Unser Leitartikel:
Atomwaffen abschaffen!

Wer die Bilder von Hiroshima und Nagasaki kennt, weiß, welches menschliche Elend diese furchtbarste aller menschlichen Erfindungen anrichten kann. Wer die Berichte über den Atomtod und die bis heute sichtbaren Folgeschäden des ersten und zweiten Abwurfs einer Atombombe kennt, wer selbst einmal an den Mahnmalen für die Opfer dieser Kriegsverbrechen der USA in Hiroshima und Nagasaki gestanden hat, kann nicht anders als diese Waffen ablehnen und ihre endgültige Abschaffung fordern. Das zumindest scheint eine zutiefst logische Schlußfolgerung zu sein.

Die Tatsache, daß heute, fast 72 Jahre nach dem Verbrechen von Hiroshima und Nagasaki, nicht nur immer noch Atomwaffen in den Arsenalen lagern, sondern weitere dieser Waffen produziert und an ihrer »Modernisierung« gearbeitet wird, ist nach dieser Logik mehr als unverständlich. Und so ist die Konferenz für ein Verbot aller Atomwaffen, die auf Beschluß der UNO-Generalversammlung in der vergangenen Woche in New York stattfand, zumindest ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung. Mit den Stimmen von 120 Mitgliedstaaten war die Durchführung dieser Konferenz beschlossen worden, die den etwas umständlichen Namen »UNO-Konferenz zur Verhandlung über ein rechtlich bindendes Instrument zum Verbot von Nuklearwaffen mit dem Ziel ihrer vollständigen Abschaffung« trug.

Nach bisher vorliegenden Informationen haben Vertreter von 132 Mitgliedstaaten der UNO teilgenommen. Bekannt wurde bereits zuvor, daß die Staaten, die offiziell im Besitz von Atomwaffen sind, die Konferenz boykottierten – ebenso wie wohl fast alle Mitgliedsländer der NATO und der EU. Die Botschafterin der USA bei der UNO gab zu Beginn der Konferenz eine Erklärung ab, aus der hervorging, daß 40 Staaten nicht an den Beratungen interessiert sind.

Die Geschichte der Atombombe ist mit der Lüge verbunden, daß der Abwurf der Bomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki im August 1945 wesentlich zur Beendigung des Krieges beigetragen habe. Diese Lüge hält sich in den Geschichtsbüchern bis heute.

Ebenso hält sich bis heute die Lüge, daß der Besitz von Atomwaffen ein Garant für Sicherheit sei. In Zeiten der Block-Konfrontation, also während der Existenz der Sowjetunion, sprach man von einem »Gleichgewicht des nuklearen Schreckens« und von »nuklearer Abschreckung«, aber dennoch gab es bedeutende Schritte zur Begrenzung dieses Schreckens-Szenarios. Zwischen der Sowjetunion und den USA konnten einige Verträge ausgehandelt werden, die sogar eine Aussicht auf nukleare Abrüstung vermittelten.

Diese Verträge sind heute weitgehend obsolet. Weder von den USA noch vom heutigen kapitalistischen Rußland sind auch nur in Ansätzen Bemühungen zu erkennen, die Gefahr eines Atomkrieges zu bannen. Von beiden Seiten, ebenso von den NATO-Staaten sind fadenscheinige Begründungen für den Boykott der Anti-Atomwaffen-Konferenz der UNO zu hören. Die USA, und mit ihr die NATO, und ebenso Rußland verstricken sich immer mehr in ein unverantwortliches Säbelrasseln.

Umso mehr müssen alle vernünftigen Menschen ihre Stimme erheben. Es gibt keinen vernünftigen Grund für atomare Rüstung. Wer die Gefahr eines milliardenfachen Atomtods verhindern will, muß sich für die bedingungslose Abschaffung aller Atomwaffen einsetzen. Dazu gibt es keine Alternative.

Uli Brockmeyer

Mittwoch 5. April 2017