Ungeheures Zerstörungswerk

Während auf Kuba bereits aufgeräumt wird, verwüstet »Irma« Florida

Der Wirbelsturm »Irma« setzt sein Zerstörungswerk weiter fort. Während in Kuba unmittelbar nach dem Durchzug des Hurrikans mit den Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten begonnen wurde, hieß die Devise in Florida am Montag noch immer: »Rette sich wer kann!«. Auch in den angrenzenden USA-Bundesstaaten Alabama, Georgia und South Carolina versuchten sich tausende Bürger vor dem heranziehenden Sturm, den sintflutartigen Regenfällen und drohenden Sturmfluten in Sicherheit zu bringen.

Das Auge des Hurrikans hatte die südlich des USA-Festlandes gelegene Inselkette Florida Keys am Sonntag um 7.20 Uhr (Ortszeit) erreicht und war dann mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 215 Kilometern pro Stunde an der Westküste Floridas nach Norden gezogen. Dort hatten sich Städte wie Naples, Fort Myers, St. Petersburg und Tampa zunächst nur auf indirekte Auswirkungen von »Irma« vorbereitet, da die Route des Sturms – früheren Prognosen zufolge – weiter östlich erwartet worden war. Durch seine Ausdehnung ist jedoch auch die Westküste betroffen. Durch die Innenstadt Miamis wälzten sich Wassermassen, zwei riesige Baukräne stürzten auf Hochhäuser, in 80 Prozent der Stadt brach die Stromversorgung zusammen. Zudem entwickelten sich Tornados, der nationale Wetterdienst zählte sechs binnen einer Stunde. Am Sonntagnachmittag (Ortszeit) war »Irma« zwar von der zweithöchsten Kategorie vier auf Kategorie zwei herabgestuft worden, büßte aber nichts an Gefährlichkeit ein.

Zahlreiche Anwohner weigerten sich, trotz Aufforderung durch die Behörden, die bedrohten Gebiete zu verlassen. Viele Flüchtende fanden auch keine Transportmöglichkeit, kamen auf den hoffnungslos verstopften Straßen nicht weiter oder hatten keinen Treibstoff mehr erhalten. Etliche der rund 500 in Schulen und Kirchen eilig eingerichteten Notunterkünfte waren überfüllt. Da den Schutzsuchenden keine Schlafsäcke, Feldbetten oder Matratzen zur Verfügung standen, mußten sie nur mit dünnen Decken geschützt auf dem Boden schlafen. Örtliche Medien berichteten bereits kurz nach dem Landfall des Hurrikans in Florida über erste Todesopfer. Mehr als fünf Millionen Haushalte waren am Sonntagnachmittag ohne Strom. Es gab Berichte über Plünderungen und Einbrüche. USA-Präsident Donald Trump rief den Katastrophenfall für Florida aus und nannte »Irma« ein »großes Monster«. Er selbst werde »sehr bald« in Richtung Florida aufbrechen, kündigte Trump an.

Kuba gut vorbereitet, dennoch schwere Sachschäden

Bevor der Wirbelsturm am Sonntag Kurs auf die Küste der USA genommen hatte war er zwei Tage lang mit Windgeschwindigkeiten von 260 Kilometern pro Stunde über Kuba gefegt. Mit »Irma« hatte zum ersten Mal seit 1932 wieder ein Hurrikan der höchsten Kategorie fünf die Insel getroffen. Bis zu neun Meter hohe Wellen und Starkregen setzten weite Küstengebiete unter Wasser. Die Tageszeitung »Granma« meldete schwere Sachschäden, zahlreiche zerstörte Gebäude, abgedeckte Hausdächer, entwurzelte Bäume und Stromausfälle im ganzen Land. Kilian Lindner, ein Kuba-Referent von Caritas International, rechnet laut »dpa« damit, daß »die Schäden bei diesem gigantischen Sturm deutlich schwerer ausfallen« als nach dem Hurrikan »Sandy«, der im Jahr 2012 in Kuba 200.000 Häuser zerstört oder beschädigt hatte. Lindner wies auch darauf hin, daß der Katastrophenschutz auf Kuba gut funktioniere und die Menschen in Notunterkünften in der Regel relativ gut Schutz fänden. Den aufwändigen und kostspieligen Sicherheitsvorkehrungen sei es zu verdanken, daß der Sturm in Kuba keine Menschopfer forderte.

Auch nach dem Durchzug von »Irma« bewährte sich das System erneut. Am Sonntag waren im ganzen Land bereits Einheiten der Zivilschutzes, Rettungsbrigaden des Innenministeriums, Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten mit Aufräumarbeiten beschäftigt. In den Straßen transportierten Lkw die Stämme der umgestürzten Bäume ab, Reparatur­einheiten begannen damit, Stromleitungen instand zu setzen. Die Kosten für den Wiederaufbau von Schulen, Ärztezentren, Wohnhäusern, Straßen, Brücken und die Behebung weiterer Zerstörungen übersteigen jedoch die Möglichkeiten des von den USA seit 55 Jahren mit einer Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade belegten Landes. Als einer der ersten ausländischen Staatschefs kündigte am Sonntag der russische Präsident Wladimir Putin finanzielle Hilfen seines Landes an. In Lateinamerika erklärten befreundete Länder wie Bolivien, Ecuador, Nicaragua und Venezuela aber auch rechtskonservative Regierungen wie die Argentiniens, Kolumbiens, Mexikos und Panamas ihre Unterstützung. Die spanische Regierung versicherte »ihre Solidarität mit dem kubanischen Volk und der Führung des Landes«.

Volker Hermsdorf

»Irma« fegte zwei Tage lang mit Windgeschwindigkeiten von 260 Kilometern pro Stunde über Kuba (Foto: Cubadebate)

Montag 11. September 2017