Unser Leitartikel:
Warum die Ereignisse vom 5. August 1942 heute noch von Bedeutung sind

Auf den Tag genau ist es heute 75 Jahre her, dass die deutschen Faschisten, die Luxemburg seit dem 10. Mai 1940 besetzt hielten, am 5. August 1942 eine groß angelegte Razzia gegen die kommunistische Resistenz durchführten.

Am Vorabend des 5. August waren SS-Einheiten und reguläre Wehrmachtverbände nach Luxemburg verlegt worden, um zu einem massiven Schlag gegen die KPL auszuholen, den ein Sonderkommissariat der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Trier während Monaten vorbereitet hatte.

Nach der Besetzung unseres Landes durch Hitlerdeutschland hatte die KPL als einzige politische Partei beschlossen, organisierten Widerstand gegen die Nazis leisten. Im Februar 1941 war die erste illegale Zeitung der kommunistischen Resistenz, »Die Wahrheit«, erschienen, lange bevor das faschistische Deutschland am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel. Das zu erwähnen ist wichtig, weil bis heute von bürgerlichen Kreisen systematisch die Lüge verbreitet wird, die Kommunisten hätten erst nach dem Überfall auf die Sowjetunion damit begonnen, Widerstand zu leisten.

Es gibt Gründe, weshalb die Nazis die Repression gegen die kommunistische Resistenz, die im Herbst 1940 eingesetzt hatte, ausgerechnet im Sommer 1942 verstärkten. Die Resistenzorganisation der KPL, der sich inzwischen die Leitung der sozialistischen Jugend angeschlossen hatte, war die Widerstandsgruppe, die den größten Einfluß unter den Berg- und Hüttenarbeitern im Süden des Landes hatte, deren Sabotageaktionen die Nazis zunehmend nervten.

Der zweite Grund bestand darin, dass die Kommunisten einen Appell an nicht-kommunistische Resistenzorganisationen verfasst hatten, in welchem sie zu gemeinsamen Aktionskomitees und einer zentralen Resistenz-Leitung aufriefen. Da die Nazis zu diesem Zeitpunkt bereits die Absicht hatten, junge Luxemburger in die Wehrmacht zu zwangsrekrutieren, sollte die Zerschlagung der kommunistischen Resistenz möglichen Widerstand dagegen von vornherein brechen.

Wohl gelang es den Nazis, bei der Razzia an einem einzigen Tag 63 der 70 Männer und vier Frauen, deren Namen auf der Gestapo-Liste standen, zu verhaften und den kommunistischen Widerstand stark zu schwächen, aber weder konnte die KPL vernichtet, noch der Generalstreik gegen die Zwangsrekrutierung verhindert werden.

Diese Seite der Luxemburger Geschichte ist heute kaum noch bekannt, denn seit der Zeit, da die USA den »Kalten Krieg« anzettelten und die Kommunisten und kommunistische Sympathisanten von den Kanzeln der Luxemburger Kirchen herab öffentlich exkommuniziert wurden, wurde seitens der »staatstragenden« Kräfte alles getan, um die Rolle der Kommunisten im Kampf gegen den Faschismus, aber auch gegen Unterdrückung und anti-demokratische Tendenzen generell aus dem kollektiven Gedächtnis zu streichen.

Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass für die Kommunisten und ihre Gesichte in der Regel kein Platz in den offiziellen Geschichtsbüchern ist – und wenn doch, dann um sie zu verleumden.

Der Kampf gegen den Antikommunismus bleibt deshalb aktuell, da seine Rolle – oft unter dem Mantel historischer »Wahrheiten« – darin besteht, die Menschen davon abzuhalten, sich mit den emanzipatorischen Ideen und gesellschaftlichen Alternativen der Kommunisten, die zum Teil auch in der Zeit der Resistenz entwickelt wurden, auseinanderzusetzen. Womöglich würden viele dann zu dem Schluß gelangen, dass es sich heute lohnen könnte, zusammen mit den Kommunisten Veränderungen anzustreben.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Freitag 4. August 2017