Bei Ergebnis Tram Studie willkommen:

»Séieren Tram« nur von Foetz bis vor Zessingen

Verkehrsminister Lux wollte in seiner ersten Amtszeit einen Zug von Belval längs der A4 zum Hauptbahnhof führen und hatte in Steinbrücken auch schon begonnen, Häuser dafür aufzukaufen. Doch dann bekam Lydia Mutsch als damalige Escher Bürgermeisterin einen Anfall von Lokalpatriotismus: Belval und Esch müßten zusammen bleiben, und daher müsse der direkte Zug weniger direkt, aber durch den Escher Bahnhof fahren. Da er dort nicht über die Rue de Luxembourg zur Autobahn abbiegen konnte, hätte er auch noch durch Schifflingen müssen, und da konnte er gleich über Bettemburg weiterfahren. So war eine gute Idee, die nach Frankreich verlängerbar gewesen wäre, abgestochen.

Inzwischen kommen annähernd 40.000 Grenzgänger aus Frankreich mehr nach Luxemburg arbeiten, aber die Gelegenheit wurde verpaßt, als in Thionville eine Bürgermeisterin saß, die eine Stelzenbahn für eine gute Sache hielt. Damit hätten mindestens 30.000 zur Arbeit gefahren werden können und wieder nach Hause. Die Frau ist leider gestorben, der Monorail damit auch, selbst wenn noch einmal ein Luxemburger Unternehmer das Thema aufgriff.

Denn es gilt offenbar das, was seinerseits Dipl.-Ing. Schummer einmal bei einer Pressekonferenz gesagt hatte: »Es sieht alles danach aus, als ob für die Regierung eine Studie nur einen Wert hat, wenn eine Straßenbahn dabei rauskommt.« Er hat bekanntlich den direkten Zug unter der Oberstadt, dem Limpertsberg und dem Kirchberg vorgeschlagen, wobei die Feinverteilung mit Bussen erledigt hätte werden sollen.

Aber im Tunnel sollte auf keinen Fall der öffentliche Personennahverkehr fahren dürfen, wobei obendrein behauptet wurde, die Leute würden nicht gerne Lift fahren. Drum müssen sie heute Standseilbahn fahren – im Tunnel. Dabei wurde Karlsruhe, das zu BTB-Zeiten immer als Beispiel herhalten mußte, von dem Tag an nicht mehr erwähnt, als sie dort nach einigen Unfällen mit Todesfolge in der Innenstadt beschlossen hatten, die Tram unterirdisch zu legen.

Minister Bausch hat nun ein in der Transportplanung spezialisiertes deutsch-franzöisches Studienbüro mit dem Namen »Transport Technologie Consult Karlsruhe« (TTK) bezahlt. Der Laie wundert sich, der Fachmann staunt, denn wieder ist das willkommene Studienergebnis… eine Tram! Sie soll allerdings nicht wirklich auf der direktesten Linie die Uni-Standorte Belval und Kirchberg verbinden, und deshalb braucht es eine langwierige Begründung.

Vom Zug wird dabei gleich gar nicht geredet, denn das ginge halbwegs seriös nicht, ohne beim Schummer-Projetk www.busbunn.net rauszukommen, und das will die aktuelle Regierung unter keinen Umständen.

Also muß zuerst der Bus madig geredet werden. TTK war überrascht festzustellen, daß heute zur Spitzenzeit alle 3 Minuten ein Bus über die A4 fährt und täglich damit 5.500 Passagiere transportiert werden. Das hängt mit der Überzentralisierung der Arbeitsplätze zusammen, die einigen wenigen Profite bringt und vielen Wege im Stau oder in der Sardinenbüchse aufbürdet. Aber auch darüber will die Regierung nicht reden, denn sie arbeitet für die wenigen.

Daher wird nicht umgesteuert mit einer Dezentralisierung der Arbeitsplätze und einem Zuwachsstop in der und um die Hauptstadt, und so wird es 2035 satte 55% mehr zu erledigende Wege geben »im A4-Korridor«. Als sei das gottgegeben und als könne da nichts getan werden, damit der Zuwachs nicht kommt. Aber gut, das würde die Profite der Wenigen schmälern, und das will die Regierung nicht. Die nächste wahrscheinlich auch nicht, nimmt Minister Bausch zumindest an.
Mit Bussen ließen sich höchstens 13.000 Leute transportieren, wenn alle 90 Sekunden ein Bus fährt. In der Hauptstadt gibt es aber keinen Ort für die Endstation, die von 800 Bussen am Tag angefahren würde. Ist die aber nicht im Zentrum, verlieren die Passagiere zu viel Zeit.

Wobei das ziemlich egal ist, denn eigentlich müßten 20.000 transportiert werden, selbst wenn aus 10.000 Autofahrern Autopassagiere werden, doppelt so viele mit den CFL-Zügen fahren (also 20.000) und noch dazu 5.000 jeden Tag mit dem Fahrrad. Daß sich diese 5.000 finden, ist auszuschließen, aber alle tun, als sei das erreichbar.

Schön, der Bus ist unterdimensioniert. Kommen wir zum Metro oder zum Monorail, die angeblich, da schaust, gleich viel Platz brauchen, egal ob sie ober- oder unterirdisch fahren. Sie wären überdimensioniert, da sie im Allgemeinen gebraucht würden bei mehr als 100.000 Reisenden am Tag. Dabei wird anderswo heute bereits von 200.000 französischen Grenzgängern für 2050/60 gesprochen – aber wir schauen ja nur bis 2035. Und natürlich ist so ein System Quatsch von Foetz bis Zessingen, und es ist natürlich auch nicht für die Feinverteilung geeignet.

Hurrah, das Ergebnis ist also eine Tram mit stärkeren Motoren und stärkeren Bremsen, damit sie 100 km/h fahren kann – außerorts und mit wenigen Haltestellen. In Zessingen soll sie dann 2028 auf die Luxtram treffen und wie diese weiterfahren – mit 20 km/h. Von Foetz aus soll dann für 2035 eine Verlängerung durch den Norden von Esch bis Belval fahren und eine weitere über das was auf der Brache der Schifflinger Schmelz entsteht zum Escher Bahnhof. 2028 sollen aber dann Buslinien ab Foetz weiterfahren, seien es die vom TICE oder solche von angeblich hohem Niveau nach Differdingen und nach Frankreich.

Das Ganze könnte wieder unter dem Titel »zu wenig – zu spät« stehen, wird doch die geringe Kapazitätssteigerung blitzartig vom galoppierenden Wachstum der Zahl der Arbeitsplätze im Zentrum aufgefressen. Wir werden also weiter dem Stau hinterherlaufen, auch wenn Minister Bausch behauptet, es werde jetzt ganz anders. Anders mit der Tram wurde aber bisher nur die Besoldung des Fahrpersonals, und zwar ging sie stark nach unten!

jmj

Montag 11. Juni 2018