Sprüche und Widersprüche

– Eine schöne Frau kann das Gehirn aus einem Mann so leicht wegpusten wie eine Feuerwaffe.

– Wer Bücher nicht mag, sollte eine schöne Landschaft aufsuchen: das aufgeschlagene Buch der Natur.

– Hat man ein paar Wochen lang keine klassische Musik gehört, und man hört sie wieder, ist das, als tauche man in einen kristallklaren Bergsee, der im Nu vom Lärm des Alltags befreit – und von dem »bumbum« allgegenwärtigen Rock- und Pop-Gezeters.

– Es gibt Menschen, die viel wissen und fast nichts verstehen.

– Die Religion ist schon lange nicht mehr »das Herz einer herzlosen Welt« (Karl Marx). Wer beachtet sie noch? Wer geht noch zum Gottesdienst? Kathedralen werden besucht der großen Kunst wegen.

– Der Trumpeter von Washington ist das schönste (viel mehr hässlichste) Beispiel eines reichen Idioten, der glaubt – wie es so oft vorkommt – in allem recht zu haben, weil er über den anderen auf einem Haufen Geld thront.

– Achtung vor hässlichen Frauen: sie können den Männern nicht verzeihen, dass sie hässlich sind.

– Die Erde ist eine kleine, kaum sichtbare Ameise, die einmal endgültig vom Fuß der Zeit zertreten wird.

– Traditionen sind meist die Bremsklötze des Fortschritts.

– Wer heute in Westeuropa noch Priester wird, den sollte man nicht verachten, sondern bedauern.

– Mangel an geistiger Neugier geht Hand in Hand mit einem Defizit an Intelligenz.

– Fidel Castro wollte nur einen kleinen Felsbock als Grab, nur mit seinem Vornahmen drauf. Das erinnert an den Philosophen Schopenhauer, der eine Steinplatte wollte mit seinem Namen. Und er sagte dazu: »Sie werden mich finden«.

– Hinter dem Hafen der Ehe kann sehr leicht ein mit Tellerminen bestücktes Feld liegen.

– Je zivilisierter eine Gesellschaft ist, umso weniger glaubt sie an ihre Religion.

– Herrsch-Sucht ist eine besonders schlimme Form des Aggressions-Triebs.

– Im Vergleich zur Ewigkeit der Zeit bleibt unsere erlebte Zeit ewig stehn. Da gilt die Arithmetik nicht mehr: eine Quintilliarde Jahre (1033), also eine Eins mit 33 Nullen, ist hier gleich Null.

– Sieht man ein Gesicht wie Leonardos Engel der »Vierge aux rochers« (Louvre), so fragt man sich, ob die Natur vollkommener ist oder die große Kunst, welche sich bemüht, das Schöne aus der Natur heraus zu ziehn.

– Wo das Leben hart ist, werden auch die Menschen hart – bis sie wie Holz zerbrechen.

– Wo das Gesicht grob ist, ist auch der Geist meistens grob. Denn die Gesichter »reden«.

– Viele meinen, in ein wenig bekanntes, rückständiges Land zu reisen, erfordere Mut. Aber was wirklich Mut erfordert, das ist: jeden Morgen früh aufstehn und arbeiten gehen.

– »Die mächtigste Frau der Welt?« – »Merkel«. Aber heute gibt es keine »mächtigsten« Männer und Frauen mehr. Die wirkliche Macht liegt bei den allgewaltigen Firmen und ihrer Lobby. So dass die wirkliche Macht heute schwer greifbar und schwer angreifbar ist. Was herrscht: Plutokratie (Herrschaft der Reichen).

– Die Rituale der Religionen sind dazu da, den Dingen des Lebens eine Regelmäßigkeit und Sicherheit zu geben, die sie nicht haben. Rituale, von denen man hofft, dass sie bis zu Gott aufsteigen wie der Dunst der Weihrauchfässer, der die Umgebung heiligen soll. Freud hat hier eine Beziehung zu den Ritualen von Neurotikern festgestellt, die das Leben beschwören sollen, wo es gerade schief läuft.

– »Nation branding«? So wie man einem Vieh ein Kennzeichen einbrennt? Es gibt in keinem Land eine nationale »Identität« – nicht einmal in dem kleinen Luxemburg. Dazu sind die Menschen viel zu verschieden. »Nationale Identität« ist ein falscher und damit überflüssiger Begriff, der zusammenbringen möchte, was auseinander ist und bleibt. Gibt es nicht einfach so viele Identitäten wie es Menschen gibt (»Tot capita, tot sententiae«?

– Wie ein bekannter Anthropologe sagt (Jared Diamond), lebt der größte Teil der Menschheit noch in einer Art Steinzeit. Das heißt zum Beispiel, dass Feminismus als Bewegung eine Riesen-Seltenheit ist, und bei weitem die meisten Frauen der Welt ihren Männern unterlegen sein MÜSSEN.

– Die Mehrheit lebt immer noch wie in der »Urhorde« – mit einem oder mehreren Leit-Tieren. Wie wäre sonst die Bereitwilligkeit zu erklären, mit der die Mehrheit der Wähler (in den meisten »demokratischen« Ländern) gesellschaftliche Beschlüsse von »oben« akzeptiert, obwohl sie nicht gefragt wurde, und die für so viele negativ ausfallen? (Demokratie = griech. »Herrschaft des Volkes«.)

– Wer sehr überzeugt ist von einer Sache und Mut und Charakterstärke hat, kann oft Menschen ohne diese Eigenschaften leicht überzeugen, auch ohne Beweise. Wie man oft bei Politikern sieht. (Abgesehen davon, dass viele sich nicht für Politik interessieren, obwohl die Politik sich für sie interessiert.)

– Viele Politiker scheinen die Menschen für dumm zu halten, und entlarven sich daher als wenig intelligent. So ein Luxemburger Minister: mit seiner Regierung setze eine »Kopernikanische Wende« ein (Kopernikus hat bekanntlich die damalige Astronomie auf den Kopf gestellt). Derselbe über den griechischen Ökonomen Varoufakis: »Er ist gut in der These und in der Antithese, aber weniger in der Synthese«. Total leeres Geschwätz!

Joseph Welter

Freitag 31. März 2017