Médecins sans Frontières (MFS)

Widerstand gegen Medikamenten-Patent

Am vergangenen 27. März reichte MSF beim EU-Patentamt Einspruch gegen das Patent von Gilead Sciences ein, welches das Medikament Sofosbuvir betrifft, das ein Schlüsselmedikament in der Behandlung der Lebererkrankung darstellt. Damit schloß sich MSF einer bereits größeren Gruppe zivilgesellschaftlicher Organisationen an, unter denen auch MSF-Vertretungen anderer Länder sind.

Der Pharmakonzern Gilead profitiere bei der Herstellung des Wirkstoffes aufgrund seiner Monopolstellung und verlange Phantasiepreise, welche dafür sorgten, daß viele Menschen keinen Zugang zu dem Wirkstoff haben können, welcher die Behandlung von Hepatitis-C deutlich verbessert.

Mit ihrem Einspruch, auf den Gilead bis Anfang 2018 Stellung beziehen muß, wollen die Organisationen erreichen, daß weltweit Millionen von Menschen eine Behandlung mit dem Medikament erhalten können. Denn mit Anfechtungen kann erreicht werden, daß Patente aufgehoben werden oder deren Dauer verkürzt werden, bis sie freigegeben werden müssen, woraufhin wesentlich günstigere Generika hergestellt werden können, und der Preis auch für das Original generell sinkt. So wurde etwa in China das Patent bereits aufgehoben, während das Verfahren in Indien, Argentinien, Brasilien oder Rußland noch läuft.

Mit Sofosbuvir kann die Behandlungsdauer gegen den Virus von bisher 6 bis 12 Monaten auf 12 Wochen reduziert und die Erfolgsquote auf 95 Prozent heraufgesetzt werden. Das Medikament ist in der Lage, den Kampf gegen diese Erkrankung weltweit signifikant voranzutreiben. Das weiß auch Gilead und kämpft um seine Pfründe.

Eine Behandlung über 12 Wochen mit dem Medikament kostet hierzulande über 50.000 Euro. Immerhin, so MSF-Luxemburg-Direktor Paul Delaunois, übernehme die CNS die Kosten in den meisten Fällen problemlos, während in anderen Ländern erst im fortgeschrittenen Stadium der Leberzerstörung zugewilligt werde, die Kosten zu übernehmen.

In den USA kostet zum Vergleich eine Behandlung nach anfänglich 84.000 US-Dollar (1.000 US-Dollar pro Tablette) nunmehr rund 64.000 Dollar. Die Herstellungskosten belaufen sich demgegenüber auf rund 1 US-Dollar pro Tablette.

Das Patentmonopol des Pharmakonzerns verhindert, daß auch in vielen EU-Ländern Menschen mit dem Medikament behandelt und geheilt werden können.

Ein Einspruch gegen das Patent könne dazu führen, daß, wie etwa in Frankreich, neue Preisverhandlungen zwischen Staat und Unternehmen unter wesentlich günstigeren Konditionen stattfinden können. Grundsätzlich jedoch, so hieß es abschließend, könne das Ziel nur sein, jedem erkrankten Menschen zu helfen.

CK

Freitag 16. Juni 2017