Sozialpanorama der Chambre des Salariés

Ungleichheit birgt sozialen Sprengstoff

Gestern stellte die Chambre des Salairés Luxembourg (CSL) ihr Sozialpanorama 2018 vor. Diese Erhebung wird seit 2011 gemacht, um zu schauen, wie die soziale Situation der Menschen im Land sich verändert.

Auffällig ist im Bericht für 2018, daß die kleinen Löhne sich weitaus langsamer entwickelten als die großen Einkommen. Auf längere Sicht wird hier eine weiter zunehmende Ungleichheit vorausgesagt. Dies hat auch Auswirkungen auf die Kaufkraft der Menschen: Seit 2010 kommen die kleinen Löhne auf einen Kaufkraftzuwachs von 0,8 Prozent, während die großen Gehälter um 5,9 Prozent an Kaufkraft zulegen konnten. Daran hängt natürlich direkt auch das Armutsrisiko. Dieses liegt in Luxemburg bei 16,5 Prozent, alle Sozialtransfers mit einbezogen, und bei 44,4 Prozent ohne Sozialtransfers.

Besonders vom Armutsrisiko betroffen sind Alleinerziehende mit Kindern. Hier liegt die Quote bei 46 Prozent. Familien mit drei oder mehr Kindern liegen bei 30,8 Prozent, während Haushalte ohne Kinder weitaus weniger gefährdet sind.

Auch zeigt der Bericht, daß der Einkommensteil, welcher für die Miete aufgebracht werden muß, weiter zunimmt. Hier liegt Luxemburg mit 40 Prozent weit vorn in der Rangliste der Euro-Staaten, unter Ländern wie Estland, Spanien oder Zypern. Der Durchschnitt aller Euro-Staaten liegt bei knapp über 30 Prozent. Die Niederlande, Österreich und Deutschland stehen am anderen Ende der Skala.

Immer mehr Haushalte sind demnach auch mit dem Problem konfrontiert, am Ende eines Monats nicht mehr genug Geld übrig zu haben.

Was die Arbeitslosigkeit betreffe, sei die Quote EU-weit leicht zurückgegangen, mit der Ausnahme von Finnland, wo sich nichts Positives getan habe. Problematisch ist allerdings, daß diese Entwicklung bei den Arbeitslosen kaum ankommt, da die mei­sten in Luxemburg neu geschaffenen Arbeitsplätze eine eher mindere Qualität haben. Darunter fällt auch die zunehmende Zeitarbeit. Besonders die junge Generation bis 24 Jahre habe sehr damit zu kämpfen. Von ihnen haben 40,4 Prozent nur eine Zeitarbeitsstelle und somit den denkbar schlechtesten Start ins Berufsleben. Seit 2014 steigt der Trend zur Zeitarbeit wieder stärker an.

Luxemburg hat die unrühmliche rote Laterne in der Euro-Zone, was Armut trotz Arbeit betrifft und spielt hier wieder in einer Liga mit den Krisenländern wie Portugal oder Spanien.

Der Quality of work-Index (Qow) zeigt eine marginale Verbesserung der Arbeitsqualität. Die Quote liegt bei 55,7 Prozent gegenüber 55,2 Prozent in 2016. Insgesamt sei festzustellen, daß die Arbeit immer rigider strukturiert sei und den Beschäftigten kaum eigene Gestaltungsfreiräume lasse. Die Digitalisierung betreffend komme die patronale Erwartung einer ständigen Erreichbarkeit der Angestellten hinzu.

CSL-Präsident Jean-Claude Reding warnte abschließend davor, daß die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft und die damit einhergehende Zersplitterung nicht mehr nur für Konflikte zwischen Unternehmen und Gewerkschaften, sondern bald auch hierzulande politische Auswüchse wie in den Nachbarländern hervorrufen könne. Nirgends in Europa werde pro Woche so lange gearbeitet, wie in Luxemburg aber nirgends sei gleichzeitig das Armutsrisiko so hoch. Es gelte nun, endlich den Mindestlohn strukturell zu erhöhen und nicht immer nur anzupassen. Auch die medizinische Versorgung und die Renten müßten einen Schub zum Positiven erhalten.

CK

Montag 16. April 2018