90 Prozent der BIL-Aktien gehören der Legend Holdings Corporation

Die BIL als europäisches Sprungbrett für chinesische Unternehmen und reiche Chinesen

Seit kurzem besitzt die chinesische Investitionsgesellschaft Legend Holdings Corporation 89,936 Prozent der Aktien der Banque Internationale à Luxembourg (BIL), der ältesten Universalbank Luxemburgs.
Abgekauft hat die chinesische Investitionsgesellschaft die Aktien der katarischen Finanzgruppe Precision Capital, die im Besitz der Herrscherfamilie Al Thani aus dem Katar ist. Diese hatte die Aktien von der belgisch-französischen Dexia erworben, die wegen ihrer massiven Spekulationsgeschäfte anlässlich der Finanzkrise von 2008 von Belgien, Frankreich und Luxemburg vor dem Konkurs gerettet wurde. Der damalige Finanzminister Luc Frieden (CSV) hatte dieses Geschäft eingefädelt.
Der Staat Luxemburg besitzt seither 9,993 Prozent des Aktienkapitals der Bank, welche auch in der Schweiz, in Dänemark und im Nahen Osten tätig ist.

Die katarische Herrscherfamilie hatte seinerzeit 780 Millionen Euro bezahlt, die chinesische Investitionsgruppe musste sechs Jahre später fast das Doppelte – insgesamt 1.448 Millionen Euro – auf den Tisch blättern, um das Aktienpaket zu erwerben und damit im Zentrum der EU ein weiteres finanzielles Standbein zu bekommen.

Diese Woche schickten die neuen Besitzer, die nur drei von 13 Posten im Verwaltungsrat besetzen werden, ihren Aufsichtsratsvorsitzenden Liu Chuanzhi und ihren Vorstandsvorsitzenden Zhu Linan nach Luxemburg, wo sie mit dem CSV-Politiker und Verwaltungsratspräsidenten der BIL Luc Frieden und dem Geschäftsführer der BIL Hugues Decourt konferierten und sich sehr zufrieden über den Kauf äußerten. Zuvor hatten die Luxemburger Überwachungsbehörde CSSF) und die Europäische Zentralbank (EZB) der Übernahme zugestimmt.

Der Besitzerwechsel dürfte der BIL, die gegenwärtig 2.000 Beschäftigte zählt und mehr als 40 Milliarden Euro an Kundengeldern verwaltet, neue Möglichkeiten eröffnen und – wie sich der Geschäftsführer der BIL äußerte – dank der umfassenden Erfahrung von Legend Holdings in den Bereichen Finanztechnologie, künstliche Intelligenz und Big Data, ihr Kundenangebot und ihre geographische Reichweite zu vergrößern.

Die BIL soll reichen Chinesen – am liebsten den 700.000, die ein Vermögen von jeweils mehr als 30 Millionen Dollar haben – und chinesischen Staats- und Privatunternehmen aber vor allem als Plattform dienen, Vermögen in Europa anzulegen, Kapitalexport zu betreiben und Investitionen vorzunehmen.

Größter Aktionär ist die Chinesische Akademie
der Wissenschaften

Legend Holdings ist an der Hongkonger Börse kotiert und hat Beteiligungen an zahlreichen Unternehmen aus dem Finanzsektor, der Landwirtschaft und der IT-Branche, darunter Lenovo, Chinas größter PC-Produzent.

Legend Holdings selbst ist im Besitz der dem Staatsrat der Volksrepublik China unterstellten Chinesischen Akademie der Wissenschaften (29,04%), des Beijing Lian Chi Zhi Yuan Management Colsulting Center (20,37%), des Managements und hoher Angestellten von Legend Holdings (17%), und der Holding China Oceanwide (16,97%), die dem chinesischen Geschäftsmann Lu Zhiqiang mehrheitlich gehört. 15,64 Prozent werden an der Börse von Honkong gehandelt. Diese Struktur lässt nicht eindeutig erkennen, welchen Anteil die öffentliche Hand tatsächlich am Aktienkapital von Legend Holdings hat.

Die BIL gehört zu den Banken in Luxemburg, welche die Kommunistische Partei Luxemburgs vergesellschaften möchte.

A.R.

(Foto: BIL)

Freitag 13. Juli 2018