Neue Arbeitsplätze statt zunehmender Langzeitarbeitslosigkeit

Wenn von Arbeitslosigkeit und fehlenden Perspektiven die Rede ist, wird in der Regel meistens auf junge Menschen hingewiesen, die ohne Arbeit sind. Die allmonatlichen Statistiken der ADEM zeigen jedoch, dass, wenn man die Arbeitslosigkeit wirklich bekämpfen will, nicht nur die Probleme dieser jungen Menschen gelöst werden müssen, sondern unbedingt auch die der vielen »älteren« Arbeitsuchenden, denen der Weg zurück ins aktive Arbeitsleben immer häufiger versperrt bleibt.

Die Statistiken sprechen in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache: Wer heute über 50 ist – vielfach sogar schon ab 40 – wird immer häufiger ausgemustert, als »untauglich« abgestempelt, rücksichtslos ausrangiert. Die Türen ins aktive Arbeitsleben bleiben diesen Menschen jedenfalls meistens versperrt, wenn sie, nachdem sie aus irgendwelcher Ursache auch immer ihren Arbeitsplatz verloren haben, auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle sind.

Beispiele, die dies belegen, gibt es zuhauf. So wurden beispielsweise sowohl die aus Gesundheitsgründen entlassene fünfzigjährige Verkäuferin eines Supermarktes, der um zwei Jahre jüngere Handwerker eines in Konkurs geratenen Industriebetriebs sowie die erst 43 Jahre junge Sekretärin eines nach dem Tode des Betriebsinhabers stillgelegten Familienbetriebs, in ihren Vorstellungsgesprächen stets mit der Bemerkung abgewiesen, sie seien leider zu alt, um den Anforderungen, die den arbeitenden Menschen heutzutage abverlangt werden – Flexibilität, Deregulierung der Arbeitsorganisation, Konkurrenzkampf, Druck und Hetze – gerecht werden zu können.

Doch nicht nur die die Arbeitsbedingungen, die sich, quer durch alle Wirtschaftssektoren in den letzten Jahren deutlich verschlechtert haben, werden vielen »älteren« Arbeitsuchenden als unüberwindbares Hindernis entgegengehalten. Eine zusätzliche Hürde besteht darin, dass berufserfahrene Arbeitskräfte anders zu entlohnen wären als junge unerfahrene Arbeitsuchende, wodurch sie die Lohnkosten des Betriebs in einem größeren Ausmaß belasten würden.

Eine Einstellungspolitik, die zur Folge hat, dass inzwischen nicht nur mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen älter sind als 40 – bei rund 20 Prozent Arbeitsuchenden, die jünger als 30 sind – auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist in den letzten Jahren massiv angestiegen So werden derzeit in den Statistiken nahezu 7.000 (rund 46%) Langzeitarbeitslose geführt – als Langzeitarbeitsloser wird betrachtet, wer seit 12 Monaten ohne Arbeit ist.

Wie schlimm die Situation für diese Menschen inzwischen geworden ist, sieht man daran, dass fast 5.000 aller Erwerbslosen bereits seit zwei Jahren (und mehr) ohne Arbeit sind.

Eine Situation, die so nicht weiter akzeptabel ist. Eine andere Politik muss deshalb her. Statt dem Groß- und Finanzkapital weitere Geschenke in Millionenhöhe zufließen zu lassen und sich weiter an überflüssigen Aufrüstungsobjekten und unsinnigen NATO-Kriegen finanziell zu beteiligen, täte die Regierung besser daran, verstärkt in beschäftigungsintensive Betriebe der Klein- und Mittelindustrie zu investieren, vor allem in neue Arbeitsplätze, die auch Arbeitsuchenden mit nur geringer Qualifikation zugänglich wären. Wirtschaftsbereiche dazu gibt es zuhauf.

Wer die Zukunft jedoch nur mehr in der Hochtechnologie sieht – wie das seit Jahren hierzulande der Fall zu sein scheint –, riskiert, dass auf lange Sicht immer größere Teile der Bevölkerung nicht am aktiven Arbeitsleben teilhaben werden.

g.s.

Montag 9. April 2018