Unser Leitartikel:
Kennst du den Ort, wo die Atombomben lagern?

Einen Katzensprung von Luxemburg entfernt lagern in Büchel in der Eifel 20 USA-Atombomben mit einer Sprengkraft, welche 520 Mal der Hiroshima-Bombe entspricht. Hiroshima ist die japanische Stadt, die am 6. August 1945 durch die erste Atombombe, welche die USA abwarfen, vollständig zerstört wurde.

In Luxemburg wird hingegen – sowohl von der Regierung, als auch von der parlamentarischen Opposition und der sogenannten »Zivilgesellschaft« – nur über das Atomkraftwerk Cattenom im nahen Frankreich gesprochen, nicht aber über die 70 Kilometer Luftlinie von unserer Grenze entfernten Atomwaffenbunker in Büchel, trotz der großen Gefahren, welche die dort gelagerten Atombomben darstellen. Sollte das damit zusammenhängen, dass die atomaren Massenvernichtungswaffen in Büchel im Besitz »unserer amerikanischen Freunde« sind?

Bei der UNO in New York hat am Donnerstag dieser Woche die zweite Verhandlungsrunde für einen Vertrag über ein weltweites Verbot aller Atomwaffen begonnen. Vergangenen Dezember hatte die Generalversammlung der UNO beschlossen, im Jahre 2017 offiziell über ein völkerrechtliches Atomwaffenverbot zu verhandeln. Damit würde eine Lücke im Völkerrecht geschlossen, denn Atomwaffen sich die einzigen Massenvernichtungswaffen, die noch nicht verboten sind.

35 Länder, darunter alle Atomwaffenstaaten und die meisten NATO-Staaten, stimmten allerdings gegen die Resolution. Zu den Neinsagern gehörte auch Luxemburg, dessen Regierungsvertreter zwar gerne bei jeder Gelegenheit als Friedenstauben auftreten, jedoch immer dann, wenn es konkret wird, sich den Falken anschließen.

Aber die Zeit drängt, denn die in Büchel gelagerten USA-Atomwaffen sollen demnächst modernisiert werden – ein Beschluß der bereits auf den Friedensnobelpreisträger Barack Obama zurückgeht.

Wie bereits im vergangenen Jahr, mobilisiert die deutsche Friedensbewegung gegenwärtig gegen die Atomwaffen in Büchel. Während 20 Wochen – eine Woche für jede dort gelagerte Atombombe – werden Aktionen, Dauer-Mahnwachen und Blockaden unmittelbar vor dem Atombombenlager stattfinden.

Für die Kommunistische Partei Luxemburgs war es eine Selbstverständlichkeit, der Einladung der Deutschen Kommunistischen Partei nachzukommen, an den Aktionen am 23. und 24. Juni in Büchel teilzunehmen. Für die Kommunisten ist der Kampf für Abrüstung und für atomare Abrüstung Teil ihres Selbstverständnisses und ihres politischen Programms, denn wo Aufrüstung und Krieg gedeihen, bleibt kein Platz für demokratischen und sozialen Fortschritt.

Völlig unsinnig ist es, zu versuchen, diese Haltung als »Antiamerikanismus« hinzustellen. Seit es die Atombombe gibt, tritt die KPL für deren Verbot ein und macht keinen Unterschied zwischen »guten« und »schlechten« Atombomben, unabhängig davon, ob es sich um US-amerikanische, sowjetische, beziehungsweise russische, britische, chinesische, französische oder israelische Atombomben handelt. Denn eine einzige Atombombe – unabhängig welcher Couleur« – würde Luxemburg vollständig vernichten.

Das sollte für die Regierung, die parlamentarische Opposition und die gesamte »Zivilgesellschaft« Grund genug sein, sich für die weltweite Ächtung der Atomwaffen und die Verschrottung der Atombomben an unserer Grenze einzusetzen. Noch ist es Zeit.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Freitag 16. Juni 2017