Unser Leitartikel:
Den öffentlichen Transport optimieren

In seiner rezenten Bilanzvorstellung verkündete der »Verkéiersverbond«, daß immer weniger Nutzer des öffentlichen Personentransports den persönlichen Kontakt zum Schalter beim Fahrkartenerwerb oder auf der Suche nach Informationen bevorzugen, sondern dank moderner Technologien beispielsweise auf den Fahrkartenkauf per App setzen. Das ist einerseits in der Praxis absolut nachvollziehbar: Warum nicht die technischen Möglichkeiten nutzen, die geboten sind? Andererseits sollte dies nicht soweit mißverstanden werden, daß Verkaufsschalter oder Bedienstete vor Ort überflüssig geworden seien. Der Erhalt und die zukünftige Schaffung guter Arbeitsplätze sollte dem nicht geopfert werden.

Nicht immer funktionieren die Verkäufe am Automaten oder im Internet reibungslos. Dann ist real vorhandene Hilfe durchaus nötig. Auch beim Verbindungsauskunftssystem »mobilitéit.lu« zeigt sich immer wieder mal im Nachhinein oder während einer Fahrt, daß es durchaus eine einfachere oder kürzere Verbindung gegeben hätte, die vom Programm aber offenbar nicht berücksichtigt wurde. Derlei Probleme haben allerdings auch Online-Auskünfte in benachbarten Ländern.

Die neuen Echtzeit-Informationstafeln gibt es dagegen noch nicht so lange und es zeigt sich, daß diese relativ gut funktionieren und angenommen werden. Allerdings sind die Verbindungen zu manchen Tages- und Wochenzeiten, ob nun mit oder ohne Echtzeit-Tafeln, noch immer allzu dürftig. Besonders an Sonn- und Feiertagen, wo viele Menschen ihre sozial nutzbare Zeit damit verbringen, Veranstaltungen oder Freunde und Familie zu besuchen oder einfach ins Grüne zu fahren, ist die Taktung und das Linienangebot noch immer dürftig.

Dabei sollte mit Blick auf das Regierungsziel einer nennenswerten Reduzierung des Individualverkehrs in den Ortschaften der Öffentliche Personenverkehr dringend weiter verbessert werden, um ihn als echte Alternative anbieten zu können. Denn auch hierzulande, das verkündete nicht zuletzt Umweltministerin Carole Dieschbourg rezent, gibt es Probleme mit schadstoffbelasteter Luft in einigen Ortschaften, wo sich die Blechlawine der Arbeitspendler täglich hindurchwälzt. Die angedachten multimodalen Plattformen sind sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, zielen jedoch fast ausschließlich auf den Transport der Grenzgänger zu ihren Arbeitsplätzen und retour, anstatt zu jeder Wochenzeit durch entsprechendes Fahrplanangebot auch für Einheimische attraktiv zu sein.

Ein Beispiel ist hier etwa auch die Anbindung des neuen, zweifellos dringend benötigten neuen Stadions in Kockelscheuer mit dem Umland. Da es heutzutage leider im Trend liegt, Stadien weit außerhalb der Städte ins Grüne zu setzen, muß auch die Anbindung entsprechend klappen. Die neue Tram soll Bahnhof und Flughafen mit dem Stadion verbinden. Vergessen wurde aber offenbar, in diesem Zuge auch die direkte Verbindung mit den benachbarten Südgemeinden zu verbessern. Ein anderer Knackpunkt ist die Anbindung Luxemburgs an Trier und Koblenz: Wie kann es sein, daß sonntags morgens der erste Zug aus Luxemburg in Trier ankommt, wenn der überregionale Zug zur Weiterfahrt ins Ruhrgebiet oder Rhein/Main-Gebiet, wo man mittags ankommen möchte, seit zehn Minuten weg ist?

Elektro-Aufladestadionen vor Supermärkten oder die mittlerweile gängigen Leihfahrräder sind da nette Gimmicks, mehr aber auch nicht. Die Akzeptanz des öffentlichen Nahverkehrs, mit allen positiven Folgen, die das Projekt haben kann, steht und fällt mit der Attraktivität. Sonntags eine halbe Stunde auf den Bus warten oder einseitiges Dreschen auf den Individualverkehr gehören nicht zu dieser Attraktivität.

Christoph Kühnemund

Christoph Kühnemund : Donnerstag 31. August 2017