USA weisen kubanische Diplomaten aus

»Mysteriöse Erkrankungen« von USA-Botschaftsmitarbeitern in Havanna

Heather Nauert, Sprecherin des USA-Außenministeriums, kann den Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und der Diplomaten-Ausweisung nicht erklären


Die Sprecherin des USA-Außenministeriums Heather Nauert bestätigte am Mittwoch (Ortszeit) auf Nachfrage, daß die USA bereits am 23. Mai zwei kubanische Diplomaten ausgewiesen haben. Ihr Ministerium begründete die Maßnahme mit »mysteriösen Erkrankungen« von US-Botschaftsmitarbeitern in Havanna. Einzelheiten der Vorgänge oder Symptome wollte die Sprecherin auch auf mehrfache Nachfrage von Journalisten nicht nennen, da die Ursachen noch untersucht würden. Auch den Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und der Diplomaten-Ausweisung konnte Nauert nicht erklären. Das State Department vermied es, die kubanische Regierung zu beschuldigen. Der Nachrichtensender CNN verbreitete kurz darauf, die USA-Diplomaten seien möglicherweise Opfer eines »akustischen Anschlags« geworden. Das kubanische Außenministerium (Minrex) protestierte gegen die Ausweisung seiner Diplomaten, sagte jedoch Unterstützung bei der Aufklärung des Falles zu.

Das Minrex hatte bereits am Mittwoch in einer Stellungnahme erklärt, daß es am 17. Februar von der USA-Botschaft und dem State Department über die Erkrankungen informiert worden sei und die Regierung sofort »eine umfangreiche Untersuchung mit höchster Priorität« eingeleitet habe. Laut Minrex richteten die kubanischen Behörden eine Ressort übergreifende Expertenkommission ein und verstärkten den Schutz der Botschaft und deren Personals. Zudem sei den USA-Behörden eine umfangreiche Zusammenarbeit bei der Untersuchung angeboten worden. Heather Nauert bestätigte, daß die kubanische Regierung an der Aufklärung der Vorgänge beteiligt ist. Laut »Washington Post« hat in den USA mittlerweile das FBI die Ermittlungen übernommen.

Die Hintergründe der diplomatischen Krise zwischen Washington und Havanna blieben auch nach den Erklärungen der jeweiligen Außenministerien nicht durchschaubar. Es bleibt unklar, warum beide Seiten die bereits Monate zurückliegenden ungeklärten Erkrankungen der USA-Bürger und die Ausweisung kubanischer Diplomaten als Revanche so lange diskret verschwiegen hatten. Ende 2016 hatten einige Mitarbeiter der USA-Botschaft in Havanna über die ersten »körperlichen Symptome« geklagt. Bei mindestens zwei der Erkrankten verschlimmerten sich die Gesundheitsprobleme derartig, daß sie zur Behandlung in die USA zurückkehren mußten. Ohne Angabe von Quellen berichteten USA-Medien, daß die Symptome der Betroffenen denen einer Gehirnerschütterung glichen, sich auf das Gehör auswirkten und die Gefahr bestehe, dieses für immer zu verlieren. Heather Nauert wies derartige Spekulationen jedoch zurück. »Wir haben keine gesicherten Antworten über die genaueren Ursachen«, sagte sie. Ihre Behörde nehme die Situation jedoch »sehr ernst«.

Die Geschichte wurde erst in dieser Woche durch eine Meldung in den CBS-Radionachrichten bekannt. Heather Nauert äußerte sich nur auf Nachfrage von Journalisten und betont zurückhaltend dazu. Nur der Senator aus Florida Marco Rubio wußte auch ohne Untersuchung bereits, wo die Schuldigen sitzen. »Die kubanische Regierung belästigt das in Havanna arbeitende USA-Personal schon seit Jahrzehnten«, erklärte er in Miami gegenüber der dort erscheinenden Tageszeitung »Nuevo Herald«. Wichtige kubanische Medien wie die Zeitungen »Granma«, »Juventud Rebelde« und das Online-Portal »Cubadebate« berichteten am Donnerstag teilweise auf ihren Titelseiten und veröffentlichten die Minrex-Erklärung im Wortlaut. »Kuba wird niemals zulassen, daß von kubanischem Territorium Aktionen gegen akkreditierte Diplomaten und ihre Familien ausgehen«, schrieb die Zeitung »Granma« dazu.

Volker Hermsdorf

Freitag 11. August 2017