Zur Paketaufgabe in den »Drink-Shop«

Im vergangenen Jahr hat die Post sieben »Post-Points« in »Partnershops« eröffnet

Mit sieben Neueröffnungen hat die Postdirektion die Zahl der unter anderem in Supermärkten untergebrachten »Post-Points« im vergangenen Jahr auf 33 erhöht. Zusammen mit den 63 verbliebenen Postfilialen werden also aktuell an 96 Stellen im Land brief- und paketpostalische Dienstleistungen angeboten. Auf der Bilanzpressekonferenz der zu 100 Prozent vom Staat kontrollierten »Post Group« erklärte Generaldirektor Claude Strasser Ende vergangener Woche, nach der Schließung von einem Postbüro 2014 und von 34 weiteren im vorletzten Jahr sei die sogenannte gelbe Post nun »anders im Land präsent«.

Das ist eine sehr schönfärberische Umschreibung für das Zusammenstreichen von über einem Drittel des in vielen Jahrzehnten gewachsenen und seit Generationen als selbstverständlich angesehenen flächendeckenden Postbüronetzes. Wie auch die »Bréifdréieschgewerkschaft« und der Konsumentenschutz lehnt die KPL den von Regierung und Postdirektion eingeschlagenen Weg, Brief- und Paketdienstleistungen statt in eigenen Gebäuden in »Drink-Shops« oder Supermarktregalen anzubieten, kategorisch ab. Anfang April 2016 begannen Aktivisten der KPL vor dem ebenfalls zum Abschuß freigegebenen Postbüro in Dippach eine Kampagne gegen die geplante Schließung von zunächst 35 Postbüros. Dies mit dem Argument, der Erhalt der Postbüros sichere den Universaldienst und nicht zuletzt ordentlich bezahlte Arbeitsplätze bei der Post ab. In Luxemburg sieht der Universaldienst die Postzustellung an jeden Haushalt an fünf Tagen pro Woche vor.

Daß es Regierung und Postdirektion nicht um Dienstleistungen von guter Qualität, sondern um Maximalprofite geht, zeigte sich schon daran, daß in die 35 Postbüros, die 2014 und 2016 geschlossen wurden, seit Jahren nicht mehr investiert und Stellen für qualifizierte Mitarbeiter gestrichen wurden. Deren Arbeit wird nun von unterbezahlten und meistens ohnehin schon völlig überlasteten Verkäuferinnen in sogenannten »Partnershops« geleistet, was natürlich die Profite der »Post Group« steigen ließ.

Davon fällt auch immer mehr für Spitzenmanager wie Strasser ab, da die Parlamentsmehrheit nach der Zerschlagung des Briefträgerstatuts ein neues Postgesetz absegnete, mit dem ein Privatstatut eingeführt wurde, das es erstmals ermöglichte, Managern Traumgehälter wie in der Privatwirtschaft zu zahlen. Auf der Bilanzpressekonferenz behauptete der Generaldirektor zwar, momentan sei keine weitere Schließung von Postbüros mehr geplant, KPL, »Bréifdréieschgewerkschaft« und Konsumentenschutz befürchten aber, in einer zweiten Etappe werde ein weiteres Drittel der vor fünf Jahren noch 98 Postbüros von der Direktion dichtgemacht.

oe

Vor dem Postbüro in Dippach begannen Aktivisten der KPL im April 2016 eine Kampagne gegen die von Regierung und Direktion geplante Schließung von zunächst 35 Postbüros

Freitag 25. Mai 2018