Den Herrschenden die Gefolgschaft kündigen

Wer erinnert sich nicht an die pompösen Feiern, als in den 1990er Jahren in den Ländern der »freien Welt« der Sieg über den Sozialismus gefeiert wurde. Vom »endgültigen Sieg des Kapitalismus« war damals sogar die Rede. Auch hierzulande wurde den Menschen an jenen Tagen vorgegaukelt, fortan werde sich alles zum Positiven ändern. Es stimmt wohl, dass sich seither so manches geändert hat. Jedoch nicht im Interesse der arbeitenden Menschen.

Befreit von der »Konkurrenz« aus dem Osten Europas war es den Kapitalisten seither nämlich wieder möglich, ihr wahres Gesicht zu zeigen. Und dies in aller Deutlichkeit. Mit dem rheinischen Kapitalismus war jedenfalls Schluss, Kompromisse an die Werktätigen und ihre Gewerkschaften gab es seither kaum noch.

Das Gegenteil war der Fall. Mit der Folge, dass heute im »freien Europa« allein die Parole gilt »mehr Arbeit für weniger Lohn«. Den arbeitenden Menschen wird seither immer mehr abverlangt, Die in langen Jahren von der Arbeiterklasse erkämpften Errungenschaften wurden (und werden weiter nach wie vor) beschnitten oder gar abgeschafft, Reallöhne gekürzt, die Arbeitsbedingungen massiv verschlechtert.

Um es dem Finanz- und Großkapital zu ermöglichen, die Gewinne in einem immer größerem Maße zu maximieren, wird seit Jahren schon wie verrückt globalisiert, flexibilisiert und dereguliert. Luxemburg macht dabei keine Ausnahme. Auch hierzulande wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit nicht nur laut über mehr Flexibilität, längere Arbeitszeiten oder eine anzustrebende Reduzierung der Lohnmasse nachgedacht, dem Patronat sind alle Mittel recht, seine Forderungen auch immer wieder in die Praxis umzusetzen. Durch Maßnahmen die allesamt den Zweck verfolgen, den Aktionären höhere Dividenden zu sichern und somit ausschließlich auf dem Buckel der Schaffenden umgesetzt werden. So wie es im Kapitalismus eben üblich ist.

Unternehmer und Politik schreiten dabei Hand in Hand. Während das Patronat »seine Mitarbeiter« in einem immer größeren Ausmaß ausbeutet – Analysen belegen, dass von den Produktivitätssteigerungen die Schaffenden so gut wie nichts abbekommen – greift die Politik den arbeitenden Menschen durch einseitige »Sparmaßnahmen« immer wieder in die Taschen. Arbeiter und Rentner sind jedenfalls bereits seit nunmehr zehn Jahren gezwungen, den Riemen immer enger zu schnallen. Dies, obwohl es vor Jahren in einer in der Hauptstadt durchgeführten großen Kundgebung der Gewerkschaften unmissverständlich geheißen hatte: »Wir zahlen nicht für eure Krise«.

Die vielen Verschlechterungen, die trotz besagter Kundgebung den arbeitenden Menschen und Rentnern dennoch reihenweise aufgezwungen wurden, zeigen in aller Deutlichkeit, dass die Herrschenden nicht auf die Stimme der Straße zu hören bereit sind. Zumindest so lange sie spüren, dass Arbeiter und Gewerkschaften immer wieder nur bereit sind, zu punktuellen Themen einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des Kapitalismus zu führen, ohne dabei jedoch zu versuchen, am bestehenden System zu rütteln.

Fakt ist, dass das Finanz- und Großkapital nur dann wieder zu Konzessionen im Interesse der Schaffenden bereit sein wird, wenn die Herrschenden die Gefahr spüren sollten, dass die Arbeiterklasse dem bestehenden System die Gefolgschaft zu kündigen droht und dabei die Herrschaft des Kapitals grundsätzlich in Frage stellt. Ein Schritt in diese Richtung wäre, bei den Parlamentswahlen im Oktober die Kommunisten zu stärken.

g.s.

Gilbert Simonelli : Freitag 25. Mai 2018