Mobilitätswoche alle Jahre im September:

Staus wachsen unbeirrt weiter

Gestern stellte der Verkehrsverbund zum letzten Mal an der Arloner Straße die »Europäische Mobilitätswoche« vor, braucht doch die »Direction de l’Immigration« mehr Büros. Daher heißt es provisorisch auf den Kirchberg umziehen, bevor der neue Bahnhof in Ettelbrück in drei (?) Jahren der endgültige Sitz wird. Auch wenn damit nicht viele Arbeitsplätze aus der Hauptstadt wegziehen, positiv ist es allemal.

»Alle Theorie ist grau«

Allerdings gelingt es uns im Gegensatz zu Camille Gira nicht, ob solcher Symbolpolitik und dem wieder aufkommenden Gerede aus der Regierung über Dezentralisierung und dem räumlichen Zusammenbringen der Funktionen Arbeit – Wohnung – Freizeit – Einkaufen in Euphorie zu verfallen. Denn all das wurde schon vor 15 Jahren ins IVL-Konzept reingeschrieben, ohne daß mehr als zwei Symbolhandlungen dabei rauskamen. Nämlich die Natur- und Forstverwaltung nach Diekirch und die Natur- und Wasserverwaltung nach Belval! Das war alles viel zu wenig, umso mehr die Sünden der Vergangenheit ganz besonders in der Hauptstadt weiterliefen und noch aktuell in Gasperich auf die Spitze getrieben werden. Dort wird zur Zeit an 20.000 Arbeitsplätzen, aber nur an Platz für 3.000 in Wohnungen gebaut!

Wir können auch nicht mit Giras Aussage »verplant ist verplant« einverstanden sein, sündigt doch dort sowohl die DP, die bekanntlich nebenbei den Premier in der Regierung stellt, und sein eigene Gréng im Schöffenrat gegen das, was ihre »Parteifreunde« auf Regierungsbene verkünden. Ist das die »coordination des politiques« oder doch die Spitze der Unglaubwürdigkeit? Wir denken, die Antwort ist klar, plant dieser Schöffenrat doch Platz für weitere 60.000 Arbeitsplätze bereitzustellen.

Allein die Wirklichkeit, sie ist nicht so!

So aber wird das nichts mit dem Wunsch Giras und des Verkehrsverbunds, die Leute möchten doch bitte schön weniger Auto fahren und mehr mit dem öffentlichen Transport zur Arbeit kommen. Denn der kann keine 155.000 Leute zu den heute bereits über 203.000 Arbeitsplätzen in der Hauptstadt bringen, wo 47% der landesweiten Arbeitsplätze sich befinden. Zumindest das traute sich Gira nicht in Zweifel zu ziehen!

Da läßt sich natürlich trefflich erklären, »der beste Verkehr ist der, der gar nicht entsteht, indem man die Funktionen wieder zueinander bringt«, aber die Wirklichkeit ist nicht so und es geschieht das genaue Gegenteil als die Verwirklichung dieses schönen durchaus richtigen Satzes.

Ebenso fern der Wirklichkeit ist die Hoffnung Giras auf Leute, die bereit wären, ein bißchen mehr für ihre Wohnung zu bezahlen als auf den billigen Bauplatz jenseits der Mosel zu schielen und dann 30 Jahre lang täglich mit zwei Autos jeden Tag drei Stunden im Stau zu stehen. Denn im Land werden nur 3.750 neue Wohnungen im langjährigen Durchschnitt gebaut, obwohl viel mehr gebraucht werden. Da ist es dann sehr rasch für immer mehr ganz einfach keine Wahl: es geht nur mit dem Auto zur Arbeit, und eine Wohnung läßt sich auch im Land keine aufstellen – oft genug egal zu welchem preislichen Nachteil beides ist.

Schön war insofern die ehrliche Feststellung, daß der Stau mit Elektroautos nicht kleiner wird. Die Frage, welche Art Mobilität nachhaltig, sozial und finanzierbar ist, können wir uns zwar stellen, wir kommen aber damit nicht um die Sachzwänge herum, die aus der Überkonzentrierung der Arbeitsplätze in der und um die Hauptstadt herum (zusammen sind das zwei Drittel der landesweiten!) entstehen.

Als Traumtänzer betätigte sich Camille Gira da mit der Erzählung eines (fiktiven?) Treffens im Bus einer noch in Beckerich Wohnenden, die ihm berichtet habe, sie habe sich nun eine Wohnung in Differdingen gekauft, weil es von dort einen Bus gäbe, der sie in einer halben Stunde nach Gasperich zur Arbeit bringt. Wenn es die Frau gibt, und sie nicht um 11 Uhr mit der Arbeit beginnt, wird sie verdammt enttäuscht werden, denn zur Spitzenzeit gibt es sowas verläßlich nicht. Weder Gira noch Verkehrsverbund-Direktor Dostert waren denn auch in der Lage uns konkret zu sagen, welcher Bus das sein solle. Gira versuchte noch zu vermuten, es gehe mit dem Zug, doch das geht egal wann nie.

Egal, Syvicol-Präsident Eicher forderte die Gemeinden auf, ihr Mitmachen doch beim Verkehrsverbund zu melden – es sind erst 26 Gemeinden angemeldet, während es letztes Jahr 42 waren.

Alles, was da stattfindet vom 17.-24. September wird auf www.mobilititswoch.lu zu finden sein. Es hat uns aber wenig belustigt, daß da »Uber« als »neues Konzept geteilter Mobilität« gepriesen wird: Gewerschaften wie Taxiföderation möchten bitte bei dieser neoliberalen Regierung protestieren.

Belustigt hat uns die Ankündigung von »Workshops« zur Reorganisation des RGTR-Netzes mit Willigen im Oktober und November, allda wir von AVL-Busfahrern erfahren haben, daß ihre Direktion bei Hinweisen, wo etwas schief läuft, antwortet, sie hätten sich darum nicht zu kümmern, und wenn die Passagiere nicht klar kämen, so sei das deren Problem. Das ist auch wieder so ein Glaubwürdigkeitsproblem, sind doch die Fahrer die ersten Experten, deren Rat zu berücksichtigen ist, aber eben nicht wird.

Lustig ist auch, wenn bei einem Programmpunkt die CFL erklären, was »demnächst kommt« beim »FLEX Carsharing bei CFL«. Egal, dafür wird der Umweg unter der Neuen Brücke für Fahrräder wirklich eröffnet!

jmj

Montag 11. September 2017