Lustige Verkehrsumfrage:

Wir fahren zu viel Auto?

Vorausgeschickt sei, daß der Schreiber dieser Zeilen zu den 40.000 befragten Haushalten zählt – und zwar zu einem ganz speziellen Sonntag, an dem Erholung und Haushalt angesagt war. Von da Schlüsse auf andere Sonntage zu ziehen, ist gewagt, noch gewagter aber ist es, Schlüsse auf andere Wochentage zu ziehen. Ob man nicht nur jeder Statistik, sondern auch jeder Umfrage, die man nicht selbst gefälscht hat, mißtrauen soll? Nun gut, uns wurde erklärt, in Bezug auf einen Sonntag, wo es im Land ja eigentlich keine Verkehrsprobleme gibt, seien nicht viele gefragt worden.

Als Ziel für 2020 war 2012 ein »Modal Split« von 25% sanfte Mobilität, 19% Öffi (Zug und Bus) und 56% PKW gesetzt worden, wobei dann 25% der motorisierten Wege öffentlich und 75% privat erledigt wären. Rauskommen jetzt aus der Umfrage, auf die 28% der gefragten 40.000 Luxemburger Haushalte, 26% der französischen, 30% der belgischen und 34% der deutschen von 45.000 gefragten Grenzgängern geantwortet haben, 14% sanfte Mobilität (zu Fuß 12 und mit dem Fahrrad 2%), 17% Öffi und 69% PKW.

Daß Minister Bausch in drei Jahren glaubt, das 2012 gesetzte Ziel erreichen zu können, fällt in die Kategorie Zweckoptimismus. Es ist wohl kaum möglich von 14 auf 25% sanfte Mobilität in drei Jahren zu kommen – und ebenso nicht von 69 auf 56% beim PKW. Das auch dann nicht, wenn bis dahin die Tram in der Hauptstadt teils fahrend und teils als Baustelle, den restlichen Verkehr massiv behindert.

Denn da hat es ein wesentliches Problem: zu Spitzenstunden sind die Busse proppevoll. Da ist einfach kein Platz für Umsteigewillige! Und beim Zug ist es zu der Zeit nicht besser, es dauert aber bis 2024, bis die CFL nach eigenem Bekunden 200 m lange Züge fahren lassen können, was ein Drittel mehr Kapazität brächte. Denn vorher seien die Bahnsteige einiger Haltestellen noch zu kurz. Da wäre zwar noch zu fragen, warum die Lok unbedingt am Bahnsteig stehen muß, aber wo kein Wille, da ist bekanntlich auch kein Weg.

Das eben Gesagte erklärt dann auch, warum 73% der Wege zur Arbeit mit dem Auto erledigt werden, 19% öffentlich und – nur für nah genug Wohnende – 6% zu Fuß und 2% mit dem Rad. Die Morgenspitze ist da wie überhaupt die größte, das weil die Abendspitze auf mehr Stunden verteilt ist.

Die Wege während der Arbeitszeit werden zu 90% mit dem Auto erledigt, und Handwerker wie Lieferanten können wohl auch gar nicht anders, wobei das in der Menge eigentlich nicht ins Gewicht fällt. Auf die Öffis entfallen 6, zu Fuß 3 und mit dem Rad 1%.

Es ist aber tatsächlich schockierend, daß 39% der Kinder und Jugendlichen mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Das ist in jeder Hinsicht ungesund. 38% tun es öffentlich, 21% zu Fuß und 2% mit dem Fahrrad. Die Morgenspitze ist hier dieselbe wie beim Arbeitsverkehr – eine Entflechtung daher sinnvoll. Die Regierung denkt laut Bausch über Einzelfälle nach, was aber nicht wirklich viel bringen kann. Wobei die Zentralschulen am Land, die sich wegen des Kontingents jetzt auch in den größeren Ortschaften bis hin zur Hauptstadt ausbreiten, sind dabei gar nicht hilfreich für mehr sanfte Mobilität!

Private Wege zum Einkaufen, zum Transport Dritter, für Besuche u.ä. sind relativ gleichmäßig über den Tag verteilt. Sie werden zu 74% mit dem Auto, zu 15% zu Fuß, zu 10% mit Öffis und zu 2% mit dem Rad erledigt. Freizeitverkehr findet der Logik gehorchend außerhalb von Arbeits- und Schulzeiten statt. Bemerkenswert ist die Spitze zu Mittag. Mit dem Auto werden 68% erledigt, zu Fuß 18%, mit den Öffis 10% und mit dem Rad 4%.

Nicht mitgezählt wurde, wenn wer zu Fuß zum Auto, Bus oder Zug geht oder danach zu Fuß zum Endziel. Ein Weg zu Fuß wurde demnach nur gezählt, wenn der ganze Weg so läuft. Mitgezählt wurde aber, wenn das teilweise mit dem Fahrrad geschieht.

Weil in Zürich nur 25% der Wege zur Arbeit mit dem Auto erledigt werden und in Frankfurt nur 43%, also immer noch 30% weniger als in Luxemburg, hält Minister Bausch das hier auch für erreichbar, auch wenn er zugibt, daß keiner von Thionville in die Hauptstadt mit dem Rad kommt. Daher will er 2018 für 2025 und 2030 »ambitiöse Ziele« vorgeben. Träumen ist natürlich immer erlaubt!

jmj

Donnerstag 7. Dezember 2017