Bilanz 2014 der Post-Gruppe:

Neues Jahr, neues Glück?

Papier war gestern – und so gibt es die Presseunterlagen nicht mehr auf Papier, sondern auf USB-Stick. Aber von wegen Umweltschutz und soziale Verantwortung: er ist in Plastikfolie eingeschweißt. Gut gemeint, doch scharf daneben. Egal: Verwaltungsratspräsident Serge Allegrezza hat zumindest darüber hinaus die Zufriedenheit der Post-Gruppe über das gute Ergebnis 2014 mit einer zweiprozentigen Umsatzsteigerung trotz vielfältiger Konkurrenz auf Lager – nach gleichbleibenden Zahlen 2013 gegenüber dem Vorjahr.

Drei Viertel des Umsatzes von 691,48 Millionen 2014 (+2,08 Prozent) entfallen mittlerweile auf den Telekommunikations- und Internetbereich. Und der Bereich wächst, trotz Rückgang im Festnetzbereich, Senkung der Roaming-Tarife, und Herabsetzen des Endnutzerzugangs, was allein -21 Millionen ausmachte. Das Wachstum kommt vom Komplettangeboten für Betriebe über Datenzentren und Cloud, wo zunehmend auch Klein- und Mittelbetriebe Kunden werden. Das soll nun auch außerhalb der Landesgrenzen angeboten werden, denn da hat’s schon einen Erfolg: 1,1 Millionen Post-SIM-Karten sind in Peugeot und Citroen-Autos eingebaut!

Wachstum bringt auch »Renita«, die mobile Kommunikation für die Polizei seit 5. Mai 2015, die nach dem EU-Vorsitz auf die ganze öffentliche Macht und die Hilfsdienste mit am Ende über 10.000 Nutzer ausgedehnt wird. Wachstum bringt auch ein für Friedensfreunde zweifelhafteres Projekt mit einer Satelliten-Basisstation am Herrenberg für militärische Zwecke – offiziell natürlich für »Friedensmissionen«. Na ja, die Post ist ein Betrieb in Staatshand.

Der Staat bestimmt daher wo’s lang geht, und dort, wo der Staat eine falsche Politik macht, zieht die Post halt mit. Sinnvoller ist da schon der forcierte Glasfaser-Ausbau, der Ende 2014 43 Prozent der Haushalte erreichte, und wo jährlich 8 Prozent hinzukommen. Das gleichzeitig zum Ausbau des 4G-Mobilfunknetzes, das Ende 2014 93 Prozent der Bevölkerung abdeckte, parallel zu einer Modernisierung des 2G-Sprachnetzes. Der Regulator ILR bescheinigte denn der Post, für 75 Prozent des Telekom-Invests im Land verantwortlich zu sein.

Trotzdem, auch wenn es seit 2012 nur noch weniger wird: die Briefpost stellt immer noch durchschnittlich 600.000 Poststücke pro Werktag zu. Die Zahl der Pakete stieg 2014 weiter um 21 Prozent auf 2 Millionen im Jahr. Wertmäßig sind das aber immer erst 5 Prozent. Obwohl die »Victor Buch Services« mit ihrem guten Resultat der Briefpost zugerechnet werden, sank somit der Umsatz um 3 Millionen in diesem Bereich. Das gute alte Postscheckkonto bringt zwar kaum noch Zinsen trotz nochmaliger Steigerung der Kundeneinlagen, aber doch noch über 20 Millionen Umsatz. Die Partnerschaftsvereinbarung mit der Raiffeisen ist inzwischen spruchreif – sie steht auf der Tagesordnung der nächsten Verwaltungsratssitzung. Das CCPL wird übrigens bestehen bleiben und es wird ausgebaut, wurde vorab verraten. Mehr demnächst!

Die Ausgaben der Post stiegen um 3 Prozent auf 565,2 Millionen, weil relativ viel eingestellt und mit fast 200 Millionen investiert wurde. Immerhin profitierte die Post bei den Ausgaben auch von niedrigeren Roaming- und Endnutzerzugangskosten: da fielen 8,2 Millionen weniger an.

Wann überholt Post ArcelorMittal?

Im Durchschnitt des Jahres 2014 waren 4.096 (+3,9 Prozent) Beschäftigte da. Am 31.12. waren es 2013 4.023, 2014 mit 4.231 sogar 5,2 Prozent mehr. Die Personalkosten stiegen so um 7,9 Prozent oder 20,8 Millionen Laut Generaldirektor Strasser wurden viele Zeit- und Interim-Beschäftigte definitiv angestellt. Insgesamt kamen 440 neu zur Gruppe, davon 227 zum »établissement public« EPT. Wobei zur Gruppe nicht nur Filialen zählen, sondern auch die Post SA und die Post PSF SA – da ist ein kleiner Konzern entstanden, in den die Öffentlichkeit wenig Einblick hat, und der sich freut im Hinblick auf eine Neufassung des Gesetzes zu öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, die mehr Flexibilität erlauben würde. Das sei auf dem Instanzenweg; Serge Allegrezza hofft auf die Zustimmung der Chamber noch 2015.

Profit ist nicht wirklich das erste Ziel eines Staatsbetriebs – gute Dienstleistungen und ebensolche Infrastrukturen eher schon. Es wurde gestern versprochen, das Vertriebsnetz zu modernisieren – hoffentlich nicht alles über Cactus-Geschäfte. Für die Paketzustellung wurden weitere »PackUp-Stationen« versprochen und in drei Monaten eine Evaluation des Pilotprojekts »Paketkasten« zusätzlich zum Briefkasten.

Insofern sind um 6,6 Prozent auf 109,1 Millionen gestiegene Abschreibungen kein Beinbruch. Vor Zinsen und Steuern bleiben der Post-Gruppe so 49,1 Millionen (-12,6 Prozent gegenüber den 56,5 Millionen 2013), danach 41,3 Millionen tatsächlichen Gewinn (2013 waren’s 60,1 Millionen). Die Dividende fürs Staatsbudget bleibt allerdings 2014 wie im Vorjahr bei 20 Millionen, was nicht nur den Finanzminister freut. Der Rest marschiert in die Rücklagen.

Der Vollständigkeit halber sei vermerkt, daß der Abriß des alten Gebäudes des »Comptoir des Fers et Métaux« hinter dem Postgebäude am Bahnhof zur Tilgung des Postens dieses Gebäudes aus dem Vermögen führte. Da standen dafür 10 Millionen Allerdings wurde das ganz sicher unterbewertete Grundstück in der Bilanz nicht aufgewertet: da schläft also sozusagen ein Sicherheitspolster. Es ist schon überraschend, wenn so etwas von einem Generaldirektor verraten wird, weshalb wir das gerne positiv hervorheben. Buchhaltung ist halt eine eigene Wissenschaft – und nur zum Teil eine exakte.

jmj

Dienstag 2. Juni 2015