Anhaltende Grenzwertüberschreitungen am Stahlwerk Esch/Belval

»Sind einige Betriebe gleicher als andere?«

Am Mittwochmorgen prangerten Mouvement Ecologique und die Bürgerinitiative »Stop Dioxin« die Tatenlosigkeit des Nachhaltigkeitsmini­steriums, sowie das seltsam passive Verhalten der grünen Umweltministerin Carole Dieschbourg im Bezug auf die anhaltenden Grenzwertüberschreitungen am Elektrostahlwerk Esch/Belval auf einer gemeinsamen Pressekonferenz an.

Hintergrund sind die dem »comité de suivi« im November 2014 zuletzt vorgelegten Messergebnisse. Dieses Gremium war im Anschluß an die Erlaubnis, das Werk mit Altreifen zu befeuern gegründet worden und besteht aus Umweltschützern von Mouvement Ecologique und »Stop Dioxin«, Vertretern des Staates, der betroffenen Gemeinden, sowie des Unternehmens.

Gemüsegärten und Natur stark belastet

Im vergangenen November wurden nun in den nahe gelegenen Gemüsegärten die seit Beginn der Messungen 2006 höchsten Belastungen an PAK (Polyaromatische Kohlenwasserstoffe), Schwefeldioxid, Kohlenstoffmonoxid, sowie TOC (Totaler organischer Kohlenstoff) gemessen. Dazu seien Gemüse und Gräser speziell stark mit Blei belastet. PAK ist als höchst krebserregend eingestuft, TOC entsteht aus Verunreinigungen im Schrott, wie Öle, etc. und Schwefeldioxid erzeugt sauren Regen. Kohlenstoffmonoxid ist ein Treibhausgas.

Die Überschreitung dieser Grenzwerte deute auf eine Fehlfunktion der ganzen Anlage hin, auch wenn Unternehmensvertreter von ArcelorMittal immer wieder mit kleinen technischen Aktionen versuchten, die Umweltschützer im Gremium zu beruhigen.

In sämtlichen Monaten der vergangenen zwei Jahre seien »quasi täglich« die Grenzwerte überschritten worden, ohne daß sich die Politik dafür interessiert hätte. Dabei sei es im Fall Twinerg doch sehr schnell gegangen, wundern sich die Umweltschützer und hegen den Verdacht, es hier mit einem Unternehmen zu tun zu haben, welches »gleicher als andere« Betriebe zu sein scheint, wenn es um Einhaltungen von Umweltbestimmungen gehe. Jedes Café müsse sein Abwaschwasser kontrollieren und jede Frittenbude sein Fett, aber offenbar ArcelorMittal nicht seine Abgase.

Warum nicht wie bei Twinerg?

Im Fall Twinerg habe sich der zuständige Minister konsequent auf das Gesetz vom 9. Mai 2014 berufen und die Anlage innerhalb kürzester Zeit bis zur Fehlerbehebung stillgelegt. Bei ArcelorMittal gehe es »nur um Profite und noch mal Profite«, so der Vertreter der Meco-Südregionale. Nun, das ist die Gesellschaft in der wir leben, möchte man antworten. Warum die neue und auch noch grüne Umweltministerin sich nicht angesprochen fühle von der Thematik? Darüber zeigten sich die Umweltschützer gestern ratlos.

Die Umweltorganisation und die Bürgerinitiative haben sich daher entschieden, ein Schreiben an die zuständige EU-Kommission zu richten und gleichzeitig Anzeige zu erstatten, um der »jahrelangen Hinhaltetaktik« ein Ende zu setzen.

Aus dem Kamin des Elektrostahlwerks strömten pro Stunde eine Million Kubikmeter Abgase. Welchen negativen Impakt derart schlechte Schadstoffwerte bei diesen Mengen auf Mensch und Umwelt hätten, könne man sich denken, zumal TOC »ein wunderbarer Indikator für die Fehlfunktionen einer solchen Anlage« sei.

CK

Christoph Kühnemund : Donnerstag 26. Februar 2015