Generaldirektor Claude Strasser 12 Monate im Amt:

Zukunft der Post sichern in allen drei Bereichen

Seit 1992 ist die Post keine Staatsverwaltung mehr, sondern ein öffentlicher Betrieb. Der Pessimismus von damals zur Zukunft des Unternehmens hat sich jedoch nicht bewahrheitet: mit 4.000 Mitarbeitern laufen die Aktivitäten in den drei Bereichen Briefpost, Telekommunikation und Postscheck mit einem guten operativen Resultat. Allerdings: auf keinem Gebiet gibt es eine Garantie, daß das so bleibt. Wobei: ein Generaldirektor ist kein Sozialpolitiker, und so fehlte jeder Hinweis darauf, daß Liberalisierung und Konkurrenz einhergeht mit sinkendem Lohnniveau und einer steigenden Zahl prekärer Arbeitsplätze.

Höchster Umsatz und Gewinn bei Telekom

Die Post ist bis heute in diesem von der Konkurrenz stark umkämpften Gebiet der Platzhirsch. So erfreulich für die Kundschaft das Absenken der Roaming-Tarife ist, so weh tut das der Post. Um das auszugleichen gilt es neue Nischen, Märkte und Modelle zu finden. Denn es braucht einen hohen finanziellen Einsatz angesichts der Entwicklung der Technologie sowohl im mobilen wie im kabelgebundenen Bereich. Das Zeitalter des Kupferkabels ist vorbei: die technologische Revolution der Glasfaser macht eine enorme Anstrengung nötig. Das Ziel, das die Regierung vorgegeben hat, bis 2020 jeden Betrieb und jeden Haushalt dranzukriegen, wird eingehalten.

Vom klassischen Telekombetrieb wandelt(e) sich die Post zum Dienstleister in Informations- und Kommunika-tionstechnologie. Die Hauptrolle spielen dabei die Datenzentren neben der Glasfaser. Auch wenn die Zahl der Festnetz-Telefonanschlüsse sinkt, und diejenige der Mobilanschlüsse nur leicht steigt, so ist das kein Beinbruch: der Internetanschluß bleibt, und der läuft über dieselbe Leitung. Hinzu kommt das Fernsehen. Insgesamt steigt der Betrag, den der einzelne Kunde ablegt.

Seit März hat Luxgsm das Festnetzt einschließlich Internet und »Tele vun der Post« als Universaldienstleister im Telekom-Bereich übernommen. Im Juni wird der neue Name fürs Ganze vorgestellt. Ab dann gibt es auch nur mehr eine Rechnung für alles. Telephonkabinen rechnen sich zwar nicht mehr, sie gehören aber zum Universaldienst und bleiben erhalten.

Luxemburg ist heute ausgezeichnet verbunden. Die Post versucht daher, internationale Kundschaft nach Luxemburg zu ziehen und hier mit Dienstleistungen zu bedienen. Nischen im Ausland werden zwar nie die großen Umsätze bringen – z.B. wird zur Zeit nach einer Lösung für die perfekte Mobilität gesucht, die es auch mit gesenkten Roaming-Tarifen noch nicht wirklich gibt in €uropa.

Briefpost nimmt ab

Ist der Verlust in Luxemburg weniger stark als im Ausland – auch weil die Bevölkerung hier wächst – ist er doch da. Bei den Paketen gibt es Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich, allerdings gleicht das die anderen Verluste nicht aus.

Bei der Frühjahrsfoire wird die »Postbox« vorgestellt, wo alle Dokumente in digitaler Form an einem Ort im Netz mit einem Login für den Konsumenten zugänglich sein sollen. Heute versuchen die Banken, Strom- und Gaslieferanten usw. die Kundschaft zum Verzicht auf den Brief mit der Rechnung zu bringen, was zu zahlreichen Abholadressen im Internet mit entsprechenden Paßwörtern führt. Die Postbox soll für den Kunden gratis sein, bezahlen sollen die Firmen, die sich damit Kosten im eigenen Haus bei der Informationstechnologie sparen. Als erstes wird Luxgsm, CCPL und das Postunternehmen für die eigenen Lohnzettel in die Postbox liefern (in Frankreich gibt es dieses Angebot exklusiv für Großfirmen und deren Lohnzettel).

Das Postbüro-Netz ist heute an 117 Orten präsent: das ist ein Vorteil, der hochzuhalten ist. Nicht alle Verkaufspunkte entsprechen dem, was die Kundschaft künftig erwartet: eine Modernisierung des Netzes ist blutnotwendig, nicht aber eine Reduktion. In der BRD hat die Post gesehen, daß das der falsche Weg ist: dort ging’s von 30.000 Postbüros auf 15.000 runter; inzwischen sind’s schon wieder 25.000!

Postscheck erhalten

Die niedrigen Zinsen tun dem CCPL weh, da nur der einfache Zahlungsverkehr angeboten wird und das deponierte Geld, das »en bon père de famille« angelegt wird, kaum noch was einbringt: »Wir riskieren nicht mehr rentabel zu sein«, faßt Claude Strasser die Gefahr in Worte. Die Post will auf jeden Fall in diesem Bereich aktiv bleiben, schließt aber das Sparkonto bei der Post ebenso aus wie die Post als Vollbank wie in Frankreich. Das Postscheckkonto ist und bleibt Teil des Universaldienstes: geboten wird »für jeden ein Bankkonto«. Keine Bank lebt von der Kontogebühr – und das CCPL-Konto muß auf jeden Fall billiger bleiben als das Bankkonto.

Die Ansage in diesem Bereich ist am wenigsten konkret: es sei »eine schwierige, komplexe« Entscheidung zu treffen: »Aufgabe ist es in den nächsten Monaten, Pisten zu konkretisieren«, erklärte Claude Strasser auf unsere Nachfrage hin. Wir werden’s sicher merken, wenn’s so weit ist.

jmj

Mittwoch 24. April 2013