Wider alle Denkverbote:

Laizität Gegenpol zu religiösen Denkverboten

Wissenschaft ist laizistisch, stellt Fragen, hinterfragt bisheriges Wissen und belegt Erkenntnisse nachvollziehbar. Wissenschaft zweifelt, ist jederzeit bereit eine Interpretation zu ändern, sobald neue nachvollziehbare Erkenntnisse gefunden sind. Wissenschaft kennt keine Grenzen, kein »bis hierher und nicht weiter«, und ist auch nicht erschüttert, wenn sie nicht alles erklären kann. Dies obwohl sie den Wunsch hat, alles zu erklären: Lücken sind zukünftige Arbeitsgebiete.

Damit steht der Wissensdurst der Wissenschaft in unversöhnlichem Gegensatz zur Gewißheit der Religionen, die vorgeben, für alles eine letztgültige, von ihrem Gott oder ihren Göttern kommende Erklärung zu haben. Die gilt es zu akzeptieren. Das hat lange Zeit wirkliches Forschen verunmöglicht. Wer sich trotzdem daran machte, dem wurde mit dem Scheiterhaufen gedroht, damit er sich unterwerfe. Galileo Galilei (1564-1642) ist das wohl bekannteste Beispiel im katholischen Bereich.

Ein anderes ist Charles Darwin (1809-1882), dem solches dank der Gnade der späteren Geburt zwar nicht widerfuhr, der aber dafür nicht nur Probleme mit seiner fundamentalistisch religiösen Frau hatte. Nicht nur sie warf ihm vor, Gott umgebracht zu haben. Ein Vorwurf, der voraussetzt, Gott habe jemals gelebt – aber das kann nur ein Laizist antworten.

Dabei haben die Religionen bei Darwin nicht das größte Problem damit, daß der Mensch vom Affen abstammen könnte, sondern damit, daß es mit Darwin zur unleugbaren Gewißheit kam, daß alles Leben – Pflanzen, Tiere und Menschen – Ergebnis von Entwicklung (von Evolution wie das schöne wissenschaftlicher klingende Fremdwort heißt) ist. So hat denn Karol Woytila als Papst zugegeben, an Darwins Theorie sei viel Wahres, aber sie dürfe nicht zum Materialismus führen. Als ob es daran einen Weg vorbei gäbe, wenn es nicht gelingt, die Theorie zu widerlegen! Das ist exakt der Punkt, wo’s Religionen und religiösen Dogmatikern weh tut, geht doch die »Krone der Schöpfung« dadurch flöten.

Selbst heute, wo dank eines halben Jahrhunderts Molekularbiologie kein Zweifel mehr möglich ist, daß es diese Entwicklung über Millionen Jahre hinweg gab, versuchen Spiritualisten allen Wassers immer noch, zu leugnen oder die Angelegenheit so zurechtzubiegen, daß sie zu ihrem Gott paßt.

Die schlimmsten sind die Kreationisten, die mit nachvollziehbar falschen Experimenten eine Pseudowissenschaft aufziehen, um den Bibeltext von der Schöpfung als »die« Wahrheit zu verkaufen, anstatt ihn als Geburtsmythos der Menschheit zu sehen. In den USA setzten sie sich durch bis nach dem Sputnik-Start 1957, wo die Staatsführung begriff, daß solches sie gegenüber der UdSSR ins wissenschaftliche Hintertreffen brachte.

Schlauere erfanden den »Intelligenten Design«, mit dem dem Kreationismus ein pseudo-wissenschaftliches Mäntelchen umgehängt wurde: Gott als der große Designer wird in die Entwicklung als bestimmendes Element eingeführt, der entscheidet, wie diese zu verlaufen hat. Blöd nur, daß es für diese Theorie keinen einzigen nachvollziehbaren Beleg gibt. Nachvollziehbar ist aber sehr wohl, daß damit der Wissenschaft Zügel angelegt werden und religiöse Konzepte eine Rechtfertigung finden sollen: so wird damit etwa behauptet, der göttliche Designer habe den Organen ihre Rolle zugewiesen und es sei daher unmoralisch, sie widmungswidrig zu verwenden. Verbot von Abtreibung und Homosexualität sei daher ein wissenschaftliches Gebot.

Die Laizität hat demnach selbst bei der Verteidigung der Wissenschaft mehr als genug zu tun, umso mehr es der religiösen Vereinnahmer unzählige gibt!

jmj

Freitag 21. August 2009