Vereinigung hauptstädtischer Interessenvereine:

Eisenbahnausbau hier und in der Großregion

Die USILL (»Union des Syndicats d’Intérêts locaux de la Ville de Luxembourg«) hat derart viele Vorschläge zum Bahnausbau daß wir sie nicht alle in einem Artikel besprechen konnten – dies ist so der zweite. Der erste erschien in diesen Spalten am Donnerstag, 7. September.

Großregionales

Aus Frankreich kommen heute bereits über 93.000 Menschen zur Arbeit nach Luxemburg, weshalb jeder Bahnausbau in diese Richtung Sinn macht, natürlich auch in Frankreich. Dabei ist sich die USILL bewußt, daß das vermutlich nicht ohne Finanzspritze aus Luxemburg abgehen wird. Es geht schließlich vorrangig ums Herankarren von Arbeitskräften aus Frankreich nach Luxemburg zu Arbeitsplätzen, die Lothringen vor Ort dringender bräuchte.

Während es noch denkbar ist in diesen Zeiten von Liberalisierung, daß die CFL die von der USILL geforderte Streckenverlängerung von Volmerange-les-Mines bis zur heutigen Bahnlinie von Bettemburg bis Thionville hinter Hettange-la-Grande selbst baut und betreibt, gilt das für alles andere nicht. Daß das denkbar ist zeigte sich bereits in der Bereitschaft der SNCF, der CFL die Schienen bis Audun-le-Tiche abzutreten und das Einverständnis für die Linie hinter Düdelingen bis Volmerange-les-Mines auf französischem Territorium zu geben.

Am Schnittpunkt der geforderten Neubaustrecke mit der Autobahn Thionville – Luxemburg – alternativ an jenem mit der alten Eisenbahnlinie – wünscht die USILL einen P&R Bahnhaltepunkt. Wir denken, daß der an der alten Linie wenig Sinn macht, sind doch die Züge dort schon zu voll, um noch viele neue Passagiere aufzunehmen, ohne jenen von Hettange-la-Grande jede Chance zu nehmen, mitgenommen zu werden. Das ist übrigens ein weiteres Argument für die geforderte Neubaustrecke!

Die USILL fordert darüber hinaus zwei weitere Investitionen in die französische Schiene. Die erste besteht aus einer Verbindungsspange nächst der nördlichen Thionviller Moselbahnbrücke aus Richtung Luxemburger Grenze in Richtung Falk-Hargarten – Forbach. Die zweite besteht aus dem Wiederaufbau der eingemotteten kurzen Verbindungsstrecke Falk-Hargarten – Überherrn und der Wiederertüchtigung für den Personenverkehr der Güterbahnlinie Überherrn – Fürstenhausen (EXPO Saarbrücken) – Hauptbahnhof Saarbrücken.

Bis vor wenigen Jahren war die Bahnlinie Falk-Hargarten – Überherrn doppelspurig und elektrifiziert. Durch die Schließung von zwei räumlich unbedeutenden Lücken entstünde die schnellste Reisezug- wie die kürzeste Güterzugverbindung von Luxemburg nach Saarbrücken, betont die USILL. Das rechtfertigt wohl eindeutig einen finanziellen Beitrag Luxemburgs!

Blockabstände

Punkt 25 im USILL-Kapitel »schienengebundene Maßnahmen« lautet kurz und bündig: »Reduzierung der ‘Blockabstände’ auf den luxemburgischen Hauptstrecken, zwecks Steigerung der möglichen Streckenkapazitäten.« Das ist etwas, worauf wir in diesen Spalten seit Jahren hinweisen. Die Luxemburger Bahn hat ihre Signalanlagen so stehen, daß der Betrieb in fünfminütigen Blockabständen erfolgt. Eine Halbierung durch Verdoppelung der Signale und wohl auch dem Einbau einiger zusätzlicher Weichen brächte eine Verkürzung auf 2,5 Minuten und somit eine Verdoppelung der Kapazität. Daß das kein Ding der Unmöglichkeit ist, zeigt die Stuttgarter S-Bahn seit Jahrzehnten auf ihrer Rückgratstrecke, wo in Blockabständen von 1,5 Minuten gefahren wird. Die Maßnahme hat natürlich einen Kostenpunkt, der aber in Relation zum Ergebnis mehr als tragbar ist.

Nebengeräusche

Die USILL fordert den »Bau eines ‘Dive under’ am Südkopf des Personenhauptbahnhofs, zwecks konfliktfreier Entflechtung der Fahrtrichtungen Nord-Süd und Ost-West, mit daraus resultierender sehr starker Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Personenhauptbahnhofs«.

Diese Unterführung am »Eselssprung« war früher zweigleisig, wurde aber derart wenig genutzt, daß sie beim fälligen Neubau (die alte Stahlbrücke drohte vor wenigen Jahren einzustürzen) einspurig wurde. Theoretisch nutzbar wäre das vor allem für Güterzüge, allerdings kommen nicht viele davon über Kleinbettingen ins Land. Personenzüge könnten damit nicht in den Hauptbahnhof – Leute, die dorthin wollten müßten daher in Hollerich oder in Howald umsteigen.

Problematisch sind auch die USILL-Forderungen nach fünf zusätzlichen P&R-Haltepunkten, da jede zusätzliche Haltestelle eine Fahrzeitverlängerung von mindestens zwei Minuten bedeutet. Es müßte daher – da schon heute die Haltestellen sehr nah aufeinander folgen – überlegt werden, ob sich bestehende verschieben lassen. Dazu ist eine breite offene Debatte mit heutigen und, wenn geht, mit künftigen Nutzern des eventuellen P&R nötig. Hier die fünf Punkte:

– an der Kleinbettinger Strecke am Schnittpunkt mit der N13 bei der dortigen Auf- und Abfahrt von der A6 südlich von Windhof;

– in Liwingen an der heutigen Bettemburger Strecke nächst des Schnittpunkts mit der A3 und der Auf- und Abfahrt Liwingen;

– an der Nordstrecke zwischen Lorentzweiler und Lintgen am Schnittpunkt mit der Nordautobahn A7 und dem dortigen Verteilerkreis;

– an der Wasserbilliger Strecke im Syrtal in der Nähe der dortigen Gewerbezone am Schnittpunkt mit der A1;

– an der Petinger Strecke in der Nähe der A13 an der geplanten Umfahrung von Bascharage.

Reden wir drüber!

jmj

Donnerstag 7. September 2017