Politik tut, als ob sie das Problem nicht lösen möchte:

Scheitern mit Anlauf beim Wohnungsproblem

Wer ein Problem lösen will, tut gut daran sich klar zu werden, um was es sich da genau handelt. Tatsache ist, daß seit Jahren zu wenig neue Wohnungen gebaut werden, damit die jedes Jahr neu ins Land Kommenden darin untergebracht werden können. Das verschlimmert die Lage Jahr um Jahr mit höheren Preisen bei Miete und Kauf, worunter am schlimm­sten Niedrigverdiener und schlecht Logierte zu leiden haben.

Es darf dem politisch handelnden Personal der heutigen wie der vorigen Regierung unterstellt werden, das Problem gar nicht lösen zu wollen angesichts der konsequent unterm Bedarf angesiedelten Bautätigkeit, die bei privaten Bauträgern zudem vor allem Wohnungen für bestens Betuchte nach sich zieht.

Tatsache ist, daß auf diese Weise im Land ein Rückstand bei Sozial- und Mietwohnungen von satten 40.000 Wohneinheiten entstanden ist.

Hinzu kommt in der Stadt Luxemburg und den direkten Anrainergemeinden eine überproportional hohe Nachfrage nach Zimmern und Studios. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte liegt in der Hauptstadt inzwischen 20% überm Landesdurchschnitt und um 10% drüber in den Nachbargemeinden. Das hat nichts damit zu tun, daß Hauptstädter keine Familien mehr gründen wollten und somit das Abendland ausstirbt. Es hat damit zu tun, daß angesichts der schrecklichen Mobilitätsprobleme auf der Straße und in Zug und Bus zu den Spitzenstunden viele ihre Familien unter der Woche in der Großregion verlassen, um näher an der Arbeit wenigstens Zeit für eine ordentliche Mütze Schlaf zu haben.

Wenn die politisch an den Schalthebeln Befindlichen diese Analyse gemacht haben, ist das was sie tun dazu angelegt, das Problem zu verschlimmern. Denn in der Hauptstadt wird mit dem neuen Allgemeinen Bebauungsplan massiv zu Einfamilienhäusern umklassiert, was verhindert, daß ein Haus in Studios aufgeteilt wird angesichts der hohen Nachfrage danach. Daran ändert das jüngste Zugeständnis auch nichts, nun pro Stockwerk eine Wohnung zu genehmigen, denn das ist fast immer viel mehr Platz als so eine Arbeitskraft aus der Großregion zum Schlafen mieten möchte.

Wenn also der blaugrüne Hauptstadt-Schöffenrat alles tut, um die bestehende Nachfrage nicht zu befriedigen, sieht es bei der Regierung nicht viel besser aus. Der große Wurf, mit dem kurzfristig Tausende Mietwohnungen in Bau gehen würden, ist nicht in Sicht. Es bleibt beim Kleinklein: Fonds de Logement und Société Nationale des Habitations à Bon Marché sollen doppelt so viel produzieren wie bis jetzt. Ebenso soll 2017 die Zahl der Wohnungen, in der die Leute nach dem Modell der »Immobilière sociale« bevormundet werden, fast verdoppelt werden, indem 150 jetzt noch leer stehende Wohnungen von geschätzten 10-20.000 mobilisiert werden. So wird das nichts! Denn das garantiert, daß 2017 wieder weniger gebaut wird, als für neu Zuziehende gebraucht wird.

Von anderen Gemeinden kommt auch kein großer Wurf. Esch/Alzette sagt ein 19-stöckiges Wohnhaus ab und ersetzt es durch Kleinklein wie auch wieder im zuletzt gestimmten Los auf den Nonnewisen, wo obendrein alles verkauft wird. Der Schifflinger Bürgermeister spricht sich gar dezidiert gegen jedes Bauen in die Höhe aus.

Das jedoch führt zum Verschwinden der letzten Grünflächen. Das Bauen in die Höhe könnte einerseits schneller mehr Wohnungen schaffen, gleichzeitig aber auch jene Grünflächen erhalten, für die bei der Niedrigbauweise kein Platz mehr bleibt.

Nur wenn das Problem nicht gelöst, sondern vergrößert werden soll, darf so weiter getan werden, wie bisher!

jmj

Montag 13. März 2017