Sonderverträge für Wochenendarbeit bei Cactus

Mit Billigung der zuständigen Ministerin – sie erfüllte den großen Supermarktketten bislang praktisch alle Wünsche – und aufgrund der zunehmenden Deregulierung der Arbeitszeitorganisation sind seit geraumer Zeit zahlreiche Supermärkte auch an den Sonntagen (bis maximal 13.00 Uhr) geöffnet. Dies war zum Entsetzen der Mehrzahl der Belegschaftsmitglieder auch am Ostersonntag der Fall. Rücksicht auf das Familienleben des Personals nehmen die profitgierigen Firmen auch am Pfingstsonntag nicht. Denn auch morgen müssen viele in den Kassen sitzen oder hinter den Theken stehen.

Die rücksichtslose Entscheidung, die 7-Tagewoche einzuführen, hatte bei vielen Mitarbeitern für großes Unverständnis gesorgt. Mit der über die Köpfe der Gewerkschaften hinweg getroffenen Entscheidung wollten sie sich partout nicht anfreunden. Dies sah man in aller Deutlichkeit daran, dass es dem Patronat nicht gelang, genügend Freiwillige zu überzeugen, den freien Sonntag, trotz eines gezahlten Zuschusses, zu opfern. So werden seit der Einführung der »verkaufsoffenen Sonntage« halt auch jene gezwungen anzutreten, die bei der Umfrage der Direktion angegeben hatten, sonntags nicht arbeiten zu wollen.

Sonderverträge

Die neue Sonntagsregelung scheint fürs Patronat sehr lukrativ zu sein. So hat die Cactus-Supermarktkette, wie uns Personalvertreter bestätigten, zusätzlich zum eigentlichen Stammpersonal 36 junge Mitarbeiter/innen eingestellt – fast ausschließlich Studentinnen –, um ihren Bedarf an Personal an den Wochenenden aufzustocken. Laut Sondervertrag arbeiten diese jungen Leute 10 Stunden die Woche, normalerweise 6 Stunden samstags und vier Stunden sonntags. In wie weit sie kollektivvertraglich abgesichert sind und wie hoch der Zuschuss ist, der ihnen für die Sonntagsarbeit bezahlt wird, entzieht sich unserer Kenntnis. »Flexicurity« lässt grüßen.

g.s.

Gilbert Simonelli : Freitag 17. Mai 2013