Unterschiedliche Strategien

Lufthansa stößt Luxair-Aktien ab

Am Mittwoch erhielt Transportminister Bausch Post des deutschen Lufthansa-Konzerns der ihm mitteilte, das Unternehmen werde sich aus dem Kapital der Luxemburger Fluggesellschaft Luxair zurückziehen. Lufthansa hält gegenwärtig 13 Prozent der Aktien von Luxair, Die zwei Fluggesellschaften verbindet eine langjährige Partnerschaft, und es gab schon mal Zeiten, da wollte der deutsche Konzern ein weitaus größeres Aktienpaket von Luxair einkaufen.

Als Grund für den Ausstieg gibt Lufthansa eine Reorganisation ihres Aktienbesitzes an. Man habe beschlossen, sich von Kapitalbeteiligungen zu trennen, sofern man keinen wirklichen Einfluß auf die Gesellschaften ausüben könne, heiß es am Mittwoch.

Das macht deutlich, dass es bei Lufthansa und der Luxemburger Fluggesellschaft unterschiedliche strategische Überlegungen gibt. Anders als die Luxemburger Regierung und die Direktion von Luxair, die für die Zukunft auf eine regionale und autonome Fluggesellschaft bauen, hätte Lufthansa Luxair längerfristig wohl eher in der Rolle einer Tochtergesellschaft gesehen, ganz nach dem Vorbild der Lufthansa Regional.

Nicht auszuschließen ist, dass die bisherige Partnerschaft sich nun sehr schnell in eine knallharte Konkurrenz zwischen Luxair und eben der Lufthansa Regional entwickeln wird, zum Beispiel auf den Strecken Frankfurt am Main und München.

Bleibt die Frage, wer die Luxair-Aktien der Lufthansa übernehmen wird: der Staat, ein andres Luxemburger Unternehmen oder eine ausländische Fluggesellschaft?

Den Besitz von Luxair teilen sich heute: Der Luxemburger Staat (39,05 Prozent der Aktien), die Staatssparkasse BCEE (21,81%), die Banque Internationale à Luxembourg, die im Besitz von Katar ist (13,14%), die Deutsche Lufthansa AG (13%), Luxair Group (10%), Luxair Finance (2,86% ) und Andere (0,14%).

Luxair schloß das Jahr 2014 bekanntlich mit einem Nettoprofit von 9,7 Millionen Euro ab, machte aber nach wie vor bei den Linienflügen ein Verlustgeschäft von 8,4 Millionen Euro. Für die nächste Zeit wurden zudem bereits Investitionen in Höhe von 250 Millionen Euro angekündigt.

A.R.

Ali Ruckert : Donnerstag 2. Juli 2015