An den Rand des sozialen Abgrunds gedrängt

Wenn Regierungsmitglieder und sogenannte Wirtschaftsexperten seit Wochen auch versuchen, die Situation im Lande wieder schönzureden und von einem sich abzeichnendem Aufwärtstrend reden, so zeigt der Alltag jedoch, dass die Zahl der Haushalte, die über soziale Probleme klagen, weiter zunimmt.

So wurde dieser Tage das Schicksal eines jungen Ehepaares an uns herangetragen, das ohne eigenes Verschulden an den Rand des sozialen Abgrunds gedrängt wurde.

Alles begann, als die junge Mutter Anfang 2008 ihren Job verlor, nachdem der Familienbetrieb, in dem sie seit ihrer abgeschlossenen Lehre beschäftigt war, die Aktivitäten einstellte. Alle Anstrengungen, schnell eine neue Anstellung zu finden, verliefen ergebnislos. Dies, obwohl sie innerhalb weniger Tage um die 50 Bewerbungen verschickt hatte. Die meisten blieben unbeantwortet, während die wenigen Vorstellungsgespräche allesamt erfolglos verliefen.

Eine Situation, die für die junge Frau, die nicht nur ihren Beruf liebte, sondern allen voran auf das zweite Einkommen angewiesen war, nur schwer zu ertragen war. Um die finanzielle Situation des Haushalts etwas aufzubessern, nahm sie deshalb einige Stundenjobs an. Ihre Tochter brachte sie hierfür mit Hilfe einer Freundin in einem Kindergarten unter. Leider nur für wenige Monate. Denn nachdem die Zeit der Arbeitslosenunterstützung abgelaufen war, konnte sich die Familie den Kinderkrippenplatz mit dem alleinigen Lohn ihres Mannes, der für ein klein wenig mehr als den Mindestlohn in einem kleinen Industriebetrieb beschäftigt war, nicht mehr leisten. Also musste die junge Mutter auch ihre Stundenjobs wieder aufgeben.

Direkt dramatisch wurde die Situation des Haushalts, als nun auch noch die Firma, die ihren Mann beschäftigte, vor einigen Monaten völlig unerwartet Konkurs anmeldete. Zum Glück wurde er kürzlich von einem anderen Betrieb übernommen. Zumindest mal auf Probe. Hoffentlich wird der Probezeit ein unbefristeter Arbeitsvertrag folgen. Doch so oder so, aus dem tiefen Loch, in das Ehepaar gedrängt wurde, als der Ehemann während fast drei Monaten ohne Einkommen war, sind die jungen Eltern trotz Beistand von Familie und Freunden bis heute nicht herausgekommen.

g.s.

Gilbert Simonelli : Dienstag 25. August 2009