Unser Leitartikel:
Den Übergang zu linearen Lohnerhöhungen organisieren

Ganz überraschend einigten sich die Gewerkschaften vergangene Woche mit der Vereinigung des Finanzkapitals ABBL auf einen Kollektivvertrag für das Jahr 2017. Ursprünglich wurde über einen dreijährigen Kollektivvertrag verhandelt, aber nun werden die Gewerkschaften einen einjährigen »Übergangs-Kollektivvertrag« unterzeichnen, der bis zum 31. Dezember 2017 reicht.

Eigentlich handelt es sich bei dem »Übergangsvertrag« lediglich um die Verlängerung des bisherigen Kollektivvertrags aus den Jahren 2014 bis 2016. Die einzigen Änderungen: Bei der, Juni-Prämie genannten Konjunktur-Prämie wird ein weiteres Jahr Betriebzugehörigkeit zugerechnet, und es wird eine einmalige Prämie von 400 Euro brutto an alle Bankangestellten ausbezahlt, die zum 1. Juni 2017 ein Arbeitsverhältnis hatten und unter den Kollektivvertrag fallen.

Im Vergleich zum ursprünglichen Forderungskatalog der Gewerkschaften ist das Resultat mehr als bescheiden. Man kann fast schon von einer Nullrunde sprechen.

Dennoch war das Aufatmen bei der Aleba, der größten Gewerkschaft aus dem Bankenbereich, nicht zu überhören. Denn was wäre passiert, wenn die Patronatsvereinigung des Finanzkapitals daran festgehalten hätte, die Juni-Prämie in der bisherigen Form abschaffen zu wollen?

Die ABBL-Banker dürften ihrerseits mehr als zufrieden sein, denn sie werden die zusätzlichen Lohnkosten aus ihrem Taschengeld begleichen können und freuen sich bereits über die Extragewinne, die dank des »Übergangsvertrags« anfallen und den Nettoprofit für 2017 noch einmal in die Höhe treiben werden. Bekanntlich hatten die Banken bereits 2016 – trotz historisch niedriger Zinsen – einen Profit vor Rücklagen in Höhe von 6,23 Milliarden Euro verbucht.

Nichts wird die Finanzkapitalisten übrigens daran hindern, bei den kommenden Kollektivvertragverhandlungen erneut mit der Abschaffung der Juni-Prämie oder sonstiger Errungenschaften zu drohen, um Lohnforderungen seitens der Beschäftigten zuvorzukommen, es sei denn die Entschlossenheit der Gewerkschaften und der Bankangestellten.

Die wird ohnehin erforderlich sein, wenn Forderungen durchgesetzt werden sollen, die sicherstellen, dass zumindest ein Teil der Einnahmen aus der höheren Produktivitätsentwicklung auf den Lohnkonten der Bankangestellten landen soll.

Eigentlich drängen sich angesichts der Produktivitätsentwicklung und der Milliarden aus dem Bankengeschäft, welche Jahr für Jahr in die Taschen einer kleinen Minorität von Spitzenmanagern und Aktionären fließen, bessere Arbeitsbedingungen und größere lineare Lohnerhöhungen für die Bankangestellten geradezu auf.

Aber dem werden die Banker nur zustimmen, wenn sie sehen werden, dass die Bankangestellten und ihre Gewerkschaften bereit sind, ihre Forderungen konsequent durchzusetzen.

Damit es soweit kommt, wird viel Überzeugungsarbeit und Einsatzbereitschaft erfordert sein. Es sei denn, die Bankangestellten finden sich damit ab, dass sie die Verlierer der nächsten Jahre sein werden.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Dienstag 13. Juni 2017