Die neue Konjunkturnote (2/2017) des Statec

Bessere konjunkturelle Entwicklung, Rückgang der mittleren Lohnkosten, noch mehr Steuereinnahmen

2017 könnten die mittleren Lohnkosten 3,2 Prozent betragen, bedingt durch eine Indextranche ab Januar, eine Anpassung des Mindestlohnes um 1,4 Prozent, die »Prime unique« im öffentlichen Dienst und der Kollektivvertragsabschluß bei den Banken. Für 2018 wird allerdings ein Rückgang auf 1,9 Prozent prognostiziert.


Der jüngsten Note des statistischen Amtes zufolge verbessert sich die konjunkturelle Entwicklung. Die dynamische Entwicklung in der Euro-Zone wirke sich zudem positiv auf die Entwicklung im Land aus. Das statistische Amt schätzt, dass das Bruttoinlandprodukt im Jahr 2017 um 3,5 Prozent und im darauffolgenden Jahr um weitere 4,5 Prozent anwachsen wird. Im Frühjahr war der Statec allerdings noch von einem Wachstum von 4,8 Prozent für die jeweiligen Jahre ausgegangen. In der Konjunkturnote wird darauf hingewiesen, dass die Inflationsrate, insbesondere aufgrund der steigenden Erdölpreise und der höheren Preise für Rohstoffe, schrittweise auf nahezu zwei Prozent anstieg. Aufgrund der günstigeren »Chèques services« für Eltern und damit einhergehend, der niedrigeren Tarife für Kinderkrippen, welche zum 1. Oktober 2019 in Kraft traten, dürfte es vorübergehend zu einem Rückgang der Inflation kommen. Für 2018 rechnet der Statec mit einer Inflation von 1,4 Prozent.

Positive Auswirkungen auf die bisherige moderate Entwicklung der Löhne könnte laut Statec längerfristig die Konjunkturbesserung in der Eurozone haben. Vorerst aber wird die nächste Indextranche – die letzte erfiel zum 1. Januar 2017 – erst im dritten Timester 2018 zu einer Anpassung der Löhne an die Inflation führen.

Indextranche erst im 3. Trimester 2018 bedeutet Rückgang der mittleren Lohnkosten

Das dürften die Unternehmer gern hören, denn das hätte zur Folge, dass die mittleren Lohnkosten von 3,2 auf 1,9 Prozent fallen würden.

Fast die Hälfte aller Lohnabhängigen hat bekanntlich keinen Kollektivvertrag und oft nur den Index als Lohnanpassung. Wenn es aber während Jahren keine Indextranche gibt, wie das 2014, 2015 und 2016 der Fall war, leidet die Kaufkraft großer Teile der Lohnabhängigen und Rentner besonders stark.

Weiter hält das statistische Amt fest, dass die Arbeitslosigkeit 2018 mäßig zurückgehen wird, aber im Jahresdurchschnitt nicht unter 5,7 Prozent fallen dürfte.

Das heißt, dass das bestehende System auch weiter nicht daran interessiert oder in der Lage ist, Vollbeschäftigung zu schaffen, denn das wäre natürlich gleichbedeutend mit weniger Profit für die Taschen einer kleinen Minorität.

Die Steuerquelle sprudelt

Neben der verbesserten Konjunktur macht das statistische Amt für 2017 auch einen Überschuß in Höhe von etwa 1,5 Prozent des Bruttoinlandproduktes bei den öffentlichen Finanzen aus.

Trotz der Einbußen beim E-Handel und der teilweisen Steuersenkungen, die ab dem 1. Januar 2017 galten, dürften die Steuereinnahmen und die öffentlichen Einnahmen generell 2017 weiter um 6 Prozent und um weitere 4 Prozent im Jahr 2018 steigen.

Solche Prognosen werden selbstverständlich nur solange Bestand haben, wie es nicht zu einer größeren internationalen Krise kommen wird oder zu einer erneuten Wirtschaftskrise, beziehungsweise dem Platzen einer größeren Spekulationsblase.

Denn der finanzgetriebene Kapitalismus ist bekanntlich völlig unberechenbar.

A.R.

Dienstag 5. Dezember 2017