Strategische Partnerschaft mit Golf-Diktaturen:

Finanzinvestoren auf der Place de l’Etoile

Die hauptstädtische Place de l’Etoile hat eine lange Geschichte und es ist auch kein Zufall, daß da schon derart lange eine Brache ist. Das verdanken wir dem sagenumwobenen Premier Werner (ihm folgten Santer und Juncker, bis Bettel der CSV passierte). Den hatte der Stockluxemburger Bauträger Hein um einen Gefallen gebeten, und Werner lieferte ein Gesetz, mit dem Heins Projekt für eine Umgestaltung dieser Stadteinfahrt als im öffentlichen Interesse erklärt wurde. Damit verbunden war Heins Recht, andere zu enteignen, die dort außer ihm auch Grundstücke hatten.

Einige verkauften daraufhin an Hein, andere erklärten, sie wollten selber bauen, und Rockenbrod, der eine Parzelle inmitten von Heins Grundstück besaß, wollte diese vergoldet haben. Hein schritt, sich seiner Sache sicher, zu Gericht und klagte Enteignung ein. Seine Gegner bemühten den Staatsrat, der damals auch noch als Verfassungsgericht amtierte. Die Verfahren wogten hin und her, bis der Staatsrat verfügte, das Wernersche Gefälligkeitsgesetz sei verfassungswidrig.

Da stand Hein nun als armer Tor und hatte jede Menge Anwalts- und Gerichtskosten zu bezahlen. Er wandte sich an Werner und begehrte Entschädigung, doch der weigerte sich. Da beschloß Hein, der eigentlich reich genug war, um die Auslagen aus der Portokasse zu bezahlen, auch wenn’s nicht gerade billig war, daß sein nun die Rache sei. Er riß wohl die Häuser ab, die bis dahin in seinem Eigentum waren, doch das war’s dann.

Der Besitzer des Grundstücks zum Kreuzgründchen hatte das Glück, direkt an der Straße zu liegen. Blitzartig war ein Bauprojekt vorgelegt, genehmigt und gebaut. Dann geschah lange nichts mehr, bis es endlich der Familie im Besitz des Loses E gelang, zu einer Zufahrt zu kommen, denn von der Rue du Rollingergrund aus, über der die Parzellen liegen, war das nicht machbar. Von seinem Teil trat ihnen Hein natürlich nichts ab, nicht einmal um sehr teures Geld. Wie das so geht, ging’s. Es verstarb ein Hausbesitzer, und die Erben verkauften, wonach rasch dort auch Pläne eingereicht waren. Das wurde zur Zeit von Bürgermeister Helminger genehmigt und gebaut. Und dann passierte sehr lange nichts mehr.

Kurzzeitbürgermeister Bettel verstieg sich zur Ankündigung, er wolle ein Enteignungsverfahren gegen Hein anstrengen, doch das kostete den nicht einmal einen Lacher. Es kam nicht dazu, Bettel verschwand vom Knuedler, und Gras wuchs drüber.

Doch Herr Hein war mittlerweile arg in die Jahre gekommen. Sein Vertrauen in die Sturheit seiner Erben war offenbar enden wollend. Da CSV-Finanzminister Frieden seinerzeit eine strategische Partnerschaft mit den Scheich-Diktaturen am Persischen Golf organisiert hatte, konnte er mit dem Verkauf an den Scheich von Abu Dhabi Stadt und Staat ein letztes Kuckucksei ins Nest legen.

Natürlich kaufte der Scheich das nicht höchstpersönlich mit seinem Namen, aber doch mit seiner Privatschatulle, die in der »Abu Dhabi Investment Authority« steckt. Der lustige Fonds hat schon das Royal Hamilius von der CODIC abgekauft, womit der belgische Bauträger seine Schäfchen im Trockenen hat, und die Stadt sich mit dem Scheich herumschlagen darf.

Das verspricht lustig zu werden, denn der Scheich von Abu Dhabi ist nicht anders gewickelt als der von Katar. Beides sind Finanzinvestoren, die auf der Jagd nach dem Maximalprofit sind, auch wenn sie momentan untereinander heftig streiten.

Weil das mit dem Maximalprofit bei der Cargolux nicht lief, war Quatar Airways schnell wieder weg. Firmengeheimnisse hat die Cargolux seither keine mehr vor dem katarischen Konkurrenten.

Bei der BIL wollen die Kataris seit einiger Zeit auch aussteigen, und sie sind überzeugt, das bringe ordentlich Gewinn, da sie doch günstig einstiegen, als der Ruf nicht optimal war. Abgecasht haben sie schon mal ordentlich Dividenden. Und Informationen, die wohl auch ganz interessant für die KBL sind, die auch in ihrem Besitz ist. Daß da jetzt ein Scheich an der Place de l’Etoile sitzt, hat Vorteile für die Tram-Bauer. Von Hein war kein müder Quadratmeter ohne langwierige Enteignungsprozedur bis nach Straßburg zu haben. Der Scheich ist da flexibler.

Aber das kostet ein klein bißchen was. Für sein Entgegenkommen wollte er nur die Zusage, die route d’Arlon überbauen zu dürfen. Und die Umsteigeplattform, wo Bus-Passagiere auf die Tram gezwungen werden. Ist doch von Vorteil, wenn die nicht naßgeregnet oder eingeschneit werden, nicht wahr!

Der Scheich gewinnt dabei natürlich. Und zwar jede Menge Quadratmeter. Die will er für Luxuswohnungen auf Miete nutzen. Das bringt mehr als die Vermietung von Büros oder Wohnungen für Normalos. Wobei sich ja bei Wohnungsnot alles vermieten läßt. Es wird also demnächst neue Pläne geben. Die Zusage hat der Scheich schon, und die Politiker werden gut dran tun, zuzustimmen. Sonst ist die Umsteigeplattform tot. So funktioniert Kapitalismus!

jmj

Im Vordergrund laufen die Arbeiten für eine neue Busspur, über die provisorisch die Busse ab 16.9. bei Baubeginn in der Av. Reuter in die Av. Monterey umgeleitet werden. Rechts im Bild die Bauten von Los E, die schon lange bewohnt sind. Das höhere Haus links ist jenes, das am längsten steht. Weiter links im von jungen Bäumen bestandenen Teil liegt die Enklave Rockenbrod, der sich mit dem Scheich sicher leichter einig wird als mit Konkurrent Hein.

Freitag 8. Juni 2018