Raus aus dem Mittelalter:

Mit Laizität zu Logik und wissenschaflichem Denken

So lange eine große Mehrheit der Menschen angibt, eher die religiöse Antwort anzunehmen wenn eine religiöse und eine wissenschaftliche Antwort zu einem Thema sich widersprechen, haben wir ein Problem: es ist klar, daß wir so kein Kräfteverhältnis für eine wirkliche Trennung von Kirche und Staat erhalten. Dies umso mehr, wenn selbst Studierende an Universitäten, die zwar die Evolutionstheorie begriffen haben, sie nicht annehmen, ganz besonders nicht, wenn es um den Menschen geht (siehe dazu eine Studie aus dem Jahr 2006 auf www. didac.ehu.es/antropo/Volu men12.htm): fast ein Viertel gibt dort an, der Mensch sei eine göttliche Schöpfung.

Wir haben hier eindeutig fehlendes logisches Denken vorliegen, wie wir es allerdings auch ganz grundlegend haben, wenn der Wissenschaft jenes Hinterfragen zugestanden wird, das aber im allgemeinen, sozialen und politischen Leben nicht akzeptiert wird – etwa wenn das politische oder wirtschaftliche System für unantastbar erklärt wird, eine Infragestellung als geradezu ketzerisch empfunden wird.

Es ist dies eindeutig dieselbe Haltung, geprägt von jener Irrationalität, die Religionen zur Entfaltung brauchen. Natürlich kann nicht erwartet werden, daß die Religionen freiwillig die Segel streichen – etwa indem ein Papst vor die Mikrophone tritt, um sich dafür zu entschuldigen, daß seine Institution die Menschen über Jahrhunderte wider besseres Wissen für dumm verkaufte.

Es ist also nötig, ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen, und da ist es umso wichtiger, sie mit ihren Dogmen aus den Schulen rauszubekommen. Wenn heute in Luxemburg eine ganze Reihe von Eltern, die eigentlich kirchenfern sind in ihrem Leben, ihre Kinder in den Religionsunterricht schicken, damit sie nicht die Feiern zur Erstkommunion und zur Firmung mit den entsprechenden Geschenken von Taufpaten und anderen Familienmitgliedern verlustig gehen, dann ist es umso wichtiger, daß sich eine laizistische Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften des Moralunterrichts wie in Belgien zusammentut, um ein entsprechendes laizistisches Angebot bieten zu können. Die katholische Kirche hat mit Erfolg vorchristliche Feiern für sich vereinnahmt, wir sollten uns also nicht genieren, ihnen diese wieder abzujagen!

Logisches, wissenschaftliches Denken wird sich aber nicht von selbst einstellen, nicht einmal dadurch, daß der Unterricht in den Naturwissenschaften gestärkt wird, wie’s die Absicht von Unterrichtsministerin Delvaux-Stehres ist. Denn als Gegner gibt es da nicht nur die harten Spiritualisten mit dem Kreationismus und die weicheren Spiritualisten mit ihrem »Intelligenten Design«, die wir gestern besprochen haben, sondern ebenso jene, die in der Nachfolge des Jesuiten und Paläontologen (Forscher nach vorzeitlichen Lebensformen in Fossilien) zu belegen versuchen, Religion und Wissenschaft kämen zu den gleichen Ergebnissen, was natürlich nicht der Fall ist. Wissenschaft ist weder dazu da, politische Probleme zu lösen, noch Gottesbeweise zu liefern.

Ebenso falsch liegen jene Leute, die nicht akzeptieren wollen, daß die Wissenschaft noch nicht alles erklären kann: Löcher im aktuellen Wissen sind weder eine Rechtfertigung für die Rolle von Religionen und deren unüberprüfbare Dogmen noch für eine Ablehnung der Wissenschaft an sich. Es sind dies ganz einfach zukünftige Arbeitsfelder der Wissenschaft.

Auch wenn es der abendländisch-christlichen Weltsicht absolut widerspricht, müssen wir damit leben lernen, zeitweise Unerklärtes in unserer Weltdarstellung zu haben: das ist kein Grund für eine Rück-kehr zur göttlichen Vorsehung oder zu Dogmen!

jmj

Samstag 22. August 2009