Aus der Chamber:

In der Not frißt der Teufel Fliegen

Es gibt zu wenig Grundschullehrkräfte. Das ist blöd, denn Schule muß stattfinden. Deshalb hat der DP-Unterrichtsminister mit dem SNE verschiedenes ausgehandelt.

Zum »Concours« durfte bisher nur antreten, wer vom Zylus 1-4 qualifiziert war. Das wird jetzt, wie’s früher mal war, in C1 für den Zyklus 1 und in C2 für die Zyklen 2-4 aufgespalten. Das betrifft vor allem Leute aus Belgien, die bisher ein weiteres Jahr anzuhängen hatten. Das geht nun berufsbegleitend in Luxemburg.

Auch wird nicht nur noch der »Bachelor en sciences de l’éducation« zugelassen, sondern auch, wenn sie gebraucht werden, Bachelors, deren Studium irgendetwas mit den Zielsetzungen der Grundschule zu tun hat. Dafür wird ein Kursus von 216 Stunden beim IFEN nachzuholen sein, wobei sie gleich mit einem Vertrag auf unbestimmte Zeit eingestellt werden. Die Möglichkeit gibt es für die nächsten fünf Jahre. Wer vier Jahre Uni hat muß weiter nur noch 2 Jahre Stage machen. Wer heute im zweiten Stage-Jahr ist, hat nächstes Jahr auch kein drittes mehr zu absolvieren.

243 statt 168 Kandidaten letztes Jahr sind aktuell eingeschrieben – die Hoffnung lebt also einstweilen.

Zwei Stunden zusätzlich im Kontingent kriegen die Schulen genehmigt für den Schulentwicklungsplan.

Die CSV fragt, warum das Rekrutierungsproblem, das zum letzten Schulanfang manifest wurde, zuvor nicht erkannt oder anerkannt worden ist. Sie stellt fest, dieses Jahr würden nun zwei Jahrgänge zugelassen, weswegen es jetzt deutlich mehr werden. Doch die fehlen dann nächstes Jahr. Gegen die Kürzung des Stage sei nichts zu sagen, er bleibe aber weiterhin zu theoretisch.

Die Koalitionäre sind glücklich über die gefundenen Notlösungen und finden, es sei doch ein qualitativer Sprung, Bachelors einzustellen statt Leute, die nach einer 1e oder 13e nur über einen Schnellsiedekurs von 4 Wochen verfügen, um als Lehrbeauftragte zu unterrichten. Aber bitte, ohne sie ginge es nicht!

Die adr schafft es bei dem Thema auf das »Comité pour une Paix Juste au Proche-Orient«, das bekanntlich eine Jüdin als Präsidentin hat, zu hauen, da es am IFEN Kurse geben darf: Antisemitismus werde da zum Schulfach, ruft der katholische Integrist Kartheiser aus, der sich damit für jeden vernünftigen Menschen total lächerlich macht. Die adr enthält sich, weil eine Notsituation in der Grundschule herrscht.

Das Gesetz sei nur eine Notlösung, um eine Katastrophe im Herbst zu verhindern, aber nicht einmal ein Anfang einer Analyse, warum es so weit gekommen ist. Deshalb enthält sich die Lénk.

Unterrichtsminister Meisch versteht die geringe Zustimmung nicht, wenn doch von allen kommt, damit gäbe es mehr Lehrkräfte im Herbst, wo 380 Posten ausgeschrieben sind. Letztes Jahr konnten nur 91 Neue rekrutiert werden, weshalb es zu punktuellen Problemen kam. Die Abstimmung bringt 32 Koalitions-Ja bei 28 Oppositions-Enthaltungen.

Drei Europaschulen

Für die Infrastrukturen ist das Unterrichtsministerium zuständig, für Programme und Stundenplan das System der Europaschulen mit zwei Jahren Vorschule, fünf Jahren Primärschule und sieben Jahren Sekundarschule. Es müssen in allen Sektionen Luxemburgisch-Kurse angeboten werden. Abchluß ist der EU-Bac, der zum Studium an allen Unis in der EU berechtigt und an einigen wenigen anderen. In diesen Schulen werden Luxemburger wie Nicht-Luxemburger aufgenommen. Mondorf kriegt eine staatliche Europaschule mit deutscher, englischer und französischer Sprachensektion für insgesamt 1.500 Jugendliche mit angeschlossenem Internat mit 100 Plätzen. Luxemburger Programme wird es in Mondorf keine geben!

In Junglinster wird dem dortigen Lyzeum eine deutsche und eine englische Sektion angegliedert. Die Europaschule soll in Spiel- und Primärschule 150 Kinder und in der Sekundarschule 500 Jugendliche unterrichten.

Im Clerfer Lyzeum Edward Steichen soll es neben den Klassen nach Luxemburger System eine französische und eine deutsche Sektion der Europaschule geben für 300 Jugendliche in der Sekundarschule und 300 Kinder in der Spiel- und Primärschule.

Die CSV sieht zwar Probleme, stimmt aber doch dafür. Die Koalitionäre sind einfach nur begeistert. Die adr ist gar nicht begeistert über diese Segregation, die da stattfindet anstatt der benötigten Integration von Einwanderkindern in die Luxemburger Schule. Weil die Lénk nichts zu sagen weiß, darf sich Minister Meisch loben und seine vielfältige Schullandschaft. Dafür kriegt er 55 Ja, 3 adr-Nein und 2 Lénk-Enthaltungen.

Uni reorganisiert

Die Luxemburger Universität kriegt ein neues Organisationsgesetz. Hauptneuerungen sind die Ernennung des Rektors wie der beiden Vize-Rektoren nicht mehr von der Regierung sondern vom Gouvernanzrat von 13 Mitgliedern, zu denen der Rektor mit beratender Stimme hinzukommt, der Universitätsrat aus internen Mitgliedern der Uni wählt seinen Präsidenten, der nicht mehr der Rektor sein wird und der nicht im Gouvernanzrat sein darf, und es wird eine Studierendendelegation gebildet. Die Dekane werden als Direktoren einer Fakultät beibehalten. Jede Fakultät behält einen Fakultätsrat.

Die CSV ist zwar nicht glücklich mit dem Gesetz, kann aber damit leben. Die Koalitionäre sind begeistert, die adr begrüßt das Gesetz. Die Lénk ist unglücklich und enthält sich. Tätsächlich, ungeklärt bleibt, welche Uni »wir« wollen. Egal, das Gesetz kriegt 55 Ja bei 2 Lénk-Enthaltungen.

jmj

Mittwoch 13. Juni 2018