Mehr Arbeitslose, mehr Kurzarbeiter

Arbeitslosenrate im Juli auf 5,5 Prozent gestiegen – Bis zu 9.950 Kurzarbeiter im September – Krecké sieht weiterhin »erste Anzeichen der Besserung«

Böser Monat oder überholtes System? Laut Arbeitsminister Nicolas Schmit ist nicht etwa der Kapitalismus ursächlich für die neuen Arbeitslosen, sondern »der Juli hat eine weitere Erhöhung der Arbeitslosigkeit mitgebracht«. Wie Schmit am Donnerstag nach seiner zweiten Konjunkturkomiteesitzung erklärte, kamen im vergangenen Monat 275 neue Arbeitslose mit Wohnsitz in Luxemburg hinzu, so daß sich deren Zahl auf 12.787 erhöhte und die Arbeitslosenrate von 5,4 Prozent im Juni auf 5,5 Prozent stieg. Die Zahl der (nicht in der Statistik geführten) Frauen und Männer in Beschäftigungsmaßnahmen lag im Juli bei 3.067 (-101).

Im »Kontext des letzten Jahres« sei dies »kein starker Sprung«, tröstete Schmit. Im Juli 2008 seien auch 223 Arbeitslose mehr gezählt worden als im Juni 2008. Damals hatte die kapitalistische Krise Luxemburg jedoch noch nicht voll erfaßt und die Arbeitslosenrate lag noch bei 4,1 Prozent. Seitdem kamen (statistisch gesehen) 3.517 Arbeitslose hinzu, was einer Erhöhung um 37,9 Prozent binnen eines Jahres entspricht. Daß die Krise auch vielen Grenzgängern den Arbeitsplatz gekostet hat, zeigt sich in der Tatsache, daß die Gesamtzahl der im Großherzogtum Beschäftigten im Juli erstmals sank – um 1.706 Einheiten auf 356.374. Wie Schmit weiter mitteilte, erhielten im Juli 6.605 Arbeitslose (+118) eine Entschädigung und die Zahl der Zeitarbeiter (Interim) ging innerhalb eines Jahres um die Hälfte zurück.

Maßnahmen für junge Arbeitslose angekündigt

Leider werde Luxemburg auch nicht »vom EU-weiten Trend einer drastisch gestiegenen Jugendarbeitslosigkeit verschont«, so der neue Minister, der von über fünf Millionen jungen Arbeitslosen in der EU sprach. In Luxemburg waren Ende Juli offiziell 2.093 Jugendliche unter 26 Jahren arbeitslos, was einem Anteil von 16,4 Prozent entspricht und gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 109 Einheiten bedeutet. Da Anfang September, wenn regelmäßig viele Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt strömen, mit einer weiteren Erhöhung der Jugendarbeitslosigkeit zu rechnen sei, plane die Regierung »Maßnahmen für junge Arbeitslose«, die die Chamber »spätestens Mitte Oktober« absegnen soll. Konkretes wollte Schmit erst mitteilen, wenn die Details mit den Sozialpartnern geklärt seien.

Wie von Wirtschaftsminister Jeannot Krecké prognostiziert, wird es nach dem Ende des dreiwöchigen Kollektivurlaubs der im Bausektor und im Bauhandwerk Beschäftigten im September noch mehr Anträge auf Kurzarbeit geben. Laut Krecké bewilligte das Konjunkturkomitee dieses Mal 129 von 133 Anträgen; das sind sieben mehr als im Vormonat. Damit kann das Patronat, nach maximal 8.496 im August, im September bis zu 9.950 Schaffende auf Kurzarbeit setzen. Die Subventionierung der Kurzarbeit im September läßt sich der Staat bis zu 12,1 Millionen Euro kosten, wobei Krecké erneut betonte, daß erfahrungsgemäß nur die Hälfte der bereitgestellten Gelder auch tatsächlich abgerufen würden.

Hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung sah Krecké auch gestern wieder »erste Anzeichen der Besserung«. So gebe es »in der Industrie und bei den Konsumenten einen gewissen Optimismus«, der Banksektor habe wohl das Schlimmste überstanden und nur für den Bausektor sei leider nicht mit einer kurzfristigen Verbesserung der Auftragslage zu rechnen. Dafür mache die Börse wieder Fortschritte und die deutsche und die französische Wirtschaft seien – zumindest »technisch gesehen« – nicht mehr in der Rezession.

oe

Oliver Wagner : Freitag 28. August 2009