Auf Krautmarkt tummeln sich Lehrer und Juristen

28 von 60 Parlamentsabgeordneten sind aktive oder ehemalige Rechtsanwälte, Juristen, Lehrer oder Erzieher

Obwohl die meisten Deputierten von LSAP und Déi Gréng in ihrer Selbstbeschreibung auf der Internetseite der Abgeordnetenkammer darauf verzichten, ihre sogenannten Grund- und Vorberufe anzugeben, haben wir uns die Berufsstruktur der 60 Männer und Frauen, die das Volk auf Krautmarkt vertreten (sollen), genauer angeschaut.

Lehrer und Erzieher sind mittlerweile die mit Abstand größte Berufsgruppe im Parlament – dicht gefolgt von Rechtsanwälten und Juristen. Zusammen stellen die beiden Berufsgruppen fast die Hälfte der Abgeordneten: 14 ehemalige Lehrer an Grund- oder Sekundarschulen, zwei Erzieher, ein Hochschullehrer, acht aktive oder ehemalige Rechtsanwälte und drei Juristen machen zusammen 28 von 60 Deputierten aus.

Die zweite Hälfte der Chambermandate ist über-wiegend mit Zeitungsjournalisten, TV- und Radiomoderatoren bzw. -sprechern und Herausgebern (zusammen sieben), aktiven oder ehemaligen Gewerkschaftsfunktionären (vier) und Gemeindebeamten (zwei) besetzt. Zu ihnen gesellen sich drei Ärzte, ein Apotheker und eine Psychologin.

Angehörige der Arbeiter-klasse sucht man hingegen fast vergebens in der Abgeordnetenkammer. Die – mit sehr viel Wohlwollen – fünf Ausnahmen bilden die CSV-Abgeordneten Ali Kaes, Marc Spautz und Marc Lies, die Dreher, Schlosser und Bankangestellter waren, bevor die beiden erstgenannten Gewerkschaftsfunktionäre beim LCGB wurden, sowie von der LSAP Roger Negri, ein pensionierter Eisenbahner und Fränk Arndt, der ebenfalls als Schlosser und Dreher arbeitete, bevor er Gewerkschaftsfunktionär beim OGBL wurde.

Schaut man sich die Berufsstruktur der Abgeordneten bestimmter Parteien genauer an, so fällt auf, daß alle sechs Chamberabgeordneten von Déi Gréng früher als Lehrer oder Erzieher gearbeitet haben, und daß auch unter den 13 DP-Abgeordneten sechs ausgebildete Lehrer und drei Anwälte sind. Bei der CSV ist das Juristenverhältnis derweil auf fünf zu 23 gesunken.

Zwar sollte man die Vorberufe der Parlamentsabgeordneten nicht überbewerten – schließlich haben auch Marx und Lenin Jura studiert, Fidel Castro promovierte sogar zum Doktor des Zivilrechts –, doch bezeichnend ist es schon, daß so wenige sogenannte Volksvertreter der Arbeiterklasse entstammen und sich schon mal beim Arbeiten die Hände schmutzig gemacht haben.

oe

Oliver Wagner : Freitag 11. August 2017