aktuell bereite man die »Wanteraktioun« 2017/2018 vor, in deren Rahmen zwischen dem 1. Dezember 2017 und dem 31. März 2018 bis zu 200 Personen täglich eine Unterkunft gestellt bekommen können. Im vergangenen Winter waren es durchschnittlich 117 Personen täglich, die davon Gebrauch machten.

Armut, hieß es abschließend, sei kein Zufallsprodukt. Leider dürfte diese Mahnung den meisten Wählern mit Blick auf die politischen Verschiebungen nicht bewußt gewesen sein, als sie am vergangenen Sonntag ihre Kreuze machen. Es bleibt also abzuwarten, ob Altparteien, die sich die Slogans der Opposition auf die Plakate pinseln, obwohl sie in der Vergangenheit genug Zeit hatten, tätig zu werden, tatsächlich endlich das Heft in die Hand nehmen.

CK

Christoph Kühnemund : Dienstag 10. Oktober 2017