Digitalisierung und Vernetzung:

Werkzeug oder totale Kontrolle?

Digitalisierung ist wie die Vernetzung über das Internet zunächst weder positiv noch negativ, denn das sind Werkzeuge, auch wenn sie nicht wie Hammer und Sichel aussehen. Wie diese können sie im positiven wie im negativen Sinne eingesetzt werden.

Während jedoch allen gleich klar ist, welcher Einsatz bei einem Hammer sinnvoll ist, daß es aber absolut negativ ist, jemandes Schädel damit einzuschlagen, so ist das bei Digitalisierung und Vernetzung auf den ersten Blick weniger deutlich.

Es ist sicher positiv, wenn die Informatik dafür genutzt wird, dem Menschen schwere wie gefährliche Arbeit abzunehmen. Wir werden uns sicher nicht darüber aufregen, daß auf einer Walzstraße das glühend heiße Walzgut nicht mehr von starken Männern mittels Eisenstangen in der Bahn zu halten ist, weil das jetzt alles vollautomatisch vom Kommandoposten aus gesteuert wird.

Wir werden allerdings darauf verweisen müssen, daß es eine andere, gleichere Verteilung der Arbeit geben muß als 40 Stunden pro Woche mit zusätzlichen Überstunden für die einen über 40 Jahre und 0 Stunden für andere. Es gilt also nicht zu klagen, daß die jahrtausendealte Bemühung der Menschheit, sich die Arbeit zu erleichtern, endlich Früchte trägt, es gilt diese Früchte gleichmäßig zu verteilen, damit alle ein leichteres und besseres Leben haben.

Im real existierenden Kapitalismus wird das aber zum Problem, da dieses System so konstruiert ist, daß alles auf die Kapital-Besitzenden zugeschnitten ist. Das ist denn auch das größte Problem bei der Digitalisierung und noch mehr bei der Vernetzung, da sie die perfekte Kontrolle über das Tun und Lassen der Menschen ermöglicht.
Fehlendes Wissen der Anwender ist in der ganzen Informatik die größte Profitquelle. Den wenigsten ist bewußt, daß sie im Internet ständig Postkarten verschicken, die für alle lesbar sind, die Zugang zu den Knotenrechnern und Datenleitungen haben. Wobei die beiden Systemhäuser aus den USA mit den Fenstern und dem Apfel nur auch für Geheimdienste offene Scheunentore verkaufen! Ob das der Grund ist, warum so viele Regierungen lieber dorthin jede Menge Geld abzuliefern bereit sind als Lizenzgebühren, anstatt sich dem weit sicheren Linux samt Open Source zuzuwenden, die ohne diese Gebühren zu haben sind?

Von Kontrollzählern…

Daß die Kontrolle der Bevölkerung ihnen wichtig ist, haben die Minister der EU-Staaten bei ihrem einstimmigen Beschluß für den Einbau von angeblich intelligenten Zählern bewiesen. Auch wenn sie der schlechteren Verständlichkeit wegen »Smart Meters« genannt werden, erlauben sie perfekte Persönlichkeitsprofile zu erstellen, vor allem wenn Gas, Strom und Wasser kombiniert werden. Wir tun also gut daran, uns diese Kontrolle vom Leib zu halten und den Einbau zu verweigern. In einigen Ländern gibt es diese Möglichkeit hoch offiziell, in anderen steht sie nicht ausdrücklich im Gesetz, obwohl nirgends 100 Prozent Smarties zum Ziel gesetzt sind.

... mit dem Internet der Dinge ...

Noch schlimmer wird es aber, wenn Haushaltsgeräte vernetzt werden. Dem Konsumenten wird zu verklickern versucht, es sei doch von Vorteil, aus der Ferne die Heizung wärmer oder kälter stellen zu können, Licht ein- oder auszuschalten oder die Waschmaschine aus der Disco zu starten, weil der Strom in der Nacht billiger sei. Das sind aber alles nur Scheinvorteile, die kein Mensch zum Leben braucht, mit denen er aber perfekt überwacht werden kann. Noch perfekter wird es, wenn die Kaffeemaschine sich aus dem Bett per Fernbefehl übers Internet in Betrieb setzt und der Kühlschrank selbsttätig über dasselbe Internet Sachen nachbestellt, von denen nicht mehr viele da sind.

... ins Reich des gläsernen Menschen

Noch schlimmer wird es mit Kommunikations-Applikationen wie der berüchtigten Whatsapp. Sind normale Handynutzer nur relativ kompliziert einem Planquadrat zuzuordnen, liefert Whatsapp auf die Server von Herrn Zuckerbergs Firma den exakten Standort, und zwar metergenau, Schritt für Schritt. Diese Firma kann ihr Wissen an jeden verkaufen – vom Geheimdienst bis zum Laden, dessen Werbung Sie kriegen, wenn Sie sich ihm nähern. Das soll von Vorteil sein? Die Frage für wen sollte für alle leicht zu beantworten sein!

Wobei wie gesagt alles, was übers Internet läuft, den Charakter einer Postkarte hat. Selbst die Verschlüsselung ist da kaum eine Hilfe, zumindest nicht für richtige Geheimdienste. Es sei daran erinnert, daß früher in der analogen Zeit die sogenannte »rote Post«, also Einschreiber und Expreßsendungen, viel mehr von Geheimpolizisten angeschaut wurden als die normale Post, weil das Volumen einfach geringer war und weil die Absender das Verschickte ja als besonders wichtig und eilig markierten. Damals gab es zwar offiziell das Briefgeheimnis, aber kein Geheimdienst, der etwas auf sich hielt, scherte sich darum. Wer heute mit einer Verschlüsselung aus dem allgemeinen Postkarten-Netzsalat hervorsticht, macht sich damit sicher auch interessanter für Geheimdienste.

Besonders interessant sind da Leute, die meinen, wer nichts zu verstecken habe, müsse sich vor nichts fürchten. Tja, wollen die denn wirklich, daß alle wissen, wann sie Durchfall und wann sie Sex haben? Nein? Gibt es doch für sie auch so etwas wie Privatsphäre, von der alle der Auffassung sind, sie ginge sonst niemand was an. Die aber riskieren wir zu verlieren in diesem System, das die Kapitaleigner ebenso unter allen Bedingungen in alle Ewigkeit aufrechterhalten möchten wie zuvor die Feudalherren den Feudalismus. Bloß hatten die solche Möglichkeiten wie Digitalisierung und Vernetzung nicht.

jmj

Dienstag 13. Februar 2018