Vereinigung hauptstädtischer Interessenvereine:

Kapazität auf der Bahn schnell steigern

Die USILL (»Union des Syndicats d’Intérêts locaux de la Ville de Luxembourg«) hat zusätzlich zur Verkürzung der bereits erwähnten Blockabstände zehn »flankierende Maßnahmen im Schienenverkehr« gefunden, deren Verwirklichung es erlaubt, mehr Passagiere zu transportieren.

Sofort mehr Rollmaterial

Alle Forderungen nach Schließung von Fahrplanlücken oder nach Fahrwegverlängerungen hängen jedenfalls von Punkt 7 ab: »Kurzfristige Anmietung von französischen Doppelstocktriebwagen und von deutschen wendezugfähigen Reisewagen, zwecks substantieller Erhöhung der Kapazitäten im Berufsverkehr. Das Erfordernis des europäischen Zugsicherungssystems (in der luxemburgischen Version) ist hier nicht gegeben, da nur das jeweils führende Fahrzeug mit diesem System ausgerüstet sein muß. Also fallweise der führende Triebwagen oder die Lokomotive, bzw. der am anderen Ende eingereihte ‘Steuerwagen’ (Reisezugwagen mit Steuerabteil an einer Extremität), letzteres bei Wendezugbetrieb mit schiebender Lokomotive. Für die zwischen Lokomotive und Steuerwagen gegebenenfalls zusätzlich eingereihten angemieteten Wagen besteht kein Zwang zur Ausrüstung mit dem hiesigen spezifischen Sicherheitssystem. Ebenso entfällt dieser Sachzwang bei zusätzlicher Einreihung eines ausländischen Zusatztriebwagens bei triebwagengeführten Zügen, wenn die beiden anderen Triebwagen (an den Extremitäten) ihrerseits mit dem spezifischen Luxemburger Zugsicherungssystem ausgerüstet sind.« Das ist schlau überlegt, auch wenn es nicht so einfach sein könnte, auf die schnelle viel Material anzumieten. Fakt ist, daß die CFL über nicht genug Rollmaterial verfügen. Von Anfang an wurden die Züge mit Doppelstockwagen (Dosto) nicht entsprechend der 200 Meter langen Bahnsteige an den Haltestellen geführt, und heute kommt es immer öfter vor, daß noch kürzere Züge fahren, weil zu viele Waggons gleichzeitig in der Wartung sind – sei es wegen blockierter Türen, dem Ersatz von Bremsbacken o.a.

Das Problem der CFL ist, daß sie in finanziellen Dingen immer abhängig sind vom Hauptaktionär Luxemburger Staat. Der heutigen wie den beiden vorigen Regierungen war nicht klarzumachen, daß in 200 Meter lange Züge mehr Leute passen als in 120 bis 160 Meter lange! Das ist einfach erschreckend und läßt sich wohl nur durch Druck der Öffentlichkeit ändern. Es ist erfreulich, daß die USILL da jetzt mithilft.

Auf jeden Fall sollte sich nicht mit dem Anmietversuch zufrieden gegeben werden. Es muß die Regierung auf jeden Fall dazu gebracht werden, ihre Zustimmung dazu zu geben, daß die CFL sofort und nicht erst 2022 neues zusätzliches Rollmaterial bestellt!

Erst wenn tatsächlich mehr Rollmaterial da ist, läßt sich werktags ein Halbstundentakt über Rodange hinaus nach Longwy durch Verlängerung von Zügen aus Luxemburg durchführen. Das wäre eine Hilfe, um französische Grenzgänger aus diesem Eck in den Zug zu bringen – die Schienen liegen ja da.

Selbiges, allerdings auf belgischer Seite, gilt für die Verlängerung der Züge hinter Ulflingen bis Gouvy, damit sämtliche Züge des belgischen Binnenverkehrs zwischen Liège und Gouvy einen Anschluß nach Luxemburg kriegen bei Abschaffung des Grenzsprungs im Tarif. Es geht da immerhin nur um zehn ganze Kilometer.

Die Einführung eines Stundentakts Luxemburg – Saarbrücken setzt nicht nur mehr Rollmaterial voraus, sondern auch das gefordert Schließen zweier kurzer Lücken in Frankreich, die wir bei den Forderungen neuer Infrastruktur gesehen haben.

Die Verkürzung der Schnellzug-Fahrzeit um eine halbe Stunde auf frühere Werte zwischen Luxemburg und Koblenz braucht wohl nicht nur die erwähnte Wiederherstellung des 2014 zerstörten Anschlusses Moseltal – mittleres Rheintal in Richtung Mainz – Frankfurt/Main (»dadurch Fahrtzeitverkürzung Luxemburg – Frankfurt und umgekehrt um 90 Minuten!«), sondern auch eine nicht erwähnte neue Bahnbrücke statt der baufälligen über die Mosel bei Konz. Davon wird seit Ende des Zweiten Weltkriegs, nach dem sie nur notdürftig geflickt wurde, gesprochen, aber im deutschen Bahnbudget war noch nie Platz dafür.

Schlau handeln hilft

Die Forderung nach »Diametralisierung der Züge« im Hauptbahnhof Luxemburg kommt mit dem neuen Fahrplan im Dezember, wo dann die ankommenden Züge zehn bis 15 Minuten später in die selbe Richtung weiterfahren. Wir werden sehen, wie das funktioniert – mit kürzeren Abständen hat das früher mal nicht geklappt, wohl vor allem, weil zu Spitzenzeiten mehr Zeit als die fahrplanmäßige bei vielen Halts aufs Ein- und Aussteigen draufgeht.

Interessant ist das Argument gegen das laut CFL-Direktion unverzichtbare Ausfallenlassen von Haltestellen beim Regionalexpreß. Die USILL hält dagegen, eine Bahnlinie sei am leistungsfähigsten, »wenn alle auf ihr verkehrenden Züge in etwa mit derselben (kommerziellen) Geschwindigkeit unterwegs sind«.

Insofern ist es logisch, daß alle Regionalzüge ab Dezember in Howald halten sollen, und daß es lächerlich ist, daß nur ein zusätzlicher Zug mehr als heute zum neuen Halt Pfaffenthal/Kirchberg fahren soll.

Daß bis heute toleriert wird, daß die SNCF seit dem 2. April 2016 die zugesagte Gegenleistung für den Luxemburger Beitrag von 117 Millionen Euro zur TGV-Ost-Neubaustrecke Paris – Straßburg, nämlich mindestens vier tägliche Direktverbindungen von Luxemburg nach Straßburg und zurück, auf zwei verringert hat, ist kein Ruhmesblatt für die Regierung! Also ran, 2018 sind Chamberwahlen.

jmj

Freitag 8. September 2017