Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Risikofaktoren schnellstens beseitigen

Seit Anfang der 1990er Jahre ist viel über die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz diskutiert, beraten und geschrieben worden. An guten Absichtserklärungen hat es dabei seither nicht gefehlt. Doch »um Terrain« hat sich im Interesse der Schaffenden nicht viel geändert. Das Gegenteil ist eher der Fall, so wie es übrigens immer wieder von der »Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen« (Sitz in Dublin) bemängelt wird.

Umfragen zeigen, dass die Gesundheit der Schaffenden nicht mehr allein durch Risikofaktoren am Arbeitsplatz gefährdet ist, sondern dass Arbeitsintensität und die zunehmend flexiblen Beschäftigungspraktiken heutzutage immer häufiger die Ursache von gesundheitlichen Beschwerden sind.

Eine Entwicklung, die sich bereits vor einem Vierteljahrhundert in aller Deutlichkeit bemerkbar machte, und schon damals sowohl die Gewerkschaften wie auch die in Irland ansässige Institution dazu bewog, die Alarmglocke zu ziehen und eine breitgefächerte Debatte über die Qualität der Arbeitsplätze im gegenwärtigen Klima des zunehmenden Wettbewerbs und der sich rasch verändernden Beschäftigungsmuster zu fordern.

Die erhoffte Wende zum Positiven folgte jedoch nicht, da die warnenden Worte beim Patronat größtenteils auf taube Ohren stießen. Mit der Folge, dass Rückenschmerzen, Muskelerkrankungen im Nacken- und Schulterbereich, sowie allgemeine Erschöpfungszustände nach wie vor zu den häufigsten Beschwerden gehören, verursacht durch schlechte Arbeitsbedingungen – unter anderem beschwerliche und ermüdende Körperhaltungen, nicht fachrechtes Werkzeug, Vibrationen, schlechte Beleuchtung, Kälte, Feuchtigkeit, sowie das Tragen von schweren Lasten.

Was die Arbeitsintensität anbelangt, so gibt heute fast jeder Zweite an, mindestens während eines Viertels seiner Arbeitszeit unter Zeitdruck zu stehen. Druck, Hetze, Mobbing und innerbetriebliche Konkurrenz haben aufgrund der schlechten Situation auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren derart zugenommen, dass zwei von fünf Befragten in einer rezenten Umfrage darüber klagten, nicht genügend Zeit zum Erledigen der ihnen auferlegten Arbeiten zu haben.

Der Druck am Arbeitsplatz ist massiv gestiegen. Und zwar in einem Ausmaß, dass inzwischen 35 bis 50 Prozent aller Lohnabhängigen befürchten, ihre aktuelle Tätigkeit nicht bis zum Pensionsalter ausüben zu können. Dies betrifft vor allem jene Arbeitskräfte, die nicht nur körperlich schwer arbeiten müssen, sondern auch psychisch zunehmend belastet werden. Eine Wende zum Positiven ist kurz- oder mittelfristig nicht zu erwarten. Dies, weil einerseits ein Großteil der Unternehmer beabsichtigt die Arbeitszeitregelung weiter zu deregulieren, nachdem bei der rezenten Reform des PAN-Gesetzes die Referenzperiode auf Druck des Patronats gesetzlich von einem auf vier Monate verlängert wurde, und andererseits nach wie vor nicht bereit ist, das zum Beheben zahlreicher Risikofaktoren benötigte Geld in die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu investieren.

Das kann so nicht weiter akzeptiert werden. Denn auch in Sicherheitsfragen gilt »der Mensch vor Profit«.

g.s.

Gilbert Simonelli : Freitag 11. August 2017