Opferambulanz vorgestellt

Umedo soll Gewaltopfern Brücken bauen

Auf Basis des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, genannt »Istanbul-Konvention« (2011), wurde im Oktober 2012 von der EU die sogenannte Opferschutzrichtlinie verabschiedet. Gestern nun stellten Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und Justizminister Félix Braz am Donnerstagmorgen im Laboratoire national de las Santé in Düdelingen die »Unité médico-légale« (Umedo) oder auch »Opferambulanz« genannt, vor.

Oftmals seien Krankenhäuser die ersten Anlaufstellen für Opfer von Gewalt und nicht unbedingt die Polizei, so Mutsch. Deshalb soll die neue interdisziplinäre Zusammenarbeit dafür sorgen, den Opfern Brücken zu bauen zwischen der medizinischen Hilfe und der juristischen Verfolgung des Delikts. Dabei sollen die erlittenen vorhandenen Verletzungen dokumentiert werden und Kontakte zu Unterstützungseinrichtungen vermittelt werden. Nur rund 10 Prozent aller Opfer von Gewalt würden sich an die Polizei wenden, in den allermeisten Fällen spielt Scham eine große Rolle.

Die Feststellung und Dokumentation der erlittenen Verletzungen soll aber grundsätzlich unabhängig von einer möglichen Strafanzeige bleiben. Die Umedo soll dezentral an Krankenhäusern zum Einsatz kommen.
Umedo besteht aus zwei administrativen Angestellten und drei Ärzten, die in der Gerichtsmedizin spezialisiert sind. Letztere werden rund um die Uhr auf Abruf sein.

Dabei ist wichtig, daß entnommene Proben und Gutachten nur im Einverständnis mit dem jeweiligen Opfer untersucht werden können. Ohne dessen Einwilligung geschieht nichts. Die Umedo soll dem Opfer Wege verkürzen, die es sonst in seiner Lage vielleicht nicht oder nur schwer bewältigen könnte, nicht jedoch über dessen Kopf hinweg handeln. Proben werden zehn Jahre aufbewahrt.

Weitere Informationen gibt es unter www.umedo.lu. Die Hotline lautet 621 85 80 80.

CK

Donnerstag 19. Juli 2018