Traditionen fangen klein an:

KPL Zentrum informierte wieder am Aldringer

Wo ab Juni 2015 die zentrale Bus-Umsteigeplattform einer Baugrube und dann einem Luxus-Einkaufszentrum mit ein paar Luxus-Wohnungen Platz machen muß – das beste Zeichen dafür, welche Interessen bedient werden im real existierenden Kapitalismus – informierte letzten Samstag wieder die KPL-Sektion Zentrum. Inzwischen wundert sich niemand mehr, uns dort zu treffen – leider mußten wir nach zwei Stunden angesichts sich verstärkenden Regens das Blatt putzen.

Diesmal ging es vorrang um die Protestkundgebung vor der Chamber am Mittwoch ab 13.30 Uhr gegen Sozialabbau und die Austeritätspolitik der aktuellen Regierung und den Informations- und Diskussionsabend am Donnerstag ab 19.30 Uhr im Casino Syndical in Bonneweg zur Ausbeutung in den »Geschützten Werkstätten«.

Seit unter LSAP-Minister Mars Di Bartolomeo die finanzielle Anerkennung für dort Tätige abgeschafft wurde (niemand ist verläßlicher beim Sozialabbau als die »Luxemburger Sozial-Abbau-Partei»!), zahlen die Träger der »Geschützten Werkstätten« gar nichts mehr für die dort geleistete Arbeit. Die wenigsten Leute dort sind übrigens seit ihrer Geburt geistig oder körperlich behindert; die meisten wurden in ganz »normalen«
Arbeitsverhältnissen invalid oder wurden so unter Druck gesetzt und gemobbt, daß sie psychisch zusammenklappten. So erhalten sie entweder RMG oder eine Frühpension. Nur jene paar, die als »chef d’équipe« fix eingestellt wurden, erhalten den Mindestlohn – natürlich den unqualifizierten. Dies sei hier präzisiert, da am Samstag einige meinten, uns dahingehend korrigieren zu müssen.

Dasselbe gilt übrigens für die »Beschäftigungsmaßnahmen«: auch dort sind die Leute nicht einfach nur »beschäftigt«, sondern arbeiten wie in einem »normalen« Betrieb 8 Stunden am Tag und 5 Tage die Woche.
Den Leuten wird die Karotte vor die Nase gehalten, wenn sie gut arbeiteten, kriegten sie einen »richtigen Arbeitsplatz« am »ersten Arbeitsmarkt«. Sollte das auch nur ansatzweise gelingen, müßte es aber zumindest Stages in normalen Betrieben geben.

Mit steigender Arbeitslosigkeit wird es aber immer illusorischer, daß jemand den Sprung aus einer »Geschützten Werkstätte« oder einer »Beschäftigungsmaßnahme« in einen »normalen« Betrieb schafft. Das umso mehr, als seit Jahren nichts unternommen wird, um Arbeitsplätze für Geringqualifizierte oder nicht mehr zu 100% Leistungsfähige zu schaffen. Dabei importiert Luxemburg 98% des hier konsumierten Gemüses!
Gerade in der Zeit, in der die Konsumgesellschaft sich selbst feiert, wollen wir uns mit den Ausgeschlossenen und verschämt Weggesperrten befassen. Das ist umso notwendiger, als neuerdings ein Schoko-Aufstrich unter »fair-trade« vermarktet wird, für dessen Herstellung Leute zuständig sind, die für ihre Arbeit keinen Lohn erhalten!

Kommt in Massen, bringt Freunde und Bekannte mit, denn Information ist eine Holschuld!

jmj

Dienstag 16. Dezember 2014