Wohnungsnot treibt immer ärgere Blüten:

Dritte Welt in Luxemburg

Wer hätte für möglich gehalten, daß etwas, das von jeder Stadt in der sogenannten Dritten Welt bekannt ist, auch im angeblich ach so reichen Luxemburg existiert: Zelte oder aus Planen, Holzresten und Ähnlichem zusammengezimmerte Notbehausungen stehen 100 Meter oberhalb des »Foyer Ulysse« hinter einem Zaun, direkt angrenzend an die Bahnhofseinfahrt in Luxemburg-Bonneweg. Von außen ist wenig sichtbar, nur ein Wimpel mit dem roten Löwen ragt darüber hinaus.

Es »wohnen« hier rund 15 Menschen, hauptsächlich Portugiesen und Luxemburger, darunter der ein oder andre Haftentlassene, der vom Gefängnis auf die Straße gesetzt wurde. So weit sind wir gesunken? Ja, so weit ist es unter der Regierung Bettel-Schneider-Braz gekommen!

Es gibt einfach zu wenig Sozialwohnungen im Land, und das nützt den Vermietern: jedes Loch ist für teures Geld weiterzubringen, weil es selbst zu wenig verfügbare Löcher gibt. Es nützt aber auch den sogenannten Sozialvereinen: wer im »Foyer Ulysse« ein Bett haben will ohne absperrbaren Kasten, das er zwischen 9 Uhr früh und 18 Uhr abends nicht aufsuchen darf, muß dafür neuerdings nicht mehr 600 Euro, sondern zwei Drittel des RMG oder bei aufrechtem Arbeitsverhältnis des unqualifizierten Mindestlohns abliefern: also 860 bzw. 1.000 Euro! So wollen sich offenbar nicht mehr alle ausnehmen und dann noch von »Sozialarbeitern« unter Kuratel stellen lassen.

Kein Wunder, daß das die Zimmerpreise über den Cafés weiter in die Höhe treibt. Das hilft zumindest den Wirten, die ihre Miete meist auch gar nicht mehr über den Bierausschank finanzieren können. Doch das ist ein Problem, das anders gelöst werden müßte!

Es wird höchste Zeit, daß dieser »Caritas« und anderen Vereinen das Heft aus der Hand genommen wird. Sozialarbeit muß wieder in Gemeinde- und Staatshand kommen, die »konventionierte Sozialarbeit« führt, wie wir sehen, in die Katastrophe.

Aber auch der Staat treibt zuletzt sonderbare Blüten, wie letzten Freitag im Bericht des »Abri Sud« an den Gemeinderat der Stadt Esch/Alzette zu lesen war: 2014 waren dort 29 »Sans Papiers« vorstellig geworden. Sie durften höchstens drei Nächte bleiben. Und danach? Der ganz große Skandal aber ist, daß der Mehrheit dieser Menschen die Aufenthaltserlaubnis entzogen wurde, als sie am Ende der Arbeitslosenunterstützung einen Antrag auf RMG stellten!

jmj

Am Ende des Versagens von Sozialarbeit und Wohnungsbaupolitik: Dritte Welt in Luxemburg-Bonneweg!

Dienstag 20. Oktober 2015