Analphabetentum in Luxemburg: Genaue Zahlen gibt es nicht

Auf Initiative der »Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OCDE) wurden in der Vergangenheit Untersuchungen über das Analphabetentum in zahlreichen Mitgliedsländern durchgeführt. In Luxemburg war das nicht der Fall, da die Ausgaben von bis zu einer Million Euro zu hoch sein würden im Vergleich zu den daraus abzuleitenden Erkenntnissen. Das schreibt Minister Meisch in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage.

Aus den Erklärungen des Ministers geht hervor, dass Luxemburg seit längerem beachtliche (?) Mittel bereitstellt, um Menschen, die des Lesens und Schreibens unkundig sind, die Möglichkeit zu bieten, Alphabetisierungskurse zu besuchen. Konkrete Angaben über die Finanzen, die für den Kampf gegen Analphabetentum aufgewendet werden, bleibt der Erziehungsminister allerdings schuldig.

Gegenwärtig so der Mini­ster, würden in Walferdingen gut 100 Erwachsene Alphabetisierungskurse in Deutsch und Französisch besuchen. Darüber hinaus würden die Erwachsendenbildung, aber auch Gemeinden und Organisationen, die eine Konvention mit dem Staat haben, Alphabetisierungskurse, die aus dem Staatshaushalt bezahlt werden, an einem Dutzend Orten im Land anbieten.

Die Zahl der Kursusteilnehmer stieg von 124 im Jahr 2011 auf 334 im Jahr 2014, 513 im Jahr 2015 und 888 im Jahr 2016. Der Anstieg zwischen 2015 und 2016 geht auf die Teilnahme von Menschen zurück, die in einer Asylprozedur sind.

Vor der Ankunft der vielen Flüchtlinge hatten 55 Prozent der Alphabetisierungskurse die portugiesische Nationalität und 20 Prozent die luxemburgische Nationalität und weitere 25 Prozent andere Nationalitäten. Wie hoch der Anteil der Analphabeten verglichen mit der Gesamtzahl der Bevölkerung in Luxemburg ist, geht nicht aus der Antwort des Ministers hervor. Den Studien zufolge, die im Auftrag der OCDE in unseren Nachbarländern durchgeführt wurden, gibt es zwischen 3,3 und 4,5 Prozent Analphabeten in Deutschland und zwischen 5,3 und 9,1 Prozent in Frankreich.

Als Analphabeten werden in Luxemburg Menschen betrachtet, die keine Schule besuchten, eine Schule besuchten aber Lesen, Schreiben und Rechnen nicht in genügendem Maße beherrschen, um autonom die einfachsten Lebenssituationen zu bewältigen, sowie Menschen, die das lateinische Alphabet nicht beherrschen.

A.R.

Ali Ruckert : Donnerstag 16. März 2017